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Der Freiwald-Fakten-Check Beinahe-Bundespräsident oder Märchenonkel?


Das Dschungelcamp mutiert zu Walter Freiwalds bunter Märchenstunde. Der Ex-"Preis ist heiß"-Ansager behauptet, als Bundespräsident kandidiert zu haben. Seine kruden Aussagen im Fakten-Check.

Eben noch Ansager bei "Der Preis ist heiß" und Staubsaugerverkäufer beim Tele-Shop, morgen schon Bundespräsident? Walter Freiwald hält sich für den perfekten ersten Mann im Staat. Am Tag fünf im Dschungelcamp gab sich der 60-Jährige erneut betont selbstbewusst. Dieses Mal will er aber nicht Thomas Gottschalk bei "Wetten, dass ..?" beerben, sondern Joachim Gauck. Walter for President.

"Ich habe mich mal als Bundespräsident beworben", erklärte Freiwald seinen verdutzten Mitbewohnern. Er sei zwar nicht politisch, aber als er gehört habe, da könne sich jeder bewerben, sei er gegen Peter Sodann angetreten. "Und dann wurde es aber Herr Wulff", sagte Freiwald. "Bei der SPD war die Stelle frei und da habe ich mich beworben. Und dann haben die geschrieben: Vielen Dank für ihre Bewerbung, alles wunderbar, aber leider haben wir uns schon für einen anderen Kandidaten entschieden." Doch, er will es nochmal probieren.

Waren diese Ausführungen erneut Teil von Walters bunter Märchenstunde oder steckt ein Fünkchen Wahrheit darin? Mit seiner Aussage "Ich war RTL-Programmdirektor" wurde Mogel-Walter bereits der Lüge überführt. Denn das war er nie. Wie steht es um seine politischen Ambitionen? Seine kruden Bundespräsidenten-Aussagen im Fakten-Check:

1. "Ich habe mich mal als Bundespräsident beworben."


Die Wahl zum Bundespräsidenten und die Nominierung der Kandidaten ist im Grundgesetz und im Gesetz über die Wahl des Bundespräsidenten durch die Bundesversammlung geregelt. nach Paragraph § 9 Abs. 1 des BPräsWahlG kann jedes Mitglied der Bundesversammlung Vorschläge machen, auch noch während der Wahlversammlung. In der Regel bestimmen die Parteien ihre Kandidaten aber vorab. Ein klassisches Bewerbungsverfahren gibt es aber nicht.

Unwahr

2. "Da kann sich jeder bewerben."


Wie in Punkt eins aufgeführt, gibt es kein Bewerbungsverfahren zum Amt des Bundespräsidenten. Es stimmt aber, dass grundsätzlich jeder Bürger Bundespräsident werden könnte, mit folgenden Einschränkungen: Er muss das 40. Lebensjahr vollendet haben, die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen und das Wahlrecht zum Bundestag besitzen. Theoretisch wäre also auch Walter Freiwald wählbar.

Stimmt teilweise

3. "Dann bin ich gegen Peter Sodann angetreten."


Peter Sodann war 2009 Kandidat der Partei "Die Linke" bei der Wahl zum Bundespräsidenten. Am 23. Mai 2009 erhielt der Schauspieler in der Bundesversammlung 91 Stimmen. Horst Köhler gewann die Wahl im ersten Wahlgang. Ein Kandidat Walter Freiwald war in der Bundesversammlung nicht vorgeschlagen.

Unwahr

4. "Und dann wurde es aber Herr Wulff."


Bei der Wahl 2009, bei der Peter Sodann antrat, wurde nicht Christian Wulff, sondern Horst Köhler zum Bundespräsidenten gewählt.

Unwahr

5. "Bei der SPD war die Stelle frei und da habe ich mich beworben. Und dann haben die geschrieben: Vielen Dank für ihre Bewerbung, alles wunderbar, aber leider haben wir uns schon für einen anderen Kandidaten entschieden."

Die SPD schlug 2009 Gesine Schwan zur Wahl des Bundespräsidenten vor, die bereits 2004 kandidiert hatte. Insofern war "die Stelle" nicht frei. Ob ein entsprechendes Schreiben Freiwalds bei der SPD vorlag und ob die Partei darauf geantwortet hat, konnte die Pressestelle auf stern-Anfrage bis zum Mittag nicht klären.

fraglich

6. "Das ist für mich genau der richtige Job, weil ich die Aura habe, die Ausstrahlung, ich habe die Rhetorik drauf, die ich auch fürs Ausland brauche, um mich im Ausland mit anderen Regierungsonkels zu treffen."

Nun, jetzt sind Sie gefragt: Wäre Walter Freiwald ein gutes Staatsoberhaupt? Beantworten Sie die Frage in unserer Abstimmung.

mai

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