VG-Wort Pixel

Model und Influencerin "Wie ein Schlag in die Magengrube": Anna Adamyan über einen schlimmen Vorwurf Oliver Pochers

Weil er ihr öffentlich unterstellt hat, ihre Fehlgeburt zu vermarkten, geht die Influencerin Anna Adamyan gegen Oliver Pocher rechtlich vor. Im Gespräch mit dem stern erzählt sie von dem Hass, den sie online erfährt und wie der Vorwurf bis heute an ihr hängen bleibt.

Frau Adamyan, Anfang Oktober haben Sie auf Instagram ein Werbeposting eingeleitet mit den Worten: "Langsam aber sicher geht es bergauf mit mir. Ich fühle mich endlich wieder besser und bin vor allem ich selbst – endlich wieder." In welchem Kontext standen die Sätze?
Die Sätze haben sich auf eine stinknormale Grippe bezogen, die mich über mehrere Tage stark ausgebremst hat. Nachdem es mir wieder besser ging, war ich einfach nur froh wieder arbeiten zu können und einem normalen Alltag nachzugehen - darum ging es in dem Posting.

Der Comedian Oliver Pocher hat Ihr Posting in seiner Insta-Story kommentiert: "Und wenn Du aus deiner Fehlgeburt noch einen Rabattcode machst, ist der TIEFPUNKT erreicht." Wann haben Sie davon erfahren?
Innerhalb kürzester Zeit wurde mir von meiner Community direkt ein Screenshot seiner Story zugesendet. Ich kam gerade von den Dreharbeiten zu meiner SWR Dokumentation zum unerfüllten Kinderwunsch. Ich war ohnehin schon emotional angefasst an diesem Tag - aufgrund der Thematik. Mit seinem Vorwurf goss er Öl ins Feuer.

Sie haben mehrere Fehlgeburten erlitten, zuletzt Ende vergangenen Jahres. Was haben Sie empfunden, als Sie Pochers Worte gelesen haben?
Es war wie ein Schlag in die Magengrube! Bis heute ist es mir unbegreiflich, wie man solche absurden Schlussfolgerungen ziehen kann. Mal abgesehen davon, dass diese Zeilen nicht im Ansatz der Wahrheit entsprechen und auch nicht lustig sind, tat es mir weh diese Zeilen lesen zu müssen. Zudem hat er nicht nur mich damit verletzt, sondern auch meine Follower:innen, die ähnliches Leid erleben mussten beziehungsweise müssen.

Sie haben kurz darauf in einem Posting von zahlreichen Anfeindungen berichtet, die Sie bekommen haben. Glauben Sie, dass die Beschimpfungen im Zusammenhang mit Pocher stehen?
Definitiv. Erst mal hat es sich zeitlich überschnitten und zweitens beziehen sich einige der User:innen, die unschöne Kommentare geschrieben haben direkt auf ihn. Zum Teil wurde mir sogar unterstellt, dass ich mir die Grippe nur ausdenken würde, um mich herauszureden. Man darf nicht außer Acht lassen, dass er allein auf Instagram rund 1,7 Millionen Follower:innen hat, aber eben auch auf Facebook mit 1,6 Millionen Menschen fast die gleiche Anzahl an Menschen erreicht und dort wurde es direkt mit gepostet. Auch wenn die Story nur wenige Stunden online war, kann man sich vorstellen, was das für Folgen für mich hatte, wenn sich davon der ein oder andere auf mich stürzt.

Am Wochenende haben Sie via Instagram verkündet, rechtliche Schritte eingeleitet zu haben und dabei von "besagtem Komiker" gesprochen. Warum haben Sie den Namen Oliver Pocher nicht erwähnt?
Ich habe seinen Namen von Anfang an nicht selber erwähnt oder ausgesprochen und werde beziehungsweise möchte dies auch nicht tun.

Was genau ist der Tatbestand, den Sie Pocher vorwerfen?
Er hat nun mal falsche Tatsachen behauptet und verbreitet und am Ende des Tages bleibt es eben an mir hängen, wofür es auch Beispiele gibt. Obwohl ich es eindeutig widerlegen konnte, bleibt der Vorwurf bis heute an mir haften. Und das spiegelt sich nach wie vor in den Kommentaren wider. Das ist auch der Grund weshalb ich eine Richtigstellung und Entschuldigung erwarte. Er kann nicht immer mit dem Finger auf andere zeigen und wenn er selbst Fehler macht diese nicht eingestehen. Denn diese Verantwortung verlangt er auch von uns Influencer:innen, wenn wir zum Beispiel Produkte bewerben oder gewisse Themen kommunizieren. Es wäre genauso seine Pflicht gewesen, seinen Inhalt vorher auf Richtigkeit zu prüfen.

Sie haben davon berichtet, Zuschriften von mehreren Influencerinnen bekommen zu haben. Wie viele waren das etwa – und was war der Inhalt?
Die meisten erzählten mir von ihren persönlichen Erfahrungen mit ihm, die alles andere als schön waren. Anscheinend überwiegt die Angst gegen dieser Person vorzugehen, sei es rechtlich oder sich online zur Wehr zu setzen - aus Angst vor weiteren Hasswellen.

Bei all den negativen Erfahrungen, die Sie auf Social Media gemacht haben: Was gibt Ihnen die Kraft, weiterzumachen?
Mein Umfeld, mein Mann, Familie und Freunde geben mir unglaublich viel Kraft. Sie sind immer für mich da. Unabhängig davon ist mir die Aufklärung viel wichtiger, als die ganzen negativen Kommentare. Natürlich lassen mich solche verletzenden Kommentare nicht kalt, auf der anderen Seite will ich nicht nur für mich, sondern auch für andere weitermachen. Gerade beim Thema Fehlgeburt und unerfüllter Kinderwunsch muss für mehr Bewusstsein und Empathie gesorgt werden. Das zeigt sich insbesondere bei der aktuellen Problematik, dass Betroffene keinen Mutterschutz verlangen können, wenn der Verlust vor der 24. Schwangerschaftswoche geschehen ist - lediglich mit viel Glück gibts eine Krankschreibung. Eine von drei Frauen erleidet im Schnitt eine Fehlgeburt. Eines von sechs Paaren ist ungewollt kinderlos. So hohe Zahlen, und doch bekommen die Thematiken zu wenig Aufmerksamkeit. Aber wenn falsche Behauptungen aufgestellt werden, die polarisieren, stürzen sich alle darauf.

Anmerkung der Redaktion: Wir haben Oliver Pocher um eine Stellungnahme zu den Vorwürfen gebeten. Er hat sich dazu nicht geäußert.

Mehr zum Thema

Newsticker