HOME

Stern Logo Extra James Bond

"Spectre"-Premiere in Berlin: Groß, größer, Bond

Am Mittwochabend haben die Berliner London in den Schatten gestellt. Sagt kein Geringerer als Daniel Craig. Die "Spectre"-Premiere war tatsächlich verdammt groß, cool und überwältigend. Abgesehen von ein paar jungen Nörglern.

Von Sophie Albers "Cubby" Ben Chamo

Daniel Craig nimmt ein Bad in der Menge bei der "Spectre"-Premiere in Berlin

Daniel Craig nimmt ein Bad in der Menge bei der "Spectre"-Premiere in Berlin

In Berlin werden andauernd Filmpremieren gefeiert. Aber am Mittwochabend musste die Berliner Polizei immer wieder laut und auch mal handgreiflich werden, um außerordentlich begeisterte Bond-Fans am Potsdamer Platz im Zaum zu halten. Immer wieder drohten einige von ihnen auf die Straße gedrückt zu werden oder die Zufahrt der Prominenten zu blockieren. Sorry, James, aber es war "50 Shades of Grey"-voll.

Der Teppich war blutrot und lang, das Licht gleißend, und die Menge an den Absperrungen schrie immer wieder auf vor Glück - oder wegen irgendwelcher Youtube-Stars. Die waren allerdings sofort vergessen, als Daniel Craig Einzug hielt, dieser betonharte, eiskalte Über-Bond mit den Swimmingpool-Augen, den uns die Post-9/11-Ära beschert hat. Mit fast militärischer Präzision arbeitete er sich durch die Fan-Massen, posierte für gefühlt 10.000 Selfies, gab Hunderte Autogramme, und manchmal - wow! - lächelte er sogar.


Christoph Waltz, "Spectres" gruselig normaler Bösewicht, und Miss Moneypenny Naomie Harris - in einem beeindruckenden Hauch von Nichts und ein paar Stoffblüten - tänzelten um so fröhlicher neben dem Bond-Schrank her. Und als alle Drei endlich auf dem schnickschnacklosen Podium vor dem Kino standen, meinte Craig, das Berliner Publikum sei krasser als das in London, wo am Montag rauschend Weltpremiere gefeiert wurde. Was für ein Kompliment! Noch mehr Glücksgeschrei.

"Spectre"-Premiere mit Daniel Craig: James Bond begeistert Berlin
Christoph Waltz entdeckt jemanden auf dem Teppich, der noch wichtiger zu sein scheint als er selbst

Christoph Waltz entdeckt jemanden auf dem Teppich, der noch wichtiger zu sein scheint als er selbst

Die Bond-Religion

Im "Guardian" stand gerade zu lesen, dass die James-Bond-Filme längst religiösen Status hätten: In Berlin würde frenetisch Weihnachten gefeiert. Und so schwebte Hohepriesterin Barbara Broccoli, deren Vater Albert vor 53 Jahren den ersten 007-Film aus der Taufe gehoben hat, vorbei an ihrer Gemeinde. Manche waren im Smoking gekommen, um ihrem Heiligen besonders nahe zu sein, es wurden Ikonen geschwenkt, Verzückung und Verehrung waren schier grenzenlos.

Erstaunlich waren allerdings ein paar junge Mädchen, die sich quengelnd ganz nach vorn ans Gitter gekämpft hatten, und mit bestimmtem Ton Freitickets einforderten, schließlich stünden sie schon "seit zehn, äh, sieben Uhr morgens" hier. Ungläubige. Die einfache Bond-Frage - "Zum wievielten Mal spielt Craig 007?" - konnten sie nicht beantworten. So zog die Ticketfee weiter. Und die nörgelnden Mädchen fühlten sich so vom System verraten wie Pegida.

Wird Craig bleiben?

Christoph Waltz knickste derweil auf der Bühne wie ein Balletttänzer, und Broccoli verriet, dass sie den Mann mit dem Doppel-Oscar vor zwei Jahren auf der Berlinale getroffen und ihn sich fortan als Bond-Bösewicht gewünscht habe. Die große Frage, ob Daniel Craig ein weiteres Mal den Bond geben werde, schwebte über dem Potsdamer Platz wie die Krake über dem Film. Präzise Antworten gab - natürlich - keiner. Craig sagte trocken "Ich weiß es nicht", während Broccoli schwor, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um ihn zu halten.

Den silbernen Aston Martin, der als Reliquie vor der Tribüne stand, sahen viele zu spät, und wer erst einmal über den roten Teppich rauschen durfte, für den gab es kein Zurück. Vielleicht deshalb drückten sich so viele Männer im Kinopalast die Nasen an den Fenstern platt. Drinnen gab es selbstredend Wodka-Martini. Craig wiederholte zur Freude aller, dass Berlin seine Lieblingsstadt sei und sie echt mal hier drehen sollten. Berlins Oberbürgermeister Michael Müller kam gar nicht mehr raus aus dem seligen Grinsen. Nachdem dann auch der britische und der amerikanische Botschafter Platz genommen hatten, ging es endlich los mit "Spectre", dem 24., dem teuersten, dem längsten Bond aller Zeiten. Und Ihnen sei so viel verraten - in Craigs Worten: "Mit 'Spectre' wollten wir alles feiern, was Bond ausmacht". Der Vorhang hebt sich am 5. November.

Lesen Sie hier den "Spectre"-Schnellcheck 

Die ausführlich Filmkritik gibt es zum Filmstart!

James Bond entkommt von einstürzendem Haus