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Grimme-Preise: Triumph für öffentlich-rechtliche Sender

Die öffentlich-rechtlichen Sender sind bei der Vergabe der Grimme-Preise die großen Gewinner. Sie haben zehn der zwölf Auszeichnungen eingeheimst. Auch die deutsche Fußball-Nationalmannschaft spielte eine Rolle.

Gleich zehn Grimme-Preise gehen in diesem Jahr an öffentlich-rechtliche Fernsehsender. Die "Königsklasse" blieben Information und Kultur. In dieser Kategorie gingen alle fünf Preise an ARD-Sender und ZDF. Zum Fernsehjahr 2006 sagte Grimme-Direktor Uwe Kammann, das deutsche Fernsehen sei "in der großen Masse solide und in der Spitze im internationalen Vergleich weit vorn".

Ob investigativer Journalismus vom Schlage des Politmagazins "Monitor" bis zu mutigen Filmen über das deutsch-türkische Verhältnis hierzulande: Die Grimme-Jurys hatten viel Arbeit, um zwölf herausragende Beiträge herauszufiltern. "Viele gute Stücke konnten nicht ausgezeichnet werden", bedauerte Gutachter Richard Precht von der Kategorie Information. Im Bereich Unterhaltung gingen populäre Sendungen wie "Das perfekte Dinner" (Vox) und «Schlag den Raab» (ProSieben) leer aus. Jürgen von der Lippe kann sich dagegen über einen Grimme-Preis für seine ProSieben-Show "Extreme Activity" freuen.

"Monitor" für investigativen Journalismus geehrt

Einen politischen "Aufreger" aus dem Dickicht des Lobbyismus wollte die Jury keineswegs unbedacht lassen. Das ARD-Magazin "Monitor" hatte auffliegen lassen, dass Unternehmens-Lobbyisten in Bundesministerien eingestellt wurden und sogar mitunter an Gesetzentwürfen mitarbeiten. Der Skandal schreckte auch den Deutschen Bundestag auf. "Was wir an dieser Form gefährlich finden, ist, dass es nicht transparent ist", sagte Moderatorin Sonia Mikich. Das für Unternehmen wie Politiker unangenehme Thema soll deshalb den Zuschauern erhalten bleiben. "Wir sind an diesem Thema weiter dran, bei 'Monitor' und der Reihe 'die story'", verspricht WDR-Frau Mikich.

Thematisch hat sich bei den Grimme-Jurys immer mehr das deutsch- türkische Verhältnis in den Vordergrund gearbeitet. Gleich drei Beiträge sind mit einem Grimme-Preis ausgezeichnet worden. Die Komödie "Meine verrückte türkische Hochzeit" von ProSieben, verfolgt weitgehend Klischee-frei die Bemühungen des Berliner Plattenhändlers Götz, die Familie seiner angebeteten Jurastudentin Aylin von sich zu überzeugen.

"Der Zugriff ist mutiger geworden"

Ganz anders kommt das Drama "Wut" über Jugendgewalt im Migrantenmilieu daher. Umstritten wegen seiner harten Szenen im Kampf zwischen einem Familienvater und einem kriminellen türkischen Jugendlichen, der erst den Sohn, dann die ganze Familie tyrannisiert. Am Ende bringt der liberale Vater den türkischen Jugendlichen um. August Zirner und Oktay Özdemir in den Hauptrollen erhalten jeweils einen Grimmepreis. Grimme Nummer drei geht an die komödiantisch geprägte Serie um eine deutsch-türkische Patchworkfamilie "Türkisch für Anfänger". "Der Zugriff ist sehr viel mutiger geworden", sagte Grimme-Direktor Kammann. Man könne bei den Filmen über Migration und Integration mal lachen, mal seien sie knallhart.

Als nachnominierter Film erhält die WM-Dokumentation "Deutschland. Ein Sommermärchen" von Sönke Wortmann eine Grimme- Auszeichnung. Der in Marl geborene Filmemacher hatte die Nationalmannschaft bei der Fußball-WM begleitet und tiefe Einblicke in das Geschehen abseits der üblichen Bilder gewährt. Vier Millionen Menschen sahen das Wortmann-Märchen erst im Kino. Dann kam der für den WDR gedreht Film ins Fernsehen - 10,46 Millionen Zuschauer saßen vor den Bildschirmen. "Das Sommermärchen war ein glücklicher Sieg", sagte Wortmann. "Es war meine erste Dokumentation, und da bin ich naiv rangegangen." Am Ende habe alles geklappt, auch weil letztlich Bundestrainer Jürgen Klinsmann ihm den Zugang zu Mannschaft und zu den Stadien geöffnet habe.

Der Zugang zum Grimme-Preis blieb dagegen fast versperrt. Bei so viel Kinoerfolg hatte die Jury den beliebten Fußballstreifen zunächst links liegen lassen. Einige hätten den Film auch gar nicht gekannt und seien dann bei der Sichtung überzeugt gewesen, meinte Kammann. Manchmal seien Jurys halt auch etwas voreingenommen, wenn Filme im Kino großen Erfolg hätten.

Feierlich vergeben werden die insgesamt zwölf Grimme-Preise, die Besondere Ehrung an Komiker Hape Kerkeling sowie die drei Zusatzauszeichnungen am 30. März bei einer Gala im Stadttheater von Marl, dem Sitz des Grimme-Instituts. Moderiert wird die Veranstaltung von der Journalistin und Hörfunkmoderatorin Asli Sevindim.

Wolfgang Dahlmann/DPA