HOME

Carla Bruni: Madame Pompadour

Präsidentengattin - das klingt nach ondulierten Locken und Damenprogramm. Schauen wir nach Paris: Dort gibt es nun eine First Lady, die Glamour, Sex und Kultur in den Élysée-Palast bringt. Carla Bruni macht ihren Mann Nicolas Sarkozy zum Nebendarsteller einer präsidialen Soap-Opera.

Von Stefanie Rosenkranz

So ist das, wenn man First Lady ist. Manchmal muss man stundenlang gebannt auf marschierende Soldaten und rollende Panzer starren, als wär's ein Defilee von Prada, und nebenbei so tun, als fände man den syrischen Diktator Baschar Assad ganz besonders reizend. Anlässlich des französischen Nationalfeiertags am Montag, als neben Assad noch über ein Dutzend weitere mediterrane Staatschefs in Paris weilten, um ihrem Mann nach der Gründung der Mittelmeer- Union am Tag zuvor die Ehre zu geben, meisterte Carla Bruni diese nicht ganz einfache Prüfung mit dem diskreten Charme der Großbourgeoisie. Dafür durfte sie zehn Tage zuvor jene Frau umarmen, über die alle Welt spricht. Ergriffen herzte sie die aus sechsjähriger Geiselhaft befreite Ingrid Betancourt bei deren Ankunft in Frankreich und wischte sich vor der Weltöffentlichkeit eine Träne aus dem fein geschnittenen Gesicht.

Man trifft eben massenhaft berühmte Leute als Frau des französischen Präsidenten. Manche, wie etwa das afghanische Staatsoberhaupt Hamid Karzai, tragen lustige Teppiche und erzählen einem, wie schlecht der eigene Geheimdienst sei; "glücklicherweise sind die Terroristen noch viel schlechter". Andere, wie etwa George Bush, tragen langweilige Anzüge und sprechen über ihre Sucht. "Ich war Alkoholiker und musste mit einem Schlag aufhören. Sonst wäre ich gestorben - und schlimmer noch: Meine Frau hätte mich verlassen."

Wohlerzogen lässt Frau Bruni-Sarkozy derlei über sich ergehen. Damit hatte man gerechnet, schließlich stammt sie aus guter Familie und konversierte schon als Kind mit Maria Callas oder Herbert von Karajan. Doch dass ihr neuerdings mühelos Plattitüden über die Lippen kommen, nimmt schon wunder. Die Queen? Die sei "eine wunderbare Frau". Prinz Charles? "Kennt jeden Stein des Schlosses Windsor." Ihre Begegnung mit Nelson Mandela? "Einer der bewegendsten Momente meines Lebens." Die Welt? "Voller Leid." Die Politik? "Voller existenzieller Fragen." Ihr Mann? "Wahnsinn, wie er arbeitet." Sie selbst? "Ich möchte Unwissenheit, Armut und Ungerechtigkeit bekämpfen." Mon dieu, Carla!

"Ich ziehe die Polygamie vor"

Seit la Bruni, einstiges Topmodel und gefeierte Sängerin, am 2. Februar den französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy ehelichte, gibt die 40-Jährige manchmal erstaunlich doofe Dinge von sich. Derlei war man von der steinreichen Mit-Erbin eines Turiner Reifenkonzerns nicht gewohnt. Es ist gerade ein Jahr her, da raunte sie mit ihrer rauchigen Stimme ganz anderes in die Mikrofone der Journalisten: "Ich bin von Zeit zu Zeit monogam, aber ich ziehe die Polygamie vor. Die Liebe dauert lange, aber die brennende Lust nur zwei bis drei Wochen." Oder auch: "Sehr angenehm, der Sex. Es ist einer der Vorteile des Älterwerdens: Er wird besser. Sinnlichkeit und Begierde nehmen zu." Und dies: "Das Paradies, das wären ein französischer Koch, ein britischer Polizist, ein deutscher Manager und ein italienischer Liebhaber. Die Hölle, das sind ein britischer Koch, ein deutscher Polizist, ein italienischer Manager und ein französischer Liebhaber