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Dschungelcamp-Königin Maren Gilzer: Außer Walter könnt ihr alle gehen

Soll man am Ende noch einmal nachkarten? Zum x-ten Mal anmerken, wie öde das war? Meine Güte, es gibt ja sonst nichts zu erzählen. Maren wurde Königin. Walter fehlte. Der Rest ist Schweigen.

Von Ingo Scheel

Hatte Mühe den frischgewonnenen Titel zu verdauen: Maren Gilzer.

Hatte Mühe den frischgewonnenen Titel zu verdauen: Maren Gilzer.

Wow, wow, wow, wow, wow. Danke, danke, danke, danke, danke, danke, danke, danke. Lieber Gott, danke, dankeeee, danke. Wuuuuuuhhhhhh. Dankeeeee. Aber echt jetzt nochmal richtig und alle so: Dankeeeee!

Wer da meinte, die Nerven hätten sich im Zuge dieses Schlafexperiments namens Dschungelcamp ausreichend Hornhaut zugelegt, der musste sich dann kurz vor der Erlösung noch einmal eines Besseren belehren lassen. Als hätte man Sue Ellen Ewing nach dem Genuss einer Flasche Bols blau auf Rollschuhen in einen Orgasmus-Workshop geschoben, ging der guten Maren Gilzer unmittelbar nach der Krönung zur Dschungelkönigin aber so dermaßen der Hut hoch. So tooolllll! Wie Mutter Beimer vor der Backofen-Klappe oder Gwyneth Paltrow nach einem ihrer Vaginaldampfbäder. Wie gut, dass Benjamin Boyce da nicht in der Nähe gewesen ist. Auch dafür von hier ein ganz dolles "Dankeeeee".

Zeit für Besinnung und Besinnliches

Und sonst? Es ist ja nichts Neues, dass die letzte Sendung noch einmal ganz zähes Leder ist. Da könnten Helmut Berger, Liz Taylor und Jack Torrance um den Tisch sitzen, man würde dennoch runterzählen, bis es endlich vorbei ist. Und so war es denn auch: Jörn, Tanja und Maren. Schnick, Schnack, Schnuck. Tick, Trick, Track. Die drei Fragezeichen in der grünen Hölle. Einer der wenigen zu Herzen gehenden Momente in dieser letzten Ausgabe: Als Tanja Tischewitsch tatsächlich so etwas wie ein Licht(lein) aufging: "Ich merk's jetzt so richtig: Wir sind im Dschungel!" Wahnsinn. Wenn einem soviel Geistreiches wird beschert, das ist schon 10 Millionen verschiedene Gefühle wert. Mindestens.

Dschungelcamp 2015: Maren, Tanja und Jörn kämpfen um die Dschungelkrone
Die Finalisten des Dschungelcamp 2015: Maren Gilzer, Jörn Schlönvoigt und Tanja Tischewitsch (von links)

Die Finalisten der neunten Staffel "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!": Maren Gilzer, Jörn Schlönvoigt und Tanja Tischewitsch (von links). Am 16. Tag im Camp muss jeder für sich eine Prüfung bestehen.

Überhaupt - auch das ist nichts neues so kurz vor der Ziellinie - war noch einmal die Zeit für Besinnung und Besinnliches. "Ich bin kein Entertainer", gab da Jörn Schlönvoigt zum Besten. Und Maren hatte die Antwort auf die Frage parat, warum ausgerechnet diese drei Nasen da als Finalisten noch am Feuer sitzen durften: "Wir sind immer wir selbst geblieben". Genau, möchte man sie anschreien. Das ist doch die Situation hier. Das ist ja das Problem: Immer nur sie selbst, während andere sich den Arsch abarbeiteten und mal eben zwischen Bundespräsi, "Wetten, dass..?"-Moderator, Radiogott, Briefkastenonkel, Vertreter für Winkfleisch, Gollum, netter Onkel, böser Onkel, Trantüte und Lagergott mäanderten, zuweilen binnen Sekunden. Während andere etwa Hashtag für irgendwas hielten, was man mit Kräuterbutter verzehrt. Darauf einen Dujardin.

Unterversorgung drinnen und draußen

Ein letztes Mal sei es gesagt: Ohne Walter wär hier gar nichts los. Also - war es dann ja auch nicht mehr. Benjamin Boyce taute erst so richtig nach dem Auszug auf, auch Aurelio ging draußen erst mit sieben Eiern im Tank wieder auf Schürzenjagd. Jörn blieb nett, Tanja doof und Maren, nun ja, eine muss es ja machen und so setzte man der einstigen Buchstabendreherin schließlich die Krone auf. Oder wie Walter es sagen würde: "Maren wurde nicht gewählt, es haben nur zuviele für sie angerufen."

Was bleibt also vom diesjährigem Dschungelcamp? In erster Linie Unterversorgung drinnen und draußen. Der sehnsuchtsvolle Blick in die Geschichtsbücher, wo Namen wie Ramona Leiß oder Mathieu Carrière, Vincent Raven und Brigitte Nielsen, Lorielle London und Jimmy Hartwig in güldener Tinte glänzen. Selbst ein Dustin Semmelrogge hätte in dieser Staffel noch hell geleuchtet. Ein Jahr hat man nun Zeit für die nächste Ausgabe, die Vorbereitungen sollten am besten schon heute beginnen. Und Walter Freiwald? Man wird das Gefühl nicht los, dass diese Geschichte noch nicht auserzählt ist, dass wir noch längst nicht alles über ihn erfahren haben. Genau genommen sollte ihm das ermöglicht werden, was dem Wendler im Vorjahr noch unter schallendem Gelächter völlig zurecht verwehrt wurde: eine zweite Chance.

Ich empfehle mich. Jetzt erst mal einen Persico.