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TV-Kritik "Schlag den Raab": Mach's gut, Stefan!

Die letzte Sendung "Schlag den Raab" war tatsächlich sehr besonders. Mit 14 KandidatInnen und spannenden Spielen bot sie ein letztes Mal gute Samstagabendunterhaltung.

Von Andrea Zschocher

Stefan Raab

Noch einmal aufs Ganze gehen. Raab verlässt die Show rockend.

"Ich hoffe, Sie hatten ein bisschen Spaß!" Mit diesen Worten verabschiedete Stefan Raab sich gestern also wirklich und endgültig beim Publikum. Die 55. Ausgabe von "Schlag den Raab" war gleichzeitig auch seine letzte Sendung. Auch wenn bereits über ein Comeback gemutmaßt wird, für den Moment war dies das Finale. Das Ende vom "Raabinator". Kein Stefan Raab mehr im Fernsehen.

Zum Schluss: Sonderregelung bei "Schlag den Raab"

Seit 2006 gab es "Schlag den Raab", gegen 10 Kandidatinnen und 44 Kandidaten ist der Moderator angetreten. Leider setzte Moderator Steven Gätjen diesen Trend, vermehrt Männer gegen Raab antreten zu lassen, fort. In der gestrigen Sendung gab es eine Sonderregelung. Statt wie bisher fünf Menschen zu präsentieren, aus denen die Zuschauer per Anruf denjenigen bestimmten, der gegen Raab antrat, wurden diesmal 15 Menschen aus dem Publikum ins Rennen geschickt. Diese wählte Gätjen selbstbestimmt und nach kurzen Befragungen aus. Er entschied sich dabei in nur drei von 15 Fällen für Frauen, die zweimal sogar gegen Raab gewannen. Die Quote bei den Männern war dabei deutlich schlechter.

Gewinnen konnten die angetretenen Männer und Frauen in jedem Spiel 100.000 Euro. Im Falle des Verlierens verblieb das Geld im Jackpot. Im Finale konnten dann die insgesamt sechs Gewinner um den Restbetrag von 900.000 Euro spielen. Bei "Klackern" galt es, einen Ball mittels eines Kinderspielzeugs in die Luft zu schießen und wieder aufzufangen. Wessen Ball zuerst den Boden und dann das Körbchen berührte, verlor und hatte die Chance auf den Jackpot verspielt. Das Kunststück, den Ball wieder aufzufangen, gelang nur Studiokandidat Hendrik, der damit um insgesamt 1.000.000 Euro reicher war.

Das letzte "Rammel- Bammel"

In dieser Abschiedsausgabe "Schlag den Raab" zeigte der "Raabinator" wieder einmal, wieso die Show über so lange Zeit so erfolgreich war. Raab schenkte den Kandidaten nichts. Er fluchte und ächzte sich durch die letzte Sendung. "Es ist das letzte Rammel-Bammel", warf Kommentator Frank Buschmann ein. Jener hatte sich für diesen besonderen Abend in Schale geworfen und trug ein Raab-Dankes-Shirt. Statt Dank gab es aber jede Menge Spott für den Kommentator. Der nämlich kritisierte wie immer Raabs körperliche Konstitution und sein mangelndes Können im Bereich Fußball. Der Moderator forderte daraufhin, einmalig in der Geschichte der Sendung, Buschmann auf, das Spiel "Dosen schießen" selbst einmal auszuprobieren. Der Kommentator scheiterte, genau wie Steven Gätjen und Elton, kläglich. An solchen Szenen lässt sich die Leistung Raabs vielleicht besonders gut würdigen. Denn auch mit dem Wissen, sportlich nicht alles reißen zu können und manchen Sieg vielleicht eher durch Glück und das großzügige Auslegen der Regeln gewonnen zu haben, Raab war immer siegessicher, zielstrebig und ehrgeizig.

Arroganz und Können – bei "Schlag den Raab" nicht immer ausgeglichen

In 55 Ausgaben hatte der Moderator sicher auch die eine oder andere Arroganz gegenüber Spielleiter oder Kandidat erkennen lassen, allerdings muss dies über die Länge der Zeit und den Einsatz Raabs vielleicht auch zugestanden werden. Umso bemerkenswerter ist es da, dass es in der Geschichte von "Schlag den Raab" einige Menschen gab, die mit genau dieser Arroganz und wenig Leistung versuchten, sich zu profilieren. In der gestrigen Ausgabe wurden auch Highlights aus 9 Jahren Sendung vorgestellt. Auf einem der vorderen Plätze landete der sehr unbeliebte Kandidat Hans-Martin, der sich im September 2009 durch die Sendung pöbelte und maulte. Ein ganz ähnliches, nicht eben sympathisches Verhalten legte gestern der Studiokandidat Jörn an den Tag. Zunächst pries er sein fußballerisches Können, dann motzte er bei "Dosen schießen" über falsche Winkel und herumliegendes Blech. Einen "Sympathieträger vor dem Herren" nannte Buschmann den 25-jährigen Studenten, der das Spiel schlussendlich dennoch für sich entscheiden konnte. Die Begeisterung darüber hielt sich aber in Grenzen.

Superfitte Kandidaten bei "Schlag den Raab"

Auch das ist symptomatisch für "Schlag den Raab". Es gab Kandidaten, denen man den Sieg und die damit verbundene Prämie gönnte, deren Niederlage man betrauerte. Und dann gab es die, bei denen man hoffte, dass Raab gewinnen würde. Hoch. Weil sie zu sehr von sich eingenommen waren, zu siegessicher, zu unnahbar. "Schlag den Raab" bildete bereits in der Kandidatenauswahl selten die Mitte der Gesellschaft ab, die Menschen, die sich dort in die Sendung wählen ließen, hatten gefühlt immer zwanzig sportliche Hobbies und waren in der Höchstform ihres Daseins. Insofern war die letzte Ausgabe der Samstagabendshow auch deswegen eine schöne Abwechslung, weil eben nicht (nur) die sportlichen Überflieger ihr Können unter Beweis stellen konnten, sondern auch die eher ungelenken, sympathischen. Der Gewinn von Hendrik, der am liebsten Ballermann-Hits hört und von seinem Gewinn einen Auftritt von Micky Krause für den Schützenverein organisieren möchte, ist der schönste Beweis für die Ausnahme von der Regel.

"Hoffe, Sie hatten ein bisschen Spaß"

Die letzten Minuten seiner TV- Präsenz nutzte Stefan Raab, um die inoffizielle Hymne der Show, Whitney Houstons "One moment in time" zu trällern. Beim Refrain unterbrach er sich, es folgte ein Testbild. Nach anderthalb Minuten war er wieder da, inklusive Rentiergeweih auf dem Kopf. Gemeinsam mit seiner Showband, den "Heavytones", intonierte er "Run run Rudolph". Ein bisschen weihnachtlicher Rock'n'Roll zum Schluss. Anschließend verabschiedete sich Raab, weit weniger emotional als am Donnerstag nach "TV total", mit einem bescheidenen Wunsch. "Ich hoffe, Sie hatten ein bisschen Spaß".

Ja, doch, das hatten an diesem und an vielen vergangenen Abenden sicher die meisten. Ich jedenfalls habe mich, trotz meines beruflichen Interesses an der Show, gut unterhalten gefühlt.