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TV-Kritik

Dschungelcamp, Tag 5: Hanka im Wunderland

Tickt in diesem Camp eigentlich einer richtig? Im Dschungel blühen die Neurosen. Hanka vorneweg - obwohl es langsam scheint, als wäre sie die einzige Normale unter lauter Verrückten.

Von Mark Stöhr

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Das ist kein Fernsehen, das ist Theater. So eine moderne Inszenierung, bei der keiner was schnallt. Aus purem Hass gegenüber dem Publikum geboren. Die Luft ist stickig, wer Glück hat, schläft gleich ein. Das Stück heißt "Hanka im Wunderland". Die Bühne ist ein Wald. Die Titelheldin streift umher, streichelt die Zweige und umarmt einen Baum. Dann beugt sie sich zu einem Bach hinunter und sagt: "Hallo Fröschlein." Und alle wissen: Das wird richtig übel.

In dieser Aufführung sind alle kaputt. Selbst die Frösche. Sie sprechen nicht mit Hanka, die sich "in einem tiefen, tiefen Tal" wähnt. Oh, du armer, trauriger Mensch. Nach und nach kommen die anderen Waldbewohner aus den Kulissen. Ihre Gesichter sind grotesk verzerrte Fratzen mit riesigen Lippen. Ein kleiner Dicker, dem die Brille vorne auf die Nase gerutscht ist, macht Quak-Quak-Entengeräusche und kichert böse. Ein großer Dünner hustet übertrieben in eine unsichtbare Kamera und sagt: "Wenn die Honey-Show weitergehen soll, muss ich echt fit sein."

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Dschungelcamp Tag 5

Und täglich grüßt das Murmeltier: Am fünften Tag im Dschungelcamp musste Kader Loth zu ihrer vierten Dschungelprüfung antreten. "Ein bisschen nervös bin ich auch. Aber was soll ich machen. Da muss ich durch!", sagte das Model, doch dann überwand sie ihre Ängste und trat an.

Alle Infos zu "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" im Special bei RTL.de.

Hanka – allein unter Aliens

Was für ein kranker Scheiß. Hier treibt eine Ansammlung "krasser Charaktere" ihr Unwesen – so sieht es selbst Gina-Lisa, und die muss es wissen. 2005 wurde sie Miss Frankfurt, 2006 Miss Darmstadt. Erst Frankfurt, dann Darmstadt, die Entwicklung ist eindeutig negativ. Wie bei Kader Loth. Auch sie hat sich verkleinert. 2015 reduzierte sie den Silikongehalt ihrer Brüste von 800 auf 385 Gramm. Das war, nachdem ihr Frédéric Prinz von Anhalt bei einer anderen Show ins Badewasser gepinkelt hat.

So eine Welt ist das. Hanka allein unter Aliens. Sie setzt zu einem verzweifelten Monolog an. "Die nackten Ärsche, die Titten, ich halte das nicht mehr aus!", ruft sie. "Mir geht das Lachen aus den Silikon-Lippen auf den Geist. Alles ist unecht!" Und sie ist noch nicht fertig mit ihrer Rage: "Die leben in einer Scheinwelt. Die realisieren die Pflanzen und Tiere gar nicht, die wissen nicht mal, dass sie in Australien sind." Erschöpft schließt sich der Vorhang. Ende erster Teil.

Einige Darsteller nutzen die Pause, um über ihre berufliche Situation zu sprechen. Kader hat ihren Job als Society-Girl an den Nagel gehängt und arbeitet jetzt als Sekretärin. Von irgendwas muss die Miete ja kommen. Jens hat bei der Stasi den Sozialismus beschützt, bis der Laden bankrott ging. Jetzt schlägt er sich als Sänger durch – doch wie lange noch? "Ich weiß nicht, was aus mir werden soll, wenn die Medienpräsenz vorbei ist." Seine Wampe wirft sorgenvolle Falten.

Dschungelcamp-Kandidatin 2017


Dschungelcamp: Kader will Marc nackt sehen

Nur Marc "The Body" Terenzi hat anscheinend das große Los gezogen. "Meine Arbeiten is Strip and Sex." Geiler Typ. Kader fällt ein, dass sie zur Premiere von "The Sixx Paxx" eingeladen war, aber wegen einer Erkältung nicht hinkonnte. "Ich wollte dich unbedingt nackt sehen!" Klimper klimper. Die Klingel läutet, weiter geht’s.

Das Beste am Theater ist ja, dass der zweite Teil immer viel kürzer ist als der erste. Es ist jetzt Nacht. Alle schlafen außer Gina-Lisa und Honey, die das Feuer bewachen. Und natürlich Hanka, die ewig Ruhelose. "Wenn alle schlafen", sagt sie, "sehen sie aus wie Kinder." Sie geht von Pritsche zu Pritsche und guckt sich das mal an. Dabei flüstert sie Sachen wie "Hier ist ja mein Kader-Mäuschen." Gina-Lisa versucht eine Mimik, aber das klappt seit ihrer letzten Behandlung nicht mehr so gut, also sagt sie bloß: "Ich habe Angst."

Das Stück endet mit Streit und Spott. Die Waldbewohner finden Hankas nächtliche Inspektion eher so semi. Und Kader-Mäuschen, die bösartige Schreckschraube mit den falschen Wimpern, wirft sich eine Decke über den Kopf und ruft: "Huh, ich bin die Hanka." Gehässiges Gelächter. Gäbe es für Hanka noch eine Welt, dann wäre sie jetzt zusammengebrochen. So sagt sie nur: "Das menschliche Verhalten wird mir immer fremd bleiben." Vorhang zu und alle Fragen offen.

Gina-Lisa Lohfink