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Dschungelcamp 2013 - Tag 1: Buddha Berger

Die Dschungelspiele sind eröffnet und warteten mit der ersten Überraschung auf: Der als Krawallmacher gebuchte Helmut Berger war lammfromm und leistete sich nur einen kleinen Ausrutscher.

Von Mark Stöhr

Jetzt sitzen wieder die schlaffen neben den straffen Körpern und warten, dass es vorbeigeht. Das Dschungelcamp ist eine Gemischtsauna der Gelackmeierten. Voller heißer Luft und mit dem immergleichen Aufguss. Die Bikinizonen-Mädchen sind wieder da, die immer wissen, wo die Kamera steht. Die Prolls und Playboys sind vertreten und werfen sich in die trainierte Brust. Die Abteilung Klimakterium fehlt nicht mit ihren umgebauten Clownsgesichtern. Dazu die üblichen Showpferde, Schwachköpfe und Schweiger. Es ist wie immer im Januar im australischen Dschungel. Doch ein Gast ist neu: ein Geist. Er hat, so scheint es, seine körperliche Existenz hinter sich gelassen. Oder befindet er sich nur im Zustand der Entgiftung?

Die Zeitungen und Websites sind voll mit Helmut Berger, weil er selbst so fürchterlich voll war im Vorfeld. Man rechnete mit den schlimmsten Entgleisungen und Peinlichkeiten und einem würdelosen Schauspiel. Das kann alles noch kommen. Beim gestrigen Start von "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus" erlebten die Zuschauer aber einen aufgeräumten, fast weisen alten Mann. Buddha Berger. Als sich Silva Gonzalez, ein sehr schlicht komponierter Provinzdisco-Klaus, über die Umstände seiner Zeugung ausließ, entfuhr dem 69-Jährigen nur ein "Jetzt wird es zu gewöhnlich." So einen Satz hat man im Dschungelcamp noch nie gehört. Helmut Berger: Ein Herr unter Hängern, Kaffeehaus trifft auf Kakerlake.

"Du bist ein Weltstar, du darfst hier hinpinkeln"

Ganz ohne einen Mini-Fauxpas machte es der Schauspieler dann aber doch nicht. RTL schlachtete den Vorfall genüsslich aus. Berger hatte in der ersten Nacht wohl etwas die Orientierung verloren oder ekelte sich vor den Toiletten oder fühlte sich zu wackelig für den Weg dorthin. Jedenfalls öffnete er hinter dem nächstgelegenen Busch seinen Hosenstall und ließ es laufen. Pinkeln im Camp – man kennt das aus den vorangegangenen Staffeln – wird als schwere Unsportlichkeit gewertet. Dementsprechend groß war die Aufregung. Gockel-Gonzales blies die Backen auf, während Berger der Angelegenheit keine allzu große Bedeutung beimessen wollte ("Es waren nur fünf Tropfen") und von Olivia Jones die Absolution erhielt: "Du bist ein Weltstar, du darfst hier hinpinkeln."

Jones, die Supertranse von der Reeperbahn, ist das Superweib im Camp und schon jetzt die Superfavoritin auf den Thron. An ihre Nehmer- und Führungsqualitäten, ihre Schlagfertigkeit und ihren Witz kommt keiner so schnell heran. Als sie mit fünf anderen Kollegen direkt vom traditionellen Kennenlern-Apéro weg ohne vorherige Ankündigung in den Dschungel geflogen wurde, jammerte sie augenzwinkernd: "Ich wollte meine Perücke noch waschen, jetzt habe ich einen Müffelmopp auf!"

Andere Betroffene der plötzlichen Abholaktion reagierten da weit weniger entspannt. Claudelle Deckert beschäftigte ihr hormonelles Gleichgewicht ("Hätte ich doch noch mal Selbstbefriedigung gemacht"), Fiona Erdmann drohte gar mit Boykott: "Ich kann jetzt nicht gehen, ich mach' mir echte Sorgen um meine Firma." Vor lauter Aufregung brach sie sich einen Fingernagel ab.

Wann setzen bei Berger die Entzugserscheinungen ein?

Erdmann, die Irgendwann-Irgendwas-Platzierte bei den "Topmodels", könnte es gleichwohl weit bringen in der diesjährigen Show. Sie ist biestig und bissig und manövrierte sich mutig durch die erste Dschungelprüfung voller schleimiger Abscheulichkeiten. Die Zuschauer mögen so was. Joey Heindle, der Mann an ihrer Seite – die Prüfung nannte sich "Dschungel-Hochzeit" –, dürfte es da ungleich schwerer haben. Man kennt ihn aus der letzten "DSDS"-Staffel, er war der nette Trottel mit der Achterbahnstimme (Bohlen: "Ich habe Angst um meine Ohren"). Diese Trottelnummer spielt der 19-Jährige nun offenbar im Urwald einfach weiter. Aber geht es hier wirklich um ein Spiel? Oder wohnt in Heindle doch nur ein sehr schlichtes Gemüt, das eigentlich besonderen Schutzes bedürfte?

Helmut Berger, das Camp-Orakel mit der geduckten Gestalt einer Schildkröte, wüsste sicherlich die Antwort. Er behält sie nur für sich. Mit einem entrückten Lächeln verfolgte er das Treiben seiner Mitbewohner, wie sie sich wichtig taten und in Szene setzten. Wahrscheinlich hätte er mit derselben Gleichmut die Fiesheiten quittiert, die aus dem Off laufend auf ihn niederprasselten ("Im Vergleich zum Berliner Flughafen ist der Berger schon fertig"). Olivia Jones traut dem Braten nicht und warnte die Community schon einmal vorsorglich: "Wartet mal ab, bis bei Helmut die Entzugserscheinungen losgehen." Doch wer weiß, vielleicht ist bei dem ehemals schönsten Mann der Welt wie durch ein Wunder der Geist aus der Flasche.