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TV-Kritik

Dschungelcamp 2018: "Wann immer ich in den Spiegel schaue, kommt mir das Grauen"

Natascha Ochsenknecht ist raus – Schampus für alle! Das heißt allerdings auch: Nikotin-Negroni ist noch drin. Jetzt kann uns nur noch Tina mit ihrer Liebe retten.

Von Mark Stöhr

Tina York im Dschungelcamp

Allein vorm Feuer. Tina York möchte gerne von der Liebe gefunden werden

Hallo Deutschland! Hey Leute! Schaut auf dieses Camp! Dort leben Menschen! Und nicht nur das: Menschen mit Problemen! Keine Kohle, kein Talent, manche haben ganz schlechte Haare, die immer nur den Boden sehen, nie die Sonne. Suchtkranke sind unter ihnen, sogar Ausländer. Aber keine Sau guckt zu. Vergessen im Dschungel, verschollen im Quotenloch – das haben unsere verschwitzten Versager nicht verdient! Wo sind die Gaffer, die sonst immer auf der Gegenfahrbahn in die Eisen treten?

Es ist doch mal so: Unsere Camper delivern, was sie können. Natascha Ochsenknecht zum Beispiel hat Schnupfen. Der Schleim läuft ihr wie prickelnder Schampus aus der Nase. Das rotzt! Oder Jenny Frankhauser. Sie wurde als Halbschwester von Daniela Katzenberger gebucht, darf aber keine Interna ausplaudern, weil sonst der Anwalt kommt. Sie hat also nichts, aber auch rein gar nichts zu sagen – dafür trägt sie Bikini ohne Bikinifigur (es gibt für alles Liebhaber) und schlürft, ohne mit ihren aufgeklebten Wimpern zu zucken, fermentierte Enten-Eier mit pürierten Mehlwürmern ("Ich habe mal abgelaufenen Ayran getrunken, das schmeckt genauso").

Fun für Feingeister

Es gibt sogar ein Urzeitwesen, das vorsichtig aus der Vitrine des paläontologischen Museums auf die Pritsche im Urwald verfrachtet wurde. Achtung, sehr zerbrechlich! Es hört auf den schönen Namen Tina. Das klingt nach Pferdehof und D-Mark. Tina wünscht sich nichts sehnlicher, als in ihr stillgelegtes, staubiges Dasein zurückzukehren ("Ruft an - aber bitte nicht für mich"). Doch ihre Performance ist einfach zu poetisch. Anders ausgedrückt für Anhänger von Alliterationen: Tina liefert den Fun für Feingeister.

Wunderschön, wie sie sich gestern ihren Pony kürzte – mit einem Messer. Während sie sich Millimeter um Millimeter vorwärtssäbelte, sagte sie Sätze, wie sie eigentlich sonst nur im Gebührenfernsehen zu später Stunde zu hören sind. "Wann immer ich in den Spiegel schaue", lautete einer, "kommt mir das Grauen. Aber ich tue, was ich kann." Oder: "Ich versuche, mit der Bürste ein wenig Schwung reinzukriegen. Aber man kann ja nicht alles erwarten bei meinen Haaren."

Dschungelcamp: Tina York ist die Anti-Trash-Formel

So viel Seele, so viel Demut. Die Perückenmacher werden überall dort die Preise senken, wo die Diva mit dem dünnen Haar in Zukunft Station macht. Die Shampoo-Industrie wird sich noch einmal extra ins Zeug legen, um endlich das Wunderrezept zu finden, das aus einer glatten Matte einen mächtigen Busch macht.

Doch Tina war noch nicht fertig. Nach den Haaren kam das Herz dran. Stichwort Liebe. Nicht nur nah am Wasser gebaute Friseure verloren nun endgültig die Fassung. Die 63-Jährige erzählte von ihrer kürzlich zerbrochenen Beziehung zu einem "wunderbaren Mann". Kein Nachtreten, obwohl der sie ganz offensichtlich sitzen gelassen hat, nicht ein böses Wort. Und dann sagte sie den Satz, der noch lange im Urwald nachhallen wird: "Ich gehe nicht los, um eine neue Liebe zu finden - ich würde mich gerne finden lassen." Tina York ist die Anti-Trash-Formel, der Gegenentwurf zur Gehässigkeit.

Dschungelcamp, Tag 12: Daniela, ihr schmeckt's nicht!
Tapfer kaut Jenny Frankhauser das rohe Fischauge

"Qualentinstag" hieß die Dschungelprüfung, durch die sich Jenny Frankhauser und David Friedrich buchstäblich quälen mussten. Denn während die Moderatoren Daniel Hartwich und Sonja Zietlow an einer festlich gedeckten Tafel Platz nahmen und Burger und Pizza speisten, mussten sich die Dschungelcamper am Katzentisch Platz nehmen - und bekamen ekelige Speisen serviert. Der Halbschwester von Daniela Katzenberger sah man sichtlich an, wie wenig ihr das Essen mundete.


Alle Infos zu 'Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!' im Special bei RTL.de

"Ich bin schon wieder zwei Tage rauchfrei"

So gibt es also das Schöne im diesjährigen Dschungelcamp - aber auch das Hässliche. Stehen die Leute ja auch drauf, je elender, umso besser. Und Daniele "Ich bin schon wieder zwei Tage rauchfrei" Negroni ist echt ein Superelend. Der könnte auch am Bahnhof rumhängen und um eine Kippe betteln, man würde ihm keine geben. Seine Mutter ist immer nur "meine Mum", sein Vater, den er nie kennengelernt hat und der irgendwo eine Pizzeria hat, "mein Dad". Den hasst er wie die Pest.

Zum zigten Mal erzählte Daniele seine Geschichte. Bis 14 bei der "Mum", dann falsche Clique, Stress, Heim, betreutes Wohnen - die übliche Biografie eines "DSDS"-Teilnehmers eben. Plötzlich unterbrach ein Schnäuzen seinen nervösen Erzählfluss. Natascha Ochsenknecht, die erkältete Chefkolumnistin im Camp, wollte eine ihrer messerscharfen Analysen loswerden. "Daniele braucht eine Vaterfigur, an der er sich festhalten kann", schlaumeierte sie. Sie schlug eine Versöhnung zwischen Vater und Sohn vor, "dann kannst du dein Leben lang umsonst Pizza essen." Guter Punkt - fanden auch die Zuschauer und wählten sie raus. Ein weiterer Grund, heute Abend einzuschalten.

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