HOME

TV-Start: Sex and the City für Lesben

Ein Fest für deutsche Lesben: Die US-Serie "The L Word" geht in Deutschland auf Sendung. Frauen lieben Frauen und das gar nicht so züchtig, wie man es von einer amerikanischen Produktion erwartet.

Wieder Sex und wieder eine City. Wieder geht es um die Reichen und Schönen und ihre sexuellen Nebentätigkeiten. Und doch ist die Serie "The L Word - Wenn Frauen Frauen lieben", die an diesem Dienstag (22.15 Uhr) beim Münchner Privatsender ProSieben beginnt, ein klein wenig anders: Alle Hauptpersonen sind lesbisch.

Als die Serie vor zwei Jahren in den USA startete, gab es gehörige Proteste - und zwar von beiden Enden des Spektrums. Erwartungsgemäß empörte sich die religiöse Rechte. "Homosexuelle Aktivisten, von denen es in Hollywood jede Menge gibt, wollen Homosexualität zum amerikanischen Mainstream erheben", wetterte Robert Knight, Direktor eines konservativen "Instituts für Familie und Kultur". "Ein wesentlicher Bestandteil dieser Strategie ist es, die Medien mit positiven Bildern von Homosexuellen zu überfluten." Weniger vorhersehbar war die Kritik feministischer Gruppen, die der Serie vorwarfen, nur weiße Frauen aus der Oberschicht mit Model-Look zu zeigen.

Schwulenserie als Vorreiter

Die Autorin und Produzentin Ilene Chaiken verteidigt sich damit, dass die Serie in Los Angeles spiele und da nun mal fast alle toll aussähen. "Ich kann nicht bestreiten, dass es um eine sehr attraktive Gruppe von Frauen geht, vielleicht eine idealisierte Form des realen Lebens - aber nur leicht idealisiert." Chaiken hatte die Serie bereits um 1990 entworfen, doch damals traute sich noch kein Sender ran. "Wo denken Sie hin?" bekam sie zu hören. "Im amerikanischen Fernsehen haben noch nicht mal Heterosexuelle Sex."

Doch nach der erfolgreichen Schwulenserie "Queer as Folk" änderte sich die Einstellung. Gleichzeitig begann die US-Wirtschaft, Schwule und Lesben mehr und mehr als interessante Kundengruppe zu entdecken. Die beischlafwütigen Damen aus "The L Word" waren für den durchschnittlichen Fernsehzuschauer des Mittleren Westens allerdings eine Provokation ganz besonderer Art. Brust an Brust in Großaufnahme - das hatte es so noch nicht gegeben. Und wenn in "The L Word" gesprochen wird, dominieren Probleme wie die Suche nach dem richtigen Samendoktor oder lesbische Insider-Witze: "Ich gehe davon aus, dass unser Kernpublikum aus Lesben besteht", sagt Chaiken. Interessierte heterosexuelle Frauen seien natürlich ebenfalls willkommen und, nun ja, auch Männer würden toleriert.

Es müssen wohl eine ganze Menge Männer zuschauen, da sich die Quote für die Serie sonst kaum auf hohem Niveau stabilisiert hätte. Eins kann man auf jeden Fall schon mal sagen: Die Serie ist das perfekte Kontrastprogramm zur Fußball-WM. Das F-Wort wird garantiert nicht erwähnt, und schwitzende Männerkörper sind ebenfalls tabu.

Christoph Driessen/DPA / DPA