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Kolumne

"Mein geliebtes Ich": Vanessa Mai: "Mein Mann ist Andrea Bergs Stiefsohn, aber ich bin von ihr nicht gepusht worden"

Niemandem kommen wir näher als uns selbst. Und sind uns doch auch immer wieder fremd: Um dieses Spannungsverhältnis geht es in der Kolumne "Mein geliebtes Ich". Hier sprechen Prominente über den Umgang mit sich selbst. Dieses Mal: Vanessa Mai.

Von Frank Lübke (Fotografie) und Alexandros Stefanidis (Interview)

Vanessa Mai posiert für das Projekt in einer Football-Ausrüstung

Vanessa Mai posiert für das Projekt in einer Football-Ausrüstung

Ein Jahr lang haben der Fotograf Frank Lübke und der Journalist Alexandros Stefanidis für die Kolumne "Mein geliebtes Ich" Prominente in ungeahnter Pose porträtiert. Für sie wurde schnell klar: Jeder Mensch hat eine zweite Seite, die manchmal hell erstrahlt, manchmal im Dunkeln bleiben soll. Oft haben sie diese freilegen können – zum Erstaunen der Leser wie auch der Dargestellten.

Der stern veröffentlicht nun zwölf dieser ungewöhnlichen Porträts online: dieses Mal Vanessa Mai. Sie wurde als Mitglied der Band Wolkenfrei bekannt und arbeitet seit Auflösung der Gruppe als Solosängerin. Seit 2013 ist sie mit Andreas Ferber liiert, dem Stiefsohn von Andrea Berg.

stern: Frau Mai, wofür wünschen ausgerechnet Sie sich eine Football-Ausrüstung?

Mai: Ich bin zwar ein sehr harmoniebedürftiger und manchmal auch unsicherer Mensch, aber in der Musikbranche braucht man ein sehr dickes Fell oder eben eine Rüstung. Gleichzeitig symbolisiert die Rüstung auch meinen Ehrgeiz und Kampfeswillen. Ich gehe gern mit dem Kopf durch die Wand.

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Wann wird das nötig?

Bei grundlegenden Entscheidungen, etwa bei der Auswahl meiner Singles: Bei "Wolke 7" oder "Nie wieder" habe ich mich durchgesetzt, auch wenn alle um mich herum andere Songs favorisiert haben.

Sie arbeiten mit Dieter Bohlen zusammen. Wie setzt man sich gegen den Pop-Titan durch?

Rüstung an und los! Nee, Spaß beiseite. Viele glauben, mir wäre alles in den Schoß gefallen, weil ich mit dem Stiefsohn von Andrea Berg zusammen bin. Dann kommt noch der große Name Dieter Bohlen hinzu, und schon heißt es: kein Wunder, viele Grüße von Vitamin B. Das verletzt mich tief, weil ich sehr hart für meinen Traum arbeite. Andreas, mein Mann, ist zwar Andrea Bergs Stiefsohn, aber ich bin von ihr nicht gepusht worden, sie hat mir meinen Erfolg nicht ermöglicht.

Wer dann?

Andreas und ich haben das als Team geschafft. Er ist nicht nur mein Mann, mein Manager und Freund – er ist auch mein Seelenverwandter und dennoch das komplette Gegenteil von mir: Er handelt immer ruhig und überlegt, ist nicht so emotional wie ich.

Wie sehr nervt Sie der Vergleich mit Helene Fischer?

Ich bin nicht die neue Helene Fischer, ich bin Vanessa Mai. Der Vergleich ist mir unangenehm. Andererseits ist er eine Ehre. Richtig genervt hat mich diese Schublade, in die man mich gesteckt hat.

Sie meinen die Schlagerschublade?

Ja. Der Punkt ist doch: Wenn Silbermond einen Song von mir sängen, wäre es Popmusik. Wenn ich einen Song von Silbermond singe, landet er in der Schlagerecke. Dieses Schubladendenken ist traurig. Mein Traum ist es, auch mal einen Song zu haben, auf den ganz Deutschland abfeiert.


Dieser Text erschien ursprünglich im Heft Nr. 40 am 28. September 2017.