VG-Wort Pixel

Große Sorge um die Sängerin Was ist nur schief gelaufen? Wie Britney Spears von der Pop-Prinzessin zum Problemfall wurde

Britney Spears wurde einst als "Prinzessin des Pop" gefeiert
Britney Spears wurde einst als "Prinzessin des Pop" gefeiert
© PA/ / Picture Alliance
Seit zwölf Jahren steht Britney Spears unter Vormundschaft, verlor das Sorgerecht für ihre Kinder und hat bereits zwei Aufenthalte in der Psychiatrie hinter sich. Wie ist es so weit gekommen?

Es waren die Mischung aus Unschuld und Sexiness, Talent und ein makelloses Aussehen, die Britney Spears vor über 20 Jahren so erfolgreich gemacht haben. Und wenn man sich ihren Instagram-Account heute ansieht, kann man an manchen Stellen noch immer das Mädchen von damals erkennen. Viel ist davon allerdings nicht übrig geblieben. Die heute 38-Jährige wirkt nicht mehr wie sie selbst, sieht verbraucht aus, ihre Videos und Fotos wirken meist skurril. Auch wenn sie ihren durchtrainierten Körper noch immer wie ein Vollprofi bewegen kann und souverän in die Kamera spricht, wirkt das alles eher gestellt. 

Kein Wunder: Es wird schließlich jeder Schritt von Britney Spears überwacht. Seit zwölf Jahren steht sie unter Vormundschaft, das Sorgerecht für ihre Kinder liegt bei ihrem Ex-Mann Kevin Federline und mit ihrem hart verdienten Vermögen kann sie nichts anstellen, was nicht vorher genehmigt wurde. Britney Spears ist nur noch eine entmündigte und fremdgesteuerte Geldmaschine geworden. Aber wie konnte es so weit kommen?

Britney Spears gelang mit 17 der Durchbruch – zu früh?

Es ist der 23. Oktober 1998. Das Datum, an dem ein blondes 17-jähriges Mädchen über Nacht zum Superstar wurde. Mit ihrem Song und darauffolgendem gleichnamigen Album "... Baby One More Time" schaffte sie es beinahe weltweit an die Spitze der Charts und wurde zum absoluten Teenie-Idol. Mädchen wollten so sein wie sie, Jungs träumten von einer Partnerin wie ihr. Das Mädchen, das schon als Kind hart an ihrer Karriere arbeitete, hatte es tatsächlich geschafft und war auf dem Weg zu einem der größten Stars aller Zeiten. Ihre ersten drei Alben schlugen ein wie eine Bombe.

Alles, was Britney anfasste, wurde zum Erfolg. Sie wurde binnen kurzer Zeit zur Pop-Prinzessin. Alle Augen waren jederzeit auf sie gerichtet, auf alles, was sie tat. Mit zahlreichen Auszeichnungen, riesigen Werbe-Deals, einem Stern auf dem Hollywood Walk of Fame und über 150 Millionen verkauften Tonträgern gehört sie zu den erfolgreichsten Personen im Musikgeschäft aller Zeiten. Aber auch zu einer der meist diskutierten. Ihre Leistung und ihr Privatleben wurden immer streng beäugt.

Lynne und Jamie Spears ließen sich 2002 scheiden

Wer so früh zum Superstar wird, braucht Halt. Eine Familie, die einen auffängt, ein stabiles Umfeld. Das fehlte Spears. Sie war noch ein Teenager, der auf der Suche nach sich selbst war, als sie ins Rampenlicht kam. 2002 ließen sich ihre Eltern scheiden, mitten in einer der wichtigsten Phase der Sängerin. Denn allmählich geriet die junge Musikerin auf die schiefe Bahn – und es war niemand da, der sie davon abhielt. Im Gegenteil: Alle, auf die sie traf, machten es nur schlimmer. 

Ob es Paris Hilton war, mit der sie ohne Höschen feiern ging, oder ihr 55-Stunden-Ehemann Jason Alexander: Es folgten immer mehr negative Schlagzeilen, die Sängerin verlor immer mehr die Kontrolle und durchlief einen Imagewechsel. Von der unschuldigen Pop-Ikone wurde sie immer mehr zur Skandalnudel. Britney Spears hätte jemanden gebraucht, der sie zurück auf die richtige Spur bringt. Und nicht nur die prominente Geldmaschine in ihr sieht, so wie es ihr Vater offenbar schon immer tat. Stattdessen ließ sie sich aber in dieser Phase auf den Tänzer Kevin Federline ein. Und damit nahm das Drama seinen Lauf.

