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TV-Kritik

"Hart aber Fair": Fall Wedel: "Es geht nicht um Sex, es geht um Macht"

Bei "Hart aber Fair" diskutierte eine Ewig-Gestrige über #MeToo und den Fall Wedel. Frauen müssten sich nur wehren sagte Rechtswissenschaftlerin Monika Frommel. Schließlich lebten wir nicht mehr in den 80er Jahren.

von Andrea Zschocher

"Macht, Mann, Missbrauch - was lehrt uns der Fall Wedel?" fragte Frank Plasberg seine Gäste

"Macht, Mann, Missbrauch - was lehrt uns der Fall Wedel?" fragte Frank Plasberg seine Gäste

Irgendwie spiegelte die Diskussion bei "hart aber fair" die gesellschaftliche Debatte wider, die seit den Anfängen der #MeToo–Bewegung durch Deutschland tobt. Auf der einen Seite die Menschen, Frauen wie , die sich dafür aussprechen, dass unsere Gesellschaft sich verändern müsse, dass der Machtmissbrauch der Männer, der oft auch mit einem Missbrauch an Frauen einhergeht, unterbrochen werden muss.

Auf der anderen Seite gibt es die Menschen, die fürchten, dass diese Debatte alle Flirtkultur im Keim ersticken könnte, dass ab sofort Männer ja überhaupt keine Komplimente verteilen dürften. Was selbstverständlich totaler Quatsch ist. Denn es geht nicht darum, Männer für ein Augenzwinkern an den Pranger zu stellen. Flirten ist ein Prozess, der auf Zweisamkeit beruht. Wenn eine Frau also auch auf einen Spruch mit einem Lachen und Interesse reagiert, dann ist alles in Ordnung. Schwierig wird es nur dann, wenn die Frau eben kein Interesse hat und sich genötigt fühlt. Und jegliche Grenze wird überschritten, wenn ein Machtgefälle im Spiel ist und Männer ihre Position missbrauchen, um Frauen gefügig zu machen.

Darauf beharrten sowohl die Familienministerin Katarina Barley ("Es geht nicht um Sex, es geht um Macht") als auch der Intendant des Saarländischen Rundfunks, Thomas Kleist. Sie widersprachen damit mehrfach den Ausführungen der Rechtswissenschaftlerin Monika Frommel. Die beharrte darauf, dass Frauen und Männer einfach eine andere Sexualität hätten und deswegen Frauen eben öfter Flirtereien nicht richtig verstehen würden. Frauen müssten einfach souveräner werden. Auf Nachfrage erklärte sie, dass sie bereits mit 17 Jahren schon wusste, wie sie sich gegen Avancen aller Art zur Wehr setzte.

Machtmissbrauch ermöglicht Missbrauch

Genau diese Haltung ist aber durchaus problematisch. Diese fehlende Solidarität unter Frauen sollte sich dringend ändern. Denn nur weil sich Eine stark genug fühlt, muss dies bei der Anderen noch lange nicht der Fall sein. Genau darauf wies auch die Journalistin Lisa Ortgies hin, die mehr Diversität forderte. Denn wenn Männer und Frauen gleichberechtigt in Spitzenpositionen arbeiten würden, dann würde auch der Machtmissbrauch aufhören.

Das Thema Machtmissbrauch war eines, der zentralen Schwerpunkte des Abends. Denn natürlich ging es auch in Plasbergs Sendung um und die mutmaßlichen Übergriffe auf Schauspielerinnen. Während alle Anwesenden bis auf die Rechtswissenschaftlerin den Frauen zu ihrem Mut gratulierten, fand Frommel die Enthüllungen "unfassbar". Sie empfand die Enthüllungen des "Zeit-Magazins" als "digitalen Pranger", weil die Ermittlungen nicht der Staatsanwaltschaft überlassen wurden, sondern zunächst im Magazin stattfanden. Auf diese Weise sei Dieter Wedel wie im Scherbengericht des alten Athens verurteilt worden und es sei für ihn unmöglich dieser Verurteilung durch die Öffentlichkeit zu entgehen.

"Hart aber Fair": Zuviel Strafrecht, zu wenig Lebensnähe

Frommel griff ebenfalls den Vorwurf auf, dass die Frauen sich teilweise erst nach über 20, 30 Jahren zu Wort melden würden. Sie hätte Verständnis dafür, dass in den 80er Jahren die Rechtsprechung wenig frauenfreundlich gewesen sei, aber die Zeiten seien lange vorbei. In ihren Augen sei es heute unproblematisch Übergriffe zu melden und sich gegen Peiniger zu wehren. Schließlich gäbe es heutzutage Prozesskostenbeihilfe, verschiedene Gremien, Notruf-Hotlines.

"Mir ist das zu viel Strafrecht", bemerkte Kleist und legte damit die Finger in die Wunde. Denn nur weil Frauen heute theoretisch mehr Möglichkeiten zur Anzeige offenstehen, hieße das nicht, dass sie diese Mittel ausschöpfen oder überhaupt nur kennen würden. Deswegen, so der Chefredakteur des "Zeit-Magazins", Christoph Amend, sei es so wichtig, immer wieder gesellschaftlich darüber zu debattieren. Um Frauen Mut zu machen und Solidarität mit den Opfern zu zeigen. Denn während es für die Rechtswissenschaftlerin Frommel wohl zu abwegig war, auch nur in Erwägung zu ziehen, dass sich Frauen vor Repressalien fürchten oder sich nach einem Übergriff schämen könnten, Angst hätten, dass ihnen niemand Glauben schenken würde, ergriff der Chefredakteur des Magazins an dieser Stelle Partei für die vermeintlichen Wedel-Opfer. Die hätten auch zu ihrer Zeit schon Anzeige erstatten und das Vorgehen öffentlich machen wollen, ihnen sei nur von allen Seiten davon abgeraten worden. Und auch jetzt müssten sie Shitstorms erleben, weil sie über Erlebtes sprechen.

Mal wieder Männer statt Frauen im Fokus

Rechtswissenschaftlerin Frommel wirkte in der Runde wie eine ewig Gestrige, die darauf beharrte, dass in den 80ern die Zeiten für Frauen schwieriger waren. Heutzutage aber sei das alles viel einfacher. Ihre Argumentation rückte allerdings permanent die Männer in den Fokus und übersah die Frauen und ihre selbstbestimmte Rolle. Und genau das passierte doch in den letzten Jahrzehnten viel zu oft. Es ist dringend an der Zeit dies zu ändern und Frauen zu stärken. Dies muss aber auch mithilfe der Männer geschehen, die sich noch zu wenig positionieren. Im Zuge der #MeToo-Debatte forderte Ortgies daher die schweigenden Männer auf, klar Position zu beziehen. Denn Frauen und Männer sollten nach Möglichkeit gemeinsam bestimmen, in welcher Gesellschaft sie künftig leben werden wollen. Und Fälle wie der von Harvey Weinstein oder Dieter Wedel dürfen sich einfach nicht wiederholen. 

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo