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TV-Tipps 22.5: "Dem Himmel so fern": Was der Himmel nicht erlaubt

Der Gärtner hat Julianne Moores Herz gestohlen. In den 50ern war das ein Verbrechen. Weil er schwarz ist. Erst nostalgisch, dann nachdenklich: "Dem Himmel so fern" ist unser TV-Tipp des Tages.

Noch genießt Cathy Whitaker (Julianne Moore) unbeschwert ihr Leben in der wohlhabenden weißen amerikanischen Mittelklasse

Noch genießt Cathy Whitaker (Julianne Moore) unbeschwert ihr Leben in der wohlhabenden weißen amerikanischen Mittelklasse

"Dem Himmel so fern"
22.25 Uhr, 3Sat
DRAMA Man neigt dazu, die Vergangenheit zu verklären. Gerade dann, wenn sie so unglaublich sexy aussah wie die 1950er in den Vereinigten Staaten: Die schmucken Männer in ihren Anzügen. Die Pinup-Damen in ihren Petticoats. Die Automobile, die noch echte Kurven hatten.

Tatsächlich versetzt uns die erste halbe Stunde von Todd Haynes Drama in eine Welt, die einem Werbeprospekt (oder einem Hollywood-Film der 1950er) entsprungen sein könnte: Julianne Moore spielt Cathy Whitaker, Mutter zweier Kinder und liebende Ehefrau von Frank (Dennis Quaid), dem erfolgreichen Verkaufsleiter von Magnatech, einer Firma, die (ausgerechnet!) Fernsehgeräte verkauft. Aber diesmal bleibt Persil nicht Persil. Im Büro erwischt Cathy ihren Göttergatten beim Stelldichein - mit einem Mann. Doch der einzige, dem sie sich anvertrauen kann, ist ihr Gärtner - der Afroamerikaner Raymond (Dennis Haysbert).

Ja, die Story klingt klischeegeladen und kitschig - und will es auch sein. Schließlich ist das Bild, das wir uns auch in Deutschland von den 50er Jahren machen, von eben solchen Kischees durchsetzt. Umso härter wirkt der Schock, wenn Haynes das echte Leben einbrechen lässt und die Idylle Stück für Stück entzaubert: den alltäglichen Rassismus, die Homophobie, der unglaubliche gesellschaftliche Druck, der auf allen Beteiligten lastet. Besonders anerkennenswert: Die Sympathiegrenze verläuft nicht anhand der Hautfarben: Schon eine einfache Freundschaft zwischen Raymond und Cathy, geschweige denn ein Verhältnis, erscheint auf beiden Seiten von Schwarz und Weiß gleichermaßen undenkbar.

PS: Ironie der (Film-)Geschichte: Dennis Haysbert, der hier den Gärtner gibt, spielte zur selben Zeit (2002) in der Serie "24" den mächtigsten Mann der Welt, den (schwarzen) US-Präsidenten David Palmer - zu einer Zeit, als noch niemand geglaubt hätte, dass es schon bald in der Realität einen schwarzen US-Präsidenten geben würde.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor bei stern.de


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Unter Verdacht: Elegante Lösung"
20.15 Uhr, Arte
KRIMI Nach dem Tod eines deutschen Polizisten auf einem italienischen Grenzpatrouillenboot erlebt Ermittlerin Prohacek (Senta Berger) an Bord die brutale Behandlung von Flüchtlingen. War der Deutsche dabei im Weg? – Mit spürbarer Leidenschaft erzählter Politkrimi. (bis 21.45)

"Wie geht’s, Europa?"
20.15 Uhr, ZDF

DISKUSSION ZDF-Moderator Mitri Sirin bereist verschiedene EU-Mitgliedsstaaten, um nach den Befindlichkeiten vor der Wahl zu forschen. So fragen verärgerte Eltern in Valencia nach dem Verbleib von EU-Subventionen für die Schule ihrer Kinder, während ein deutscher Landwirt bei Wismar beklagt, dass Gelder überwiegend in Großbetriebe fließen. Die Spanierin Elia sucht ihr Glück in Berlin, weil sie daheim trotz guter Ausbildung keine Perspektive hat. Die ist für einen Spediteur in Versmold durch den gewachsenen Binnenmarkt blendend, die Mitarbeiterzahl hat sich verdoppelt. Im Anschluss nehmen Politiker Stellung, u. a. Martin Schulz (SPD) und David McAllister (CDU).

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo