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Letzte Folge von "Gottschalk Live": Gottschalks letzte Schreibtischpredigt

Eine Pleite will er nicht erlebt haben - und kündigt bereits sein Comeback an: Thomas Gottschalk verabschiedete sich mit "Gottschalk Live" bestens gelaunt aus dem ARD-Vorabend und bewies einmal mehr, dass er dort eh nichts zu suchen hatte.

Von Katharina Miklis

Am Ende wollte er alle nochmal ganz nah bei sich haben. In der letzten Folge von "Gottschalk Live" versammelte Thomas Gottschalk das Studiopublikum dicht um seinen Schreibtisch. "Wie in der Bergpredigt" fühlte sich der Moderator in Jeansjacke, der seine Jünger ein letztes Mal um sich herum scharte. Ein letztes Mal, bevor die ARD das Licht ausknipste. "Es gibt nur wenige TV-Moderatoren, die es geschafft haben, sich innerhalb eines halben Jahres zweimal von ihrem Publikum zu verabschieden", spottete der abgesetzte Moderator über sich selbst und erinnerte damit stark an Harald Schmidt, der sich wenige Wochen zuvor mit einem ähnlichen Spruch von seiner Sat.1-Show verabschiedet hatte ("Zwei Finale innerhalb von einem Jahr. Das schaffen nicht mal die Bayern").

Die Show, in der Gottschalk zuletzt die Träume von Zuschauern erfüllte, sei keine Pleite gewesen, als die sie von manchen gesehen wurde, betonte der Entertainer am Mittwochabend bevor er die letzten zwei Wünsche seiner Aktion "66 Träume" wahr machte. 2.000 Euro verschenkte er an einen Arzt, der ehrenamtlich die chirurgische Organisaton Interplast unterstützt. Ebenfalls 2.000 Euro gab es für das ehemalige Topmodel Veruschka, Gräfin von Lehndorff, die ein Familienschloss, zu Gedenken an ihren Vater, den NS-Widerstandskämpfers Heinrich Graf von Lehndorff-Steinort, zu einer Begegnungsstätte machen will.

Die Sendung an sich war jedoch so belanglos und auf Tränendrüsen gepolt wie in den vergangenen Wochen. Keine Stars, keine Tagesaktualität, keine Überraschungen. Die überschaubaren 920.000 Zuschauer, die eingeschaltet hatten, sahen einen versöhnlichen Gastgeber ohne Wehmut, der fast ein bisschen erleichtert über das Ende wirkte, das sich fast fünf Monate hingezogen hatte. Und dennoch kündigte er an, dass das noch lange nicht alles war, mit ihm und dem Fernsehen: "Sie werden noch von mir hören. Ich bin ja nicht aus der Welt. Irgendwas wird schon passieren".

"Gottschalk Live" bot nicht das, was angekündigt war

Somit endete ein mit viel Proporz und Prahlerei gestartetes Prestigeprojekt, das den Showstar innerhalb von wenigen Wochen entzaubert und einmal mehr die öffentlich-rechtlichen Irrwege offengelegt hatte. Schnell war das Format nach dem soliden Start am 23. Januar abgestürzt. Im Durchschnitt schauten zuletzt nur noch knapp 600.000 Zuschauer zu. Die Konzeptlosigkeit, mit der die ARD "Gottschalk Live" gleich zu Beginn gegen die Wand fuhr, versuchte man im laufenden Betrieb zu beheben. Ein neuer Redaktionsleiter wurde geholt, ein neues Studio aufgebaut, unsinnige Facebook-Aktivitäten eingestellt, Promis wurden ausgeladen, die Show nicht mehr live gesendet – am Ende war nichts mehr so wie es mal gedacht war.

Über die Gründe für das Scheitern des Titanen in der Todeszone ist oft spekuliert worden. Eines der größten Probleme war sicherlich der Programmplatz: Thomas Gottschalk war der richtige Mann zur falschen Zeit. In der Problemzone Vorabend war er von Beginn an zum Scheitern verurteilt. Die Fallhöhe von "Wetten, dass..?" auf tägliche, banale Plauderei war einfach zu groß.

"Gottschalk Live" bot allerdings auch von Anfang an nicht das, was der Sender und der Entertainer vorab angekündigt hatten. Er wollte für gute Laune und Leichtigkeit vor der Tagesschau um 20 Uhr sorgen. Doch die Idee ging nicht auf. Dennoch machte Gottschalk das Spiel lange Zeit mit. Auch wenn er manches Mal zu bemüht wirkte, hatte er seinen Charme nie ganz verloren. Er war witzig, spontan, ein Profi. Doch alles um ihn herum stimmte einfach nicht. Das Konzept passte nicht zu dem Mann, der auf große Bühnen geeicht war. Hinter seinem Rücken sprachen Intendanten wochenlang über die Absetzung des erfolgsverwöhnten Showstars. Die ARD und Thomas Gottschalk, das war von Anfang an ein groß angelegtes Missverständnis. Dass das Format nicht das war, von dem er ursprünglich träumte, daraus machte Gottschalk zuletzt keinen Hehl mehr.

Die Entzauberung Gottschalks wird nicht von Dauer sein

Nun soll er mit der ARD für ein paar große Abendshows im Gespräch sein. Der Sender wäre gut beraten, wenn er Gottschalks wahrem Talent die angemessene Bühne böte. Vielleicht wird er selbst schon am Donnerstagabend mehr verraten, wenn er zu gewohnter Sendezeit ein vorerst letztes Mal auf Sendung geht – allerdings bei Spiegel Online. Dort wird er um 19.15 Uhr in einem Live-Interview zu sehen sein.

Eines ist schon jetzt klar: Die Entzauberung Thomas Gottschalks wird nicht von Dauer sein. Und er wird wiederkommen. Denn er braucht das Fernsehen. Und der ARD-Vorabend? Der wird es vermutlich auch ohne ihn weiterhin schwer haben. Da war sich auch Thomas Gottschalk am Mittwochabend sicher: "Der Vorabend ohne mich wird sehr öde", sagte er zum Abschied. "Denkt an meine Worte".

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