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"Polizeiruf 110" aus Rostock Mittellos, hoffnungslos, ausweglos – dieser Krimi lässt niemanden kalt

"Polizeiruf 110: Sabine" aus Rostock
Sabine Brenner (Luise Heyer) ist völlig verzweifelt
© NDR/Christine Schroeder / ARD
Sabine Brenner ist eine Frau, die alles verloren hat: Geld, Job, Würde. In ihrer Verzweiflung greift sie zur Waffe und beginnt zu töten. Für die Kommissare Bukow und König beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.
  • 3 von 5 Punkten
  • Persönliches Schicksal verwoben mit Sozialkritik: Ein Film, der unter die Haut geht

Worum geht's?

Sabine Brenner (Luise Heyer) schuftet den ganzen Tag, trotzdem reicht das Geld nicht zum Leben. Für ihren Sohn kann sie keine neuen Schuhe kaufen, das Essen wird geteilt und die 150 Euro für die Klassenfahrt sind erst recht nicht drin. Als dann auch noch ihre Arbeitsstätte, die altehrwürdige Arunia-Werft, geschlossen werden soll, läuft die junge Frau Amok. In ihrer Verzweiflung greift sie zur Waffe und hat es abgesehen auf "alle Arschlöcher" in ihrer Welt. Als erstes trifft es den gewalttätigen Nachbarn, der immer wieder lautstark seine Frau verprügelt hat. Für die Kommissare Alexander Bukow (Charly Hübner) und Katrin König (Anneke Kim Sarnau) beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, denn ihnen ist nicht klar, wer das nächste Opfer auf Brenners Liste ist.

Warum lohnt sich der "Polizeiruf 110"?

Der Film lebt vor allem durch seine Hauptdarstellerin. Die Figur der Sabine Brenner ist eine Frau, der alles genommen wurde: Geld, Job, Würde. Luise Heyer spielt diese Rolle so stark und überzeugend, dass der Zuschauer Gänsehaut bekommt. Verzweiflung, Wut, Hoffnungslosigkeit – das alles bringt Heyer nur über Gesichtsausdrücke auf den Bildschirm. Der "Polizeiruf" übt aber auch Sozialkritik, an Großkonzernen, denen es nur um Rendite und Gewinne geht, statt um die Menschen vor Ort, denen Armut und Langzeitarbeitslosigkeit droht. "Wir sind das Arbeitsvieh. Die Gefickten. Vor der Wende, nach der Wende. Zu allen Zeiten", heißt es in einer Szene.

Was stört?

Die Grundstimmung in diesem Krimi ist konstant mies. Nicht nur die Hauptfigur ist völlig verzweifelt, auch die Kommissare wirken durchgehend verkatert und eigentlich nicht einsatzfähig. Die privaten Probleme der Ermittler nehmen mal wieder zu viel Raum ein, so dass es lange dauert, bis der Fall richtig Fahrt aufnimmt.

Die Kommissare?

Der Fall knüpft mehr oder weniger nahtlos an die letzte Episode aus Rostock an, in der Bukows Vater bei einem Einsatz getötet wurde. Danach kamen sich der Kommissar und seine Kollegin König näher, aber noch ist nicht ganz klar, was da zwischen den beiden läuft. "Sind Sie beide jetzt eigentlich zusammen?", will ein Kollege von König wissen. Aber die Ermittlerin weiß darauf auch keine richtige Antwort.

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Ein- oder ausschalten?

Es ist definitiv kein Fall, der gute Laune macht. Wer gerade selbst mit seiner Situation hadert, sollte den Film besser nicht anschauen.

Die Rostocker Kommissare Bukow und König ermittelten auch in diesen Fällen:


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