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Wechsel zum ZDF: Steven Gätjen als neuer Gottschalk - kann er das?

Er ist der große Blonde mit dem Babyface: Steven Gätjen wechselt nach dem Ende der Ära Stefan Raab 2016 zum ZDF. Dort soll er zum Star-Moderator aufgebaut werden, bekommt gleich drei Shows. Eine Nummer zu groß?

Steven Gätjen

Der Neuzugang beim ZDF: Am 13. Februar wird Steven Gätjen dort seine neue Show mit versteckter Kamera präsentieren.

Der 19. Dezember ist nicht nur für Stefan Raab ein einschneidendes Datum. Dann läuft die letzte Show von "Schlag den Raab", danach verabschiedet sich der Entertainer aus dem Fernsehgeschäft. Eine Ära wird zu Ende gehen. Nicht nur für Raab, sondern auch für seinen Moderator Steven Gätjen. Der wird der Produktionsfirma Brainpool und dem Sender ProSieben den Rücken kehren und im kommenden Jahr beim ZDF anheuern.

Gleich drei Shows soll Gätjen bei den Mainzern übernehmen: ein neues Live-Format am Donnerstagabend mit dem Namen "I Can Do That", in dem Prominente sich verschiedenen Herausforderungen stellen müssen, eine Neuauflage der Sendung "Deutschlands Superhirn" und eine Live-Show am Samstagabend mit dem Titel "Die versteckte Kamera 2016 - prominent reingelegt".

Gemessen an den Sendeplätzen tritt Gätjen damit in die Fußstapfen gleich mehrerer ZDF-Showgranden: Wim Thoelke, der am Donnerstagabend seinen "Der große Preis" präsentierte, und Thomas Gottschalk, der mit "Wetten, dass ..?" den Samstagabend beim ZDF über Jahre hinweg zum Millionenseller machte. Da stellt sich die Frage, ob die Bürde dieses Erbes nicht eine Nummer zu groß für den 43-Jährigen ist?

Vom Nachwuchstalent zum Karriereknick

Gätjen ist ein ProSieben-Gewächs. Zwar sammelte er erste Moderationserfahrung beim Radio und beim Musiksender MTV, doch erst beim Münchner Sender wurde er einem breiten Publikum bekannt. Zusammen mit Sonya Kraus moderierte er 1999 bis 2001 das Boulevardmagazin "Taff", war dafür sogar für einen Bambi nominiert. Doch dann der Karriereknick. Statt großer neuer Projekte wurde Gätjen abgeschoben, durfte höchstens bei Sendungen wie "Gülcans Traumhochzeit" und einmal im Jahr bei der Oscarnacht als rasender Reporter am roten Teppich ran. Bis Stefan Raab kam.

Der suchte 2011 einen Nachfolger für Matthias Opdenhövel, der als Sportmoderator zur ARD wechselte und bis dahin alle TV-Total-Eventshows moderiert hatte. Mit Gätjen wurde er beim eigenen Haussender fündig. Die Skepsis war anfangs groß. Wie sollte einer, der jede seichte Unterhaltungssendung wegmoderierte, einer Show mit Millionenpublikum gewachsen sein?

Es war nicht das erste Mal, dass an Gätjen gezweifelt wurde. Schon bei seinem ersten Casting bei MTV wurde ihm vom Aufnahmeleiter bescheinigt, dass es mit ihm und der Showbühne wohl nix werden würde. Begründung: "talentfrei". Doch Gätjen machte genau das, was ihn als Moderator wohl am meisten auszeichnet. Er ließ sich nicht beirren und nahm die Herausforderung an, arbeitete sich mit akribischer Vorbereitung und klaren Zielen nach vorne.

Witz und Schlagfertigkeit fehlen Gätjen

So wurde auch das erste Mal "Schlag den Raab" zum Erfolg. Zwar war Gätjen die Nervosität deutlich anzumerken. Und obwohl ihm eine ordentliche Portion Schlagfertigkeit und Witz, die großen Stärken von Vorgänger Opdenhövel, fehlten, machte er seine Sache ordentlich. Gätjen bot Raab Paroli. Die großen Skeptiker verstummten bald.

Im kommenden Jahr soll Gätjen nun den Showtanker beim ZDF in Fahrt bringen. In die Fußstapfen von Gottschalk, das ist auch Unterhaltungschef Oliver Heidemann klar,  wird er nicht treten können. Das ist eine Nummer zu groß für Gätjen. Trotzdem ist der in den USA geborene Blondschopf eine Bereicherung für die Mainzer. Er bringt die notwendige Erfahrung für Live-Shows mit und hat bei "Schlag den Raab" viele Sympathiepunkte gesammelt, die nun auch dem angestaubten Image des ZDF zu Gute kommen können.

Sind wir ehrlich: Für eine Show mit versteckter Kamera - die älteste Idee der Welt also - braucht es kein innovatives, neues Gesicht, sondern einen, der den Quatsch mit Spaß an der Sache wegmoderiert. Das kann er, der Gätjen.