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"Polizeiruf 110" aus Rostock: Scheidungskinder, Pflegekinder, Problemkinder

Der Leiter eines Kinderheimes wird ermordet. Die Rostocker "Polizeiruf"-Ermittler Bukow und König verdächtigen ein Heimkind - und Bukows Sohn.

"Polizeiruf 110" aus Rostock

Szene aus dem Rostock-"Polizeiruf": König (Anneke Kim Sarnau) und Bukow (Charly Hübner) suchen zwei Jugendliche, die des Mordes verdächtigt werden.

ARD
  • 3 von 5 Punkten
  • Gutes Thema, mäßig spannend umgesetzt - insgesamt ein solider Film.

Worum geht's?

Der Leiter eines privaten Kinderheimes wird im Wald erschossen. Als Hauptverdächtiger gilt der schwer erziehbare Keno - der zusammen mit Samuel verschwunden ist, dem Sohn von Kommissar Bukow (Charly Hübner). Katrin König (Anneke Kim Sarnau) leitet die Ermittlungen - und stößt auf Unregelmäßigkeiten beim Träger des Kinderheimes. Derweil machen sich die beiden Jugendlichen auf den Weg nach Polen - dort lebt Kenos Halbbruder bei Pflegeeltern.

Warum lohnt sich dieser "Polizeiruf 110"?

"850 Kinder aus Deutschland leben in Pflegefamilien im europäischen Ausland", wird der Zuschauer im Abspann dieses Films aufgeklärt. Damit ist das eigentliche Thema des "Polizeirufs" gut beschrieben. Denn der Kriminalfall ist nur der Vorwand, um auf einen gesellschaftlichen Skandal hinzuweisen. Es geht den Autoren (Christina Sothmann, Elke Schuch und Regisseur Lars Jessen) vor allem darum, die Situation von Pflegekindern zu thematisieren. Offenbar gibt es auch in diesem Bereich die Tendenz, die Arbeit "outzusourcen". So wie Fabriken in Osteuropa ansiedeln, weil dort das Lohnniveau niedriger ist, werden Kinder in polnischen Pflegefamilien untergebracht - einfach, weil dies billiger ist.

Was stört?

Den Autoren ist es so wichtig, ihre Botschaft an den Zuschauer zu bringen, dass sie den Kriminalfall vernachlässigen. Spannung kommt in diesem "Polizeiruf" jedenfalls nicht auf.

Die Kommissare?

Dieser Fall ist für Alexander Bukow noch persönlicher als die anderen, denn diesmal steht sein Sohn im Zentrum der Ermittlungen. Er ist verschwunden und wird des Mordes verdächtigt. Damit er keine Alleingänge unternimmt, soll ihn Katrin König in die Ermittlungen einbinden. Wohl oder übel raufen sich die beiden zerstrittenen Kommissare zusammen. Das bringt sie jedoch nicht näher zusammen. "Wir sind am Ende. Sie haben's nur noch nicht gemerkt", bilanziert König am Schluss. Und gibt ihrem Kollegen einen Rat, wie er das Verhältnis zu seinem Sohn, selbst ein Scheidungskind, kitten kann: "Einfach mal die Schnauze halten."

Ein- oder Ausschalten?

Wer einen soliden Sonntagskrimi ohne Höhe- und Tiefpunkte sucht, ist mit diesem "Polizeiruf 110" gut bedient. Schalten Sie ruhig ein. 

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