Mit Kevin Federline ging es bergab 

Sie bekam zwei Kinder mit dem Tänzer und ließ sich optisch gehen. Man sah die einstige Pop-Prinzessin im ungepflegten Schlabberlook, sie machte etwa Schlagzeilen damit, dass sie ihre Kinder auf dem Schoß im Auto transportierte statt im Kindersitz. Federline gab Spears keinen Halt, er schadete ihr nur; das Paar wirkte nicht wie ein eingespieltes Team, er interessierte sich offenbar nicht für die Person hinter dem Ruhm. Die Sängerin wirkte überfordert, unglücklich und noch nicht richtig angekommen. Offenbar klammerte sie sich verzweifelt an jemanden, der ihr in keiner Weise gut tat.

Es kam zum Tiefpunkt im Leben von Britney Spears: Nach einem Nervenzusammenbruch 2007 ließ sie sich öffentlich zuerst eine Glatze rasieren. Kurz darauf verbarrikadierte sie sich mit ihren beiden Kindern in ihrer Villa in Los Angeles. Denn sie wollte sie nicht bei ihrem Ex-Mann Kevin Federline abgeben. Aufgrund einer gerichtlichen Verfügung wurde die 38-Jährige damals in die geschlossene Abteilung einer psychiatrischen Klinik eingewiesen. Eine der Folgen: Sie verlor das Sorgerecht für ihre Kinder an ihren Ex-Mann Kevin Federline.

Spears steht seit zwölf Jahren unter Vormundschaft

Aber noch schlimmer: Ihre Eltern stellten wegen der Vorfälle erfolgreich einen Eilantrag und seit 2008 steht die Sängerin unter der Vormundschaft ihres Vaters Jamie Spears. Wegen seiner gesundheitlichen Probleme gab er diese im September 2019 allerdings teilweise an Jodi Montgomery, eine vertraute Mitarbeiterin, ab. Diese wurde im Mai dieses Jahres von einer Richterin sogar bis August 2022 verlängert. Es scheint, als sei Britney Spears der Tiefpunkt ihres Lebens zum Verhängnis geworden – und als käme sie von allein nicht mehr aus dieser Situation heraus. Die 38-Jährige muss seither jeden Schritt mit ihrem Vormund absprechen, schafft es aber dennoch, zu funktionieren und in verschiedenen Bühnenshows Leistung abzurufen. 

Eine Tatsache, die ihre Fans auf die Palme bringt. Sie stehen nach wie vor hinter ihrem Idol und glauben daran, dass sie es schaffen kann, wieder auf eigenen Beinen zu stehen. Daher haben sie den 2009 schon einmal aktiven Hashtag #FreeBritney wieder ins Leben gerufen und kämpfen dafür, dass sie von der Vormundschaft befreit wird. Brandon Hase, einer der stärksten Supporter der Bewegung, erklärt dazu: "Eine Vormundschaft ist gedacht für Menschen mit psychischen Problemen oder mit schweren Krankheiten. Zum Beispiel (…) Menschen mit Demenz, die nicht mehr für sich selbst sorgen können. Wenn es Britney so schlecht geht, dass sie geistig nicht in der Lage ist, sich um sich selbst zu kümmern – warum arbeitet sie dann noch?" Die Aufhebung der Vormundschaft sei lange überfällig, finden ihre Anhänger.

Hoffnung gibt vielen auch Britney Spears' Partner Sam Asghari, der Berichten zufolge ein echter Halt sein soll. Er liebe Britney genauso wie sie ist und nicht wegen ihres Geldes oder ihrer Bekanntheit, berichten verschiedene Quellen immer wieder. Er hielt auch zur Sängerin, als sie sich im April 2019 offenbar selbst in eine psychiatrische Klinik eingewiesen hatte. Paparazzi-Fotos ließen ihre Anhänger damals vermuten, dass Spears gegen ihren Willen in der Klinik festgehalten werde. Sie demonstrierten daraufhin vor dem Rathaus in West Hollywood. 

#FreeBritney: Britney Spears kann sich auf ihre Fans verlassen

Und auch jetzt halten ihre Anhänger zu ihr. Sie sind sich nämlich sicher: Britney Spears braucht Hilfe, um aus ihrer Situation herauszukommen. Immer wieder wollen sie versteckte Hilferufe in ihren Bildern und Videos erkennen und wollen die Sängerin nun von ihrer Vormundschaft befreien. Am heutigen 22. Juli steht ein Gerichtstermin an, bei dem die Situation um Britney Spears neu eingeschätzt werden soll. Auch ihre Mutter Lynne bemüht sich um die Vormundschaft ihrer Tochter, damit sie dem offenbar schlechten Einfluss ihres Vaters entkommen kann. 

Trotz ihres tiefen Falls und ihrer Skandale kann die ehemalige Pop-Prinzessin noch immer auf den starken Rückhalt ihrer Fans und ihrer Mutter sowie ihres Partners zählen. Und die werden nicht locker lassen, bis Britney Spears wieder selbst über ihr Leben entscheiden darf – und es dann vielleicht endlich nach ihren eigenen Vorstellungen genießen kann. 


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker