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Interview

Becker-Biograf Christian Schommers: "Das ist die größte Krise, die Boris jemals hatte"

Der Autor Christian Schommers schrieb 2013 gemeinsam mit Boris Becker dessen Biografie, kennt dessen finanzielle Lage. Und ist trotzdem erschrocken, wie tief der einstige Tennisstar fallen konnte.

Boris Becker

Boris Becker soll Schulden in Millionenhöhe haben

Herr Schommers, Sie kennen Boris Becker durch die Zusammenarbeit für seine Biografie "Das Leben ist kein Spiel" sehr gut. Sind Sie überrascht von dem erneuten Skandal um Beckers Finanzen?

Die finanziellen Probleme sind mir seit Längerem bekannt - aber vom Ausmaß bin ich überrascht. In seiner aktiven Karriere hat er ungefähr 125 Millionen verdient, dass die Lage jetzt so desaströs sein soll, ist natürlich extrem bitter. Es hat sich extrem zugespitzt, wenn wir mittlerweile über eine Summe von 40 Millionen Franken reden, die er schuldet.

Wobei Boris diese zweite Forderung von seinem ehemaligen Geschäftspartner Hans-Dieter Cleven ja abstreitet.

Ja, aber das ist ein extrem honoriger reicher Geschäftsmann aus der Schweiz, der Boris viele Jahre auch in finanziellen Dingen beraten hat. Und wenn ein solcher Mann jetzt eine Forderung in dieser Größenordnung stellt, dann muss es mehrere gescheiterte Gesprächsversuche gegeben haben.

Können Sie sich einen Boris Becker ohne viel Geld vorstellen?

Auf Luxus und einen bestimmten Lifestyle zu verzichten, wird schwierig werden. Sowohl Lilly und Boris als auch die Kinder sind einen gewissen Standard gewohnt. Meines Wissens lebt er heute immer noch auf dem Niveau, das er hatte, als er aktiver Tennisprofi war und die Millionen sprudelten. Das fängt an mit teuren Mieten oder Reisen nach Ibiza - obwohl man eine Finca auf Mallorca hat. Und geht weiter mit teuren Abendessen, Zigarren, Whisky - solche Dinge läppern sich. Dazu kommt, dass Boris extrem großzügig ist. Ich hab noch kein Dinner mit mehreren Leuten erlebt, das er nicht bezahlt hätte. Ich vermute aber, dass er nicht daran denkt, etwas auf die hohe Kante zu legen.

Was hat Becker falsch gemacht?

Sein größter Fehler war meines Erachtens, sich von Ion Tiriac zu trennen. Er war der beste Berater, den er jemals hatte. Meyer-Wölden war auch noch gut, aber danach haben sich die Berater die Klinke in die Hand gegeben. Die haben ihn vielleicht auch zu Deals getrieben, die er nicht ganz durchschauen konnte.

Also hatte er auch Pech?

Durch die Vielzahl der Dinge, die da zusammen kommt, kann man sich das nicht mehr nur mit Pech erklären. Dazu gehört natürlich eine gewisse Lässigkeit im Umgang mit Geschäftlichem. Ich glaube, dass Boris an vielen Stellen nicht konzentriert genug war, um eine Sache nachhaltig durchzuziehen. Er hat nach der aktiven Karriere eine Menge versucht - doch Deals wie mit Sportsgate nicht richtig bearbeitet. Organisatorisches und das Tagesgeschäft gehören nicht zu seinen Stärken. 

Wer könnte ihm jetzt noch helfen?

Das wird schwierig. Er hat viele sehr vermögende Freunde aber es geht ja nicht nur um eine Million. Das könnten reiche Privatpersonen nicht stemmen, zumal die ja auch kein Geld verschenken wollen. Da müsste eine seriöse Bank mit einem Finanzierungsplan kommen.

Wie könnte Becker an Geld kommen?

Der Job mit Djokovic war super für ihn, da gab es regelmäßiges Gehalt und seine Reputation wurde aufgebessert. Da sieht er sich natürlich eher, als beim Galopprennen in Baden-Baden oder bei "Alle auf den Kleinen". Doch die Realityshows und TV-Auftritte werden ordentlich bezahlt, ab 10.000 Euro aufwärts. Das kann aber auch mal sechsstellig sein.

Was glauben Sie: Schafft Boris Becker es, die Pleite abzuwenden?

Boris ist ein Kämpfer und hat schon viele Krisen überstanden, sei es seine Steueraffäre, oder die Trennung von Barbara, das uneheliche Kind. Aber die Krise, die er jetzt hat, ist die größte in seinem Leben. Denn die ist nicht einfach mit einem Matchball zu beheben, das wird extrem schwierig. Ich wünsche ihm viel Glück, bin aber skeptisch, ob das vor allem kurzfristig machbar ist.

Ehemaliger Geschäftspartner macht gegenüber Boris Becker Forderungen in Höhe von über 40 Millionen Schweizer Franken geltend