Prinz Harry (41) klagt vor dem Londoner High Court mit einer Gruppe weiterer Prominenter - unter anderem Sir Elton John (78) und Schauspielerin Elizabeth Hurley (60) - gegen die Verlagsgruppe Associated Newspapers Ltd., zu der unter anderem die "Daily Mail" und "Mail on Sunday" gehören. Der Vorwurf lautet systematische Verletzung der Privatsphäre über einen Zeitraum von rund zwei Jahrzehnten. Am Mittwoch nun stellte sich der jüngere Sohn von König Charles III. (77) selbst den Fragen des Anwalts der Gegenseite - und bot dabei vielfältige Einblicke in die von ihm so empfundene Verletzung seiner Privatsphäre.
Prinz Harrys Freundinnen wurden von der Presse verfolgt
So berichtete Harry etwa im Zeugenstand, dass das Medieninteressen an seinem Liebesleben stets riesig gewesen sei. Dabei sei er auch medial mit Frauen in Verbindung gebracht worden, mit denen er überhaupt nicht zusammen war. Von den "Tausenden" Artikeln, die über sein Liebesleben veröffentlicht wurden, sei keiner "im öffentlichen Interesse" gewesen, findet Prinz Harry.
Als Beispiel führte er etwa den Fall seiner Exfreundin Cressida Bonas (36) an. Die "Daily Mail" habe im Jahr 2013 einen Artikel veröffentlicht, in dem es hieß, dass sich Bonas auf der Insel von Richard Branson (75) und nicht bei Harry aufgehalten habe. Harry fragt sich, wie das Blatt wohl an diese Informationen gekommen sein kann.
"Es ist ein schreckliches Dasein für ein junges Mädchen, so verfolgt zu werden - wahrscheinlich haben sie Cressida verfolgt oder Informationen über ihren Flug erschlichen und sie dann überwacht, so wie sie es mit meinen anderen Freundinnen getan haben", so der Prinz.
Prinz Harry "hatte wirklich Angst, dass etwas Schlimmes passieren würde"
Seine ehemalige Partnerin Chelsy Davy (40) habe sich von der Presse "gejagt" gefühlt. Harry sagte: "Das Verhalten der Presse und ihre Behandlung von Chelsy waren nicht normal. Ich hatte wirklich Angst, dass etwas Schlimmes passieren würde."
In seiner Zeugenaussage erklärte der Prinz zudem, dass er seine Haltung zu den Medien erst änderte, als er seine heutige Ehefrau Herzogin Meghan (44) kennengelernt hatte. "Ende 2016, als meine Beziehung zu Meghan, meiner heutigen Frau, öffentlich wurde, begann ich es zunehmend nicht richtig zu finden, nicht gegen die Presse vorzugehen angesichts der bösartigen und anhaltenden Angriffe, Belästigungen und aufdringlichen, teils rassistischen Artikel über Meghan", schrieb er in der Zeugenaussage. Die Situation habe sich nach Geburt seines Sohnes Archie (6) noch verschlimmert.
"Niemals beschweren, niemals erklären"
Vom Anwalt der Beklagten befragt, warum er nicht schon früher juristisch gegen einzelne Medien vorgegangen sei, erklärte Harry, dies habe mit seiner Zugehörigkeit zum Königshaus zu tun. Das Königshaus verfolge die Strategie: "Niemals beschweren, niemals erklären."
Doch durch die mutmaßlichen, illegalen Verletzungen seiner Privatsphäre durch die Verlagsgruppe Associated Newspapers habe sich der Kreis seiner Vertrauten verkleinert, sobald private Informationen über ihn an die Öffentlichkeit gelangten waren. Ihm sei es schwergefallen, anderen zu vertrauen. Immer wenn er misstrauisch geworden wäre, hätte er den Kontakt abgebrochen und deswegen Freunde verloren.
Am Abschluss des Prozesstages wurde Prinz Harry im Zeugenstand besonders emotional. Er sagte, sein Leben sei seit seiner Teenager-Zeit "zum Abschuss freigegeben" gewesen. Um Auflage und Klicks zu generieren, habe die Presse jeden Aspekt seines Privatlebens durchleuchtet. Er empfinde als als "ekelerregend", im Gerichtssaal zu sitzen und sich anhören zu müssen, wie die Gegenseite "behautet, dass ich kein Recht auf Privatsphäre besitze".
"Sie verfolgen mich immer noch, sie haben das Leben meiner Frau zur Hölle gemacht", sagte er mit zitternder Stimme.