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"Germany's next Topmodel": Kakerlaken-Alarm im Modelcamp

Australien, Kakerlaken, Prüfungen und kreischende Kandidaten - diese Zutaten dürften den meisten Fernsehzuschauern bekannt vorgekommen sein: Bei "Germany's Next Topmodel" wurde Dschungelcamp gespielt. Das hätte trotz fehlender Ekel-Spiele amüsant sein können, wenn die wichtigste Teilnehmerin nicht gefehlt hätte: Heidi Klum.

Von Jens Maier

Eigentlich hätten ja neun Mädchen nach Australien fliegen sollen, um sich dort eine Woche als Models zu beweisen. Doch was wäre eine Folge von "Germany's Next Topmodel" ohne Drama, Baby? Eine Kandidatin war nicht am Frankfurter Flughafen erschienen: Vanessa. Sie sei gestürzt, hieß es, und im Krankenhaus. In einer Einblendung klagte sie allerdings über Kopfschmerzen, was Fragen aufwarf: Auf den Kopf gefallen? Die genaue Antwort, was Vanessa fehlt, blieb Heidi Klum schuldig und hatte nur folgende Erklärung: Gehirnerschütterung. Da waren's nur noch acht. Zwar wurde die Jury nicht müde zu erklären, dass dies nicht das Aus für Vanessa bedeute, doch der erfahrene Casting-Show-Zuschauer ahnte bereits, was das für die Rauswurf-Entscheidung am Schluss der Sendung heißen könnte.

Selbstverständlich mussten die Mädels trotzdem "Competition machen". Die Wortschöpfung von Bruce Darnell heißt beim neuen Juror Rolf Scheider "Challenges". Und die waren zahlreich: Auf die "Wer sieht nach einem 24-Stunden-Flug am besten aus"-Challenge folgte die "Wer findet allein den Weg zum Foto-Shooting in Sydney"-Challenge. "Vier Kilometer schaffen wir auf gar keinen Fall zu Fuß", sagte Carolin kämpferisch als sie mit dem Rest der Mannschaft ein Taxi bestieg. Vom Dschungelcamp sind wir zwar anderes gewohnt - Känguru-Hoden-Snacks oder Madenduschen - aber noch befanden sich die Models ja in der Aufwärmphase. Die härtesten Prüfungen standen noch bevor. Wie sagte Scheider so schön: "Wer Challenge sagt, sagt auch Gewinnerinnen."

Gisele nervt ebenso wie die Kakerlaken

Eine der ersten war Gisele. Die hatte mit dem Giftspray den Kampf gegen die Kakerlaken in der Model-Wohnung aufgenommen - und gewonnen. "Man fängt als Model ganz unten an", hatte Heidi Klum ihren Schützlingen mit auf den Weg gegeben. Auch sie hätte in einer ihrer ersten Appartements in New York Kakerlaken gehabt. Ob sie damals deswegen auch geheult hat? Gisele, die Heulsuse der Sendung, hat natürlich: "Ich mag eigentlich alle Tiere, habe heute schon drei kleine Hunde gestreichelt, aber hier drin überkommt mich echt der Ekel", schluchzte sie. Dann machte es "Pffffffff" und ein Stoß aus der Giftflasche erledigte eines der Tierchen. Gisele, die Julia Biedermann von "GNT" - die hatte ja bei "Ich bin ein Star, holt mich hier raus" auch keine Lust auf Kakerlaken.

Wanda hingegen entwickelte sich eher zu einer tapferen Isabel Edvardsson. Wir erinnern uns: Die hatte im Dschungelcamp nicht nur Madenduschen mit stoischer Ruhe ertragen, sondern sah dabei auch noch verdammt gut aus. Und Wanda absolvierte, obwohl sie krank war, ein Foto-Shooting für das Modelabel "Betty Barclay" (Gisele: "Ich dachte das sei ein Billigparfüm bei 'Schlecker'") mit Bravour, allerdings ohne danach nackt im Teich zu baden. Spätestens hier wäre der richtige Zeitpunkt gewesen, um der dahinplätschernden Sendung mit ein paar Bikini-Shootings zu einem "Drama" zu verhelfen. Stattdessen musste das Rolf Scheider besorgen. Erst brachte er Wanda zum Heulen, weil sie dem Fotografen von ihrer Übelkeit erzählt hatte ("Das ist ein absolutes No Go"), dann stellte er den Mädchen ein neues Punktesystem vor. Dessen Regeln hätten es mit denen der ersten Stripshow im deutschen Fernsehen, Tutti-Frutti mit Hugo Egon Balder, aufnehmen können: Keiner verstand sie aber das war ja egal. Die Quintessenz des "GNT"-Punktesystems: Am Ende entscheidet doch die Jury.

Apropos Jury: Waren das nicht mal drei? Rolf Scheider, Amin Peyman und Heidi Klum? Von letzterer fehlte in Australien jede Spur. Heidi war stets nur in Einspielern zu sehen, war offensichtlich nicht mit nach Down Under gekommen. Vanessas Abstinenz wurde zu Beginn der Sendung lang und breit erklärt, über Heidis Fehlen verloren die anderen beiden Juroren kein Wort, was ungefähr so war wie eine "Wetten dass..?"-Sendung, die auf einmal ohne Thomas Gottschalk ausgestrahlt würde. Ein Traum, werden jetzt viele sagen. Doch schlimmer geht's immer: Die Zuschauer wurden über zwei Stunden lang mit Rolf Scheider gequält. Scheider übertrifft in Sachen Eloquenz und Witzigkeit selbst Frank Elstner - und wer würde heute bestreiten, dass der seinerzeit schlimmer war als heute Gottschalk. Noch nie wurde die sonst omnipräsente Heidi Klum so vermisst.

Es geht um Punkte, Punkte, Punkte

Aber die Show muss weitergehen. Und schließlich läuft "Wetten dass...?" trotz Frank Elstner auch immer noch. Beim Anblick von Rolf Scheider in Badehose hieß es deshalb: Augen zu und durch. Der präsentierte im knappen Beinkleid fast am Schluss der Sendung die bisher fehlende Bikini-Challenge der Models. Am berühmten Bondi-Beach mussten sie auf dem Surfbrett eine gute Figur abgeben, ehe es dann noch mal in einem Nightclub auf den Laufsteg ging. Für alles gab's irgendwie Punkte, sodass in der Endabrechnung Wanda, Janina und Caro die Wertung anführten und Sarah ganz hinten lag. Nicht mal das Finale versprach spannend zu werden, wäre da nicht Gisele gewesen.

Sie werde freiwillig gehen, sagte sie, nachdem sie vom Juroren-Team Amin und Rolf bereits in die nächste Runde geschickt worden war. Der Grund: Sie fühle sich von Sarah gemobbt. "Wenn du nicht die Schnauze hältst, klatsche ich dich weg", habe die gesagt, als Gisele sich morgens um vier in der Model-Wohnung auf Kakerlakenjagd begeben hat. Geklatscht wurden am Ende - ganz wie im Dschungelcamp - allerdings nur die armen Tierchen. Gisele blieb nach tröstenden Worten von Amin doch und die komplette Jury entschied sich kurzerhand, dass in dieser Runde keiner gehen müsse, weil alle sich so toll entwickelt hätten. Ein Schelm, wer jetzt glaubt, dass dies etwas mit der fehlenden Vanessa zu tun haben könnte. Eine Jury, die keine Entscheidungen trifft - noch nie hat man sich so sehr ein Zuschauervoting gewünscht. Doch halt, das gibt's ja auch bei "Germany's Next Topmodel": Rechtzeitig umschalten.