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Angelica Domröse wird 70 Mehr als nur die Paula vom Paul


Sie bediente als "Paula" die heimlichen Sehnsüchte der DDR-Damen: Schauspielerin Angelica Domröse wird am Montag 70 Jahre alt.

Paula war selbstbewusst und sehnte sich doch nach einem starken Paul, wie Millionen Frauen in der DDR, die offiziell gleichberechtigt waren. "Die Legende von Paul und Paula" von 1973 wurde ein Kultfilm von Heiner Carow und hat Defa-Geschichte geschrieben, wie das Filmmuseum in Potsdam betont. Der Kinofilm machte auch Angelica Domröse (neben Winfried Glatzeder) zu einem Star in Ostdeutschland, zu der wohl prominentesten Schauspielerin der DDR, die 1980 mit ihrem Mann Hilmar Thate in den Westen ging und auch dort bald einen Namen hatte. An diesem Montag feiert Domröse in ihrer Heimatstadt Berlin ihren 70. Geburtstag. Noch im April begeht auch der Schauspieler Hilmar Thate einen runden, seinen 80. Geburtstag (17. April).

Auch wenn sie Passanten in Paris auf der Straße sehen und rufen "Das ist ja die Paula!" ("dann weiß ich, dass die in der DDR gelebt haben"), wird es der Schauspielerin nicht gerecht, sie auf diese Rolle festzulegen. Zunächst wollte Regisseur Carow die "aristokratische Effi Briest" gar nicht für "Paul und Paula" besetzen. Doch die Domröse erwies sich dann doch als hochkarätige und äußerst wandlungsfähige Darstellerin, auf der Bühne und der Leinwand ebenso wie im Fernsehen (in über 50 Filmen) mit klassischen und moderneren Rollen am Berliner Ensemble (noch bei Helene Weigel), der Volksbühne bei Benno Besson, am Schillertheater sowie an anderen großen deutschsprachigen Bühnen von Hamburg bis Wien.

Neben Theodor Fontanes "Effi Briest" mit der Darstellung vom lebenslustigen Mädchen zur gebrochenen Frau war die äußerlich eher zerbrechlich wirkende und doch so stark und kraftvoll auftretende Schauspielerin unter anderem Helena oder Cleopatra (mit Wolf Kaiser als Partner), eine Proletarierin in "Krupp und Krause", die Gräfin in dem TV-Mehrteiler "Wege übers Land", "Papas neue Freundin" oder Fleur Lafontaine in der Dinah-Nelken-Verfilmung von Horst Seemann.

Ein Arbeitermädchen kommt groß raus

Gelernte Stenotypistin aus dem Berliner Arbeitermilieu ("Ich bin eine Asphalt-Pflanze und habe viel gelernt auf der Straße"), wurde die auffallend attraktive 17-Jährige von dem "Proletarier-Regisseur" Slatan Dudow Ende der 50er Jahre unter 1500 Bewerberinnen für den Film entdeckt ("Verwirrung der Liebe"). Es folgen Schauspielunterricht in Potsdam-Babelsberg und bald darauf immer mehr Filmangebote. Schon 1966 ist Angelica Domröse erstmals "Schauspielerin des Jahres" in der DDR.

Ihre Popularität setzen die beiden Nationalpreisträger Domröse und Thate wie viele andere Kollegen und Schriftsteller ein, als der Liedermacher Wolf Biermann 1976 aus der DDR ausgebürgert wird, etwas, was es seit den Nazis in Deutschland nicht mehr gegeben hat. Nach ihren Protesten werden sie in der DDR beruflich kaltgestellt, 1980 gehen sie in den Westen, wo sie vor allem am Berliner Schillertheater eine neue Heimat finden, bis die Staatlichen Schauspielbühnen 1993 geschlossen werden. Hier ist die Domröse unter anderem in Hauptmanns "Ratten" und in Goethes "Faust" zu sehen, am Schlossparktheater in "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?".

Hilmar Thate: Partner fürs Leben und für die Bühne

Am Kurfürstendamm feiert sie mit Hilmar Thate einen Triumph als gealterte Diva Maria Callas in "Josef und Maria" nach Peter Turrini. Domröse selbst wird auch gerne als "dornige Diva aus Berlin" bezeichnet. 1985 dreht sie mit Michael Haneke dessen Debütfilm "Fraulein. Ein deutsches Melodram". Ab 2005 sieht man die Domröse am Potsdamer Hans-Otto-Theater. In der Spielzeit 2007/2008 kommt es hier zur "Auferstehung" des "Legenden-Traumpaars" Domröse-Glatzeder in einer Komödie von Eduardo De Filippo über ein altes Ehepaar. Mit Otto Sander steht Domröse in diesen Tagen vor der Kamera für einen Film über - ein älteres Pärchen.

Der RBB zeigt am 12. April um 20.15 Uhr das Doppelporträt Angelica Domröse und Hilmar Thate von Nicola Graef und Petra Luisa Meyer. Darin spricht die Schauspielerin auch offen über Krisen in ihrem Leben, wie zum Beispiel ihre inzwischen überwundene Alkoholsucht. "Ich hätte mir viel ersparen können, wenn ich über mein Leben nachdenke. Das ist ein Punkt, den ich hätte auslassen können, müssen, sollen... Man verliert dabei auch seine Kraft, auch Leuchtkraft." Arbeiten hilft weiter. Aber gute Rollenangebote werden seltener, "gute Rollenangebote für Frauen in meinem Alter gibt es wenige". Am 2. und 6. April zeigt der RBB auch nochmals die Filme "Die Legende von Paul und Paula" und "Effi Briest".

Wilfried Mommert, DPA DPA

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