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"Tatort" aus Münster Thiel, Boerne und die Ritter der Erdnuss

"Tatort: Es lebe der König" aus Münster
Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers, l.), seine Assistentin Silke Haller (ChrisTine Urspruch) und Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl) untersuchen die Leiche von Burgbesitzer Manfred Radtke
© WDR/Thomas Kost / ARD
Eine Leiche in Ritterrüstung, das haben Professor Boerne und Kommissar Thiel auch noch nicht gesehen. Im neuen Münster-"Tatort" klären sie den Tod eines Burgherren auf und liefern einen Exkurs in die Geschichte der Wiedertäufer.
  • 3 von 5 Punkten
  • Geschichtskurs gepaart mit Klamauk: Der zweite neue Münster-"Tatort" innerhalb weniger Wochen führt Boerne und Thiel zurück in frühere Epochen

Worum geht's?

Als Vermieter von Fahrgeschäften hat Manfred Radtke ein kleines Vermögen gemacht. "Kirmeskönig" nennen sie ihn in Münster. Und als König braucht man eine standesgemäße Behausung. Deshalb residiert Radtke mit seinen beiden Kindern Tobias und Claudia und seiner zweiten, jungen Frau Farnaz in einem Wasserschloss. Doch der prächtige Schuppen verschlingt ordentlich Geld – Geld, das die Radtkes nicht haben. Eine Art Mittelalteraufführung soll Sponsoren und mögliche Gäste anlocken. Kurz vor der Premiere treibt der alte Radtke tot im Burggraben. War es ein Unfall oder doch Mord? Kommissar Thiel (Axel Prahl) und Professor Boerne (Jan Josef Liefers) nehmen nicht nur die Familie ins Visier, sondern auch die Vorbesitzerin der Burg, Clarissa von Lüdecke, die offenkundig etwas zu verbergen hat.

Warum lohnt sich dieser "Tatort"?

Zu den stärksten Szenen des Films gehört ein Streit zwischen Professor Boerne und Kommissar Thiel. Die beiden zoffen sich um die Geschichte der Wiedertäufer im 16. Jahrhundert. Eine düstere Epoche, die über die Stadtgrenzen hinaus für Angst und Schrecken sorgte. Bis heute erinnern drei eiserne Körbe an der Lambertikirche in Münster an dieses schaurige Kapitel. In den Käfigen wurden die Leichen der drei Anführer des Täuferreichs der Bevölkerung zur Abschreckung präsentiert. Boerne und Thiel liefern dem Zuschauer in wenigen Minuten diesen geschichtlichen Exkurs und sorgen damit für Wissensvermittlung zwischen all dem Klamauk. Imposant ist auch die Kulisse, in der die Geschichte mehrheitlich spielt: ein Wasserschloss aus dem Mittelalter. Im Film heißt sie die Radtkeburg. Das Original, Schloss Hülchrath, steht in Grevenbroich.

Was stört?

Nach der zuletzt ernsteren Episode ("Limbus") aus Münster, werden in diesem "Tatort" den Albernheiten wieder Tür und Tor geöffnet. Professor Boerne tanzt in Ritterrüstung zu den Klängen von Michael Jackson, Thiel verhöhnt ihn als "Ritter der Erdnuss" und die Bewohner des Schlosses führen sich auf, als spielten sie im Kindertheater Verkleiden. Der Zuschauer fühlt sich dabei wie "Das kleine Gespenst" aus Otfried Preußlers gleichnamigen Roman. Das spukt durch die Gänge und fragt sich: Was zur Hölle treiben all diese verrückten Menschen?

Die Kommissare?

Neben ihren Differenzen über die Münsteraner Stadtgeschichte haben Thiel und Boerne noch eine Meinungsverschiedenheit: Der Kommissar trägt neuerdings Vollbart. Für den Rechtsmediziner ist es aber nur "Gestrüpp im Gesicht". "Ich hingegen trage einen Erfolgsbart", prahlt Boerne und vergleicht sich mit Salvador Dalí. Thiel hat allerdings jemanden ganz anderen im Sinn. Ihn erinnert der Mediziner an den Kommunisten Walter Ulbricht. Diese Bemerkung lässt Boerne dann lieber unkommentiert.

Ein- oder ausschalten?

Der "Tatort" passt nicht ganz in die Jahreszeit, denn gedreht wurde in diesem Sommer – unter Corona-Bedingungen. Trotzdem kann man ihn einfach so weggucken, vielleicht nicht das Schlechteste in einem eher tristen Advent.

Kommissar Thiel und Professor Boerne ermittelten zuletzt in diesen Fällen:


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