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Nebeneinkünfte: Sender-Chefs machen Druck auf Moderatoren

Mehrere Nachrichtenmoderatoren wie Petra Gerster oder Tom Buhrow geraten nach den Berichten über gut bezahlte Nebenjobs zunehmend in Bedrängnis. Sowohl bei den Sendern als auch in der Politik werden Forderungen laut, Journalisten sollten ihre Nebeneinkünfte veröffentlichen, um glaubwürdig zu bleiben.

Der Bericht des NDR-Medienmagazins Zapp über hoch bezahlte Nebentätigkeiten von Fernsehmoderatoren hat eine heftige Debatte entfacht. So verlangte der Intendant des Saarländischen Rundfunks, Fritz Raff, eine Diskussion innerhalb der ARD. "Ich wundere mich, was manche Firmen bezahlen. Anscheinend verdienen manche Moderatoren mit einer Stunde Vortrag mehr Geld als bei der ARD im ganzen Monat", sagte Raff der "Bild"-Zeitung.

ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender wurde in Zeitungsberichten mit der Forderung zitiert, Journalisten sollten ihre Nebeneinkünfte veröffentlichen, um glaubwürdig zu bleiben. "Ein Journalist, der Nebentätigkeiten ausführen will, soll öffentlich sagen, was er macht, von wem er bezahlt wird und wie hoch sein Honorar ist", sagte Brender der "Bild".

Auch der stellvertretende FDP-Vorsitzende Rainer Brüderle verlangte eine Offenlegung der Honorare: "Das mindeste wäre eine Bekanntmachung in den Aufsichtsgremien der Rundfunkanstalten", sagte er in der "Welt am Sonntag". Beim NDR soll der Rundfunkrat laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Focus" bereits bei einer Sitzung am Freitag entsprechende Forderungen erhoben haben. Dabei solle auch die Genehmigungspraxis für Nebentätigkeiten geprüft werden.

Nach Informationen von stern.de sollen Leitende ARD-aktuell-Redakteure angesichts der Enthüllungen über die Nebentätigkeiten von "Tagesthemen"-Moderator Tom Buhrow einen kritischen Brief an den 50-Jährigen geschrieben haben, in dem sie ihre Besorgnis um die Glaubwürdigkeit der Sendung zum Ausdruck bringen. Die Redakteure sollen Buhrow in dem Brief gebeten haben, Transparenz herzustellen und seine Nebentätigkeiten zu überdenken. Sie bezweifeln die Angemessenheit der Honorarhöhe. Leitende Redakteure der Redaktion ARD-aktuell sollen den Brief unterschrieben haben - bis auf Buhrows direkte Vorgesetzte Kai Gniffke und Thomas Hinrichs. Als Chefredakteure haben sie die Nebentätigkeiten des Moderators jeweils genehmigt.

Auf stern.de-Anfrage wollte der für die "Tagesthemen" zuständige Sender NDR sich nicht zu dem möglichen internen Protestschreiben äußern. Der Leiter der Pressestelle, Martin Gartzke, verteidigte die Arbeit Buhrows: Die Glaubwürdigkeit der "Tagesthemen" sei durch die Nebentätigkeiten nicht gefährdet, sagte er. Buhrow mache einen "exzellenten Job". Der Beitrag von "Zapp" habe sich an die gesamte Journalistenzunft gerichtet und sich mit moralisch-ethischen Fragen beschäftigt. Es sei dabei nicht um Rechtsverstöße gegangen. Eine Anfrage von stern.de an Buhrow blieb unbeantwortet.

Beim NDR wird bereits seit geraumer Zeit über einen Verhaltenskodex für die Mitarbeiter in Bezug auf Nebentätigkeiten und private Vorteile diskutiert. "Das läuft schon seit Wochen, Auslöser ist also nicht der "Zapp"-Beitrag, sondern das passt nun nur gut dazu", sagte NDR-Sprecher Martin Gartzke am Samstag.

Fernsehdirektor Frank Beckmann hatte am Freitag im Sender "NDR-Info" davor gewarnt, die Diskussion auf eine Person wie Buhrow zu fokussieren. Schließlich übten sehr viele Journalisten Nebentätigkeiten aus: "Sie schreiben Bücher, sie halten Vorträge, sie moderieren vor einem Plenum. Und dafür wird man bezahlt und das ist normal."

Das NDR-Magazin "Zapp" hatte am vergangenen Mittwoch über Journalisten und Moderatoren wie Tom Buhrow ("Tagesthemen"), Claus Kleber ("heute-journal") und Petra Gerster ("heute") berichtet, die im Einzelfall bis zu 20.000 Euro für Gast-Vorträge bei Unternehmen und Verbänden verlangten.

mit DPA/AP / AP