HOME

ESC-Sieger Måns Zelmerlöw: Die charmante Schwedenbombe

Mit solider schwedischer Popware gewann Måns Zelmerlöw den ESC. Seinen Sieg hat er nicht nur dem perfekten Auftritt zu verdanken, sondern auch seinem größten Talent: Er ist der perfekte Charmebolzen.

Ein Porträt von Lars Peters, Wien

Ein echter Sonnyboy: ESC-Sieger Måns Zelmerlöw aus Schweden

Ein echter Sonnyboy: ESC-Sieger Måns Zelmerlöw aus Schweden

Aller guten Dinge sind drei: So viele Anläufe brauchte der 28-jährige Måns Zelmerlöw beim schwedischen Vorentscheid, bis ihn die Skandinavier endlich zum Eurovision Song Contest schickten. Erst dann hatte er das Erfolgskonzept gefunden, mit dem ihm gestern Abend auch der Triumph in Wien gelang. "Ich bin jetzt die Schwedenbombe", sagte er danach bei der Sieger-Pressekonferenz und spielte damit auf die österreichische Bezeichnung für einen Schokokuss an. Und was für eine. Måns Zelmerlöw war erneut Everybody's Darling. Ein Sieger zum Liebhaben.

Der Weg dahin war nicht immer gradlinig, das Glück hatte der Charmebolzen aber meistens an seiner Seite. Heute kann man es sich kaum vorstellen: Aber der 1986 im südschwedischen Lund geborene Måns (sprich Monz) Zelmerlöw wurde - wie er im Interview zum stern sagte - in der Schulzeit gemobbt. Erst ein Freund von einer anderen Schule unterstützte ihn, baute ihn auf und wurde so zu seinem Helden. Um genau diese alltäglichen Helden geht es in dem Song "Heroes", mit dem er am Samstagabend den Sieg beim ESC holte.

Sieger beim schwedischen "Let's dance"

Die Musik war bereits in der Schulzeit für Zelmerlöw wichtig. Er ließ sich musikalisch ausbilden und versuchte als 19-Jähriger sein Glück bei der schwedischen Version von "Deutschland sucht den Superstar". Dort wurde er zwar nur Fünfter, er bekam so aber eine zweite Chance: Bei "Let's dance" tanzte er sich mit Talent und Charme in die Herzen der Schweden und wurde schließlich Sieger der TV-Show.

Seine Karriere nahm Fahrt auf: Nach der Hauptrolle im Musical "Grease" nahm Zelmerlöw 2007 zum ersten Mal am schwedischen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest teil. Mit seinem Beitrag "Cara Mia" wurde er überraschend Dritter, schaffte es damit aber an die Spitze der schwedischen Single-Charts. Das Multitalent Zelmerlöw war endgültig ein Star.

Fehltritte taten Popularität keinen Abbruch

Ob als Moderator, Sänger oder Musical-Darsteller, dem schwedischen Beau flogen die Herzen nur so zu. Dennoch ließen ihn die Schweden hängen, als er es 2009 das zweite Mal beim Vorentscheid versuchte. Schon damals war die Show perfekt, der Song aber zu schwach.

Zelmerlöw biss die Zähne zusammen und arbeitete weiter hart an sich. Gleichzeitig versuchte er sich als auch als Komponist und feierte auch so erste Erfolge. Zu Everybody's Darling avancierte er dann endgültig als der für drei Jahre die Moderation der Sommermusiksendung "Allsång på Skansen" übernahm. Jung und Alt sangen gemeinsam mit ihm und schlossen ihn endgültig in ihr Herz. Etwaige Fehltritte aus dem Privatleben, die die schwedischen Boulevardzeitungen genüsslich breittraten, taten seiner Popularität keinen Abbruch.

Im Miley-Cyrus-Stil nackt auf einer Abrissbirne

So ging Zelmerlöw in diesem Frühjahr mit "Heroes" als großer Favorit in den schwedischen Vorentscheid. Knapp vier Millionen Schweden, fast die Hälfte des Königsreichs, saßen vor dem Fernseher und schenkten ihm mit überwältigender Mehrheit das Ticket zum ESC nach Wien. Zu recht, wie wir heute wissen.

Und auch die internationalen ESC-Fans freuten sich, dass Zelmerlöw endlich auch international auftreten würde. Einige schwule Anhänger des Events trugen ihm aber eine unbedachte Äußerung nach. Als in einer schwedischen TV-Sendung 2014 bei einem Glas Sekt über Sexualität gesprochen wurde, sagte er: "Es ist nicht gleichermaßen natürlich, dass Männer mit einander schlafen wollen." Der Aufschrei im politisch korrekten Schweden war groß. Und es war vergessen, dass Zelmerlöw noch zwei Monate zuvor die Gala des schwedischen Schwulenmagazins QX moderiert hatte, bei der er im Miley-Cyrus-Stil vollständig nackt auf einer Abrissbirne durch den Saal geschwebt war. Natürlich stellte Zelmerlöw seine Aussage umgehend richtig. Aber nachtragende Seelen bringen diesen homophoben Fauxpas regelmäßig vor, wenn sie ein Haar in der perfekten Zelmerlöw-Suppe finden wollen.

Seine Stiftung unterstützt Schulen in Afrika

Denn so perfekt wie der Auftritt des Schwedens am Samstagabend beim ESC in Wien war, so tritt er auch sonst immer auf: charmant, gut gelaunt, professionell. Mit diesen Eigenschaften und seinen künstlerischen Talenten steht ihm nach dem ESC-Sieg nun die Welt offen. Der gemobbte Schüler Måns scheint Lichtjahre entfernt. Doch vergessen hat Zelmerlöw ihn bis heute nicht. Und so singt er nicht nur über alltägliche Helden, sondern ist auch selber einer: Mit seiner Stiftung unterstützt er heute drei Schulen in Südafrika und Kenia. Man muss ihn einfach mögen, diesen Schweden!