VG-Wort Pixel

Hells Angel Uma Thurman vs. Hollywood: Die späte Rache der Leinwandgöttin

Uma Thurman im Film "Kill Bill"
Uma Thurman im Film "Kill Bill"
© picture alliance/Mary Evans Picture Library
Uma Thurman wurde am Set von "Kill Bill" von Tarantino "bespuckt und gewürgt"?! Fuck. Wenn selbst die coolste Leinwandgöttin gedemütigt wird, schmeiß ich meine DVD-Sammlung aus dem Fenster.

Das darf alles nicht wahr sein. Jetzt versauen mir diese perversen alten Säcke auch noch meinen Lieblingsfilm! Ich rede von "Kill Bill", dem zweiteiligen Meisterwerk von meinem (bis gestern) Lieblingsregisseur Quentin Tarantino - mit Uma Thurman in der Hauptrolle als knallharte Rächerin. Hab ich mir mindestens zehnmal angeschaut. Einfach geil, wie Uma als unbesiegbare Amazone einen Gegner nach dem anderen platt macht ...

Vierzehn Jahre später macht die 47-Jährige nun im echten Leben damit weiter. Und niemand Geringeres als Tarantino höchstpersönlich steht ganz oben auf ihrer "Shit List". Der Mann, von dem man immer angenommen hatte, er wäre nicht nur ihr Förderer sondern seit "Pulp Fiction" auch ein guter Kumpel und enger Vertrauter. Tja, von wegen!

Verletzungen, unter denen sie bis heute leidet

"Quentin bespuckte und würgte mich", klagte Uma jetzt in einem Interview mit der "New York Times". Er habe es genossen, sadistische Handlungen an ihr vorzunehmen, wenngleich diese "nur" für Filmszenen durchgeführt wurden. Außerdem habe Tarantino seine Hauptdarstellerin gezwungen, einen Auto-Stunt selbst zu machen, um Zeit zu sparen. Uma Thurman klagt, sie habe mit einer kaputten Karre über eine mexikanische Schotterpiste rasen müssen. Sehr schnell, damit ihre Haare so im Wind wehten wie Tarantino es wollte. Am Ende crashte die Schauspielerin mit dem Auto gegen einen Baum und zog sich Verletzungen an Hals und Knie zu, unter denen sie bis heute leidet.

Neunmalkluge mögen nun fragen: Warum hat die sich nicht einfach geweigert, den Stunt zu machen? Dazu nur soviel: In meinen Ausbildungsjahren hat mich mal ein Vorgesetzter zu Arbeitsweisen gedrängt, die gegen den journalistischen Ehrenkodex verstießen. Er baute Druck auf und ich hatte Angst, meinen Job zu verlieren. Also machte ich mit, damit er seine "heiße Story" bekam. Mit Anfang 20 fehlte mir einfach noch der Mut und die Lebenserfahrung, um "Stopp!" zu sagen.

Uma Thurman traf auf Harvey Weinstein

Aber zurück zu Uma Thurman, denn unglücklicherweise wurde "Kill Bill" auch noch von Harvey Weinstein produziert. Tja, und dreimal dürft ihr raten ... Auch Uma soll von ihm bedrängt worden sein und soll in einem Hotelzimmer "verstörende Dinge" über sich ergehen lassen müssen. Als sie ihm sagte, sie würde gegen ihn vorgehen, soll er damit gedroht haben, ihre Karriere zu zerstören. 

Nun wird es wieder Leser geben, die mit den Augen rollen: "Warum geht die auch allein in sein Hotelzimmer? Selbst Schuld. Karrieregeil halt." Solche Kommentare sind mir in letzter Zeit häufiger negativ im Netz aufgefallen. Sie sind eine Frechheit, weil sie Partei für den Täter ergreifen. Ich meine, da hat man gerade den Filmdeal seines Lebens unterschrieben – und dann SOWAS. Damit rechnet doch keiner. Da steht man erstmal unter Schock.

Besonders hart: Als Uma ihren "Kumpel" Quentin damals um Hilfe bat, soll der nur sinngemäß gewitzelt haben: "Oh, der Arme. Hat keine Chance bei der Frau, die er gut findet." Damit sei die Sache für ihn erledigt gewesen. Später soll er seinen Produzenten aber doch noch zur Rede gestellt haben. Daraufhin schickte Weinstein Uma Thurman einen Strauß roter Rosen. Als Wiedergutmachung für das "kleine Missverständnis".

Traumberuf Filmstar? Pah!

Ich würde mal sagen, der "Traumberuf: Filmstar" hat damit endgültig ausgedient. Wenn selbst die coolste Leinwandgöttin aller Zeiten beinahe mit ihrem Leben dafür bezahlen musste, ihren Regisseur zufrieden zu stellen und dann am besten noch dem Produzenten einen von der Palme wedeln soll – wer hat da noch Lust, grinsend über irgendwelche roten Teppiche zu laufen?! Uma Thurman sagt heute, sie schäme sich, dass sie mit dafür verantwortlich sei, dass nach ihr viele andere junge Frauen bedenkenlos mit Weinstein zusammengearbeitet haben. Ein starker Move. Besser spät, als nie. 

Ich werde meine heißgeliebte Tarantino-Collection trotzdem erstmal für eine Weile in den Keller verbannen. Dort, wo schon meine Kevin-Spacey-DVDs liegen. Aber, hey, solange es noch Leo und Fatih gibt, ist alles gut.   


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker