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Dritte Staffel "Weissensee": "Game of Thrones" in der DDR

Es ist einfach mit Abstand die beste deutsche Serie: In der dritten Staffel "Weissensee" fällt die Mauer - doch die Geschichte um Familie Kupfer bleibt spannend. Wieder muss eine Hauptfigur sterben, noch immer wird um die DDR gekämpft.

Weissensee

Martin Kupfer alias Florian Lukas findet nach dem Tod von Julia endlich eine neue Liebe: Katja Wiese (gespielt von Lisa Wagner) ist eine Journalistin aus dem Westen.

Zwei lange Jahre mussten die Zuschauer wieder warten, um eine Fortsetzung der preisgekrönten ARD-Produktion "Weissensee" zu bekommen. Die Serie um eine dramatische Familiengeschichte in der DDR ist so etwas wie ein Trüffel in der deutschen TV-Landschaft. Selten waren sich Zuschauer und Kritiker so einig: Hier stimmt einfach alles. Jetzt geht die Erzählung endlich weiter - und zwar gleich mit viel Wumms.

Denn "Weissensee" geht mit seinen Figuren wenig zimperlich um, gibt uns Schockmomente wie in der US-Serie "Game of Thrones". Der Tod von Julia (Hannah Herzsprung) erschütterte in der zweiten Staffel die Zuschauer, und auch die dritte Staffel beginnt mit der Ermordung einer wichtigen Person. Natürlich sind es genau diese überraschenden Momente, die die Serie so  - für Deutschland überdurchschnittlich - gut machen.

Die dritte Staffel beginnt da, wo andere Erzählungen aufhören

Aber es ist auch der Mut der Drehbuchautoren, die deutsche Geschichte persönlich und anders zu erzählen. Wo die meisten DDR-Verfilmungen mit dem Fall der Mauer enden, setzt die dritte Staffel nach einem Zeitsprung von zwei Jahren genau am 9. November 1989 ein. Freudentaumel, hupende Autos, ein ungläubiges "Sind wir jetzt im Westen? - Weeß ick nich". Und doch gibt's keinesweg ein Happy End. 

Im Mittelpunkt steht wieder die Familie Kupfer. Während Martin Kupfer (Florian Lukas) nach dem Tod seiner großen Liebe nicht zur Ruhe kommt, weil er seine verschollene Tochter finden will, bekommt sein Bruder Falk den Zusammenbruch des alten Systems schmerzhaft zu spüren. Er will hart gegen die Demonstranten vorgehen, sehr zur Enttäuschung seines Vater Hans (Uwe Kockisch), der den Dialog mit den Bürgerrechtlern sucht. Auch in den letzten Zügen der zusammenstürzenden DDR werden noch Intrigen gesponnen, Leute hintergangen, Lügen verbreitet. Denn als schließlich nichts mehr geht, will Falk wie die meisten Stasi-Offiziere nur noch eins: die eigene Haut retten.

Wer kann wem noch vertrauen?

Besonders eindringlich bekommt der Zuschauer den Psychoterror zu spüren, der in diesem System um sich greift. Die entscheidende Frage ist immer noch: Wer kann wem vertrauen? In die Friedensbewegung um Vera (Anna Loos) und Nicole (Claudia Mehnert) wird durch das gesäte Misstrauen Unruhe gebracht, und auch bei der Stasi weiß bald keiner mehr, wer nun auf welcher Seite steht.

Dazu kommt eine Figur wie Polizist Görlitz (Stephan Grossmann), der als Comic Relief für Unterhaltung sorgt, auch die sich anbahnende Romanze zwischen Martin und der West-Journalistin Katja (Lisa Wagner) sorgt für leichte Momente. Drama, Polit-Thriller, Komödie - es ist schon erstaunlich, wie gekonnt "Weissensee" die Elemente verbindet. Die ARD strahlt die dritte Staffel nun als Eventprogrammierung aus: Ab Dienstag, 29. September, werden an drei Abenden hintereinander jeweils zwei neue Folgen gezeigt. Aber die Zuschauer müssen sich auf einen hochspannenden Cliffhanger einstellen. Ob und wie es dann weitergeht? Die Produzentin Regina Ziegler kündigte an, zur Not "Weissensee" auch ohne die ARD als Kinofilm weiterzuerzählen. Alles sei für eine vierte Staffel vorbereitet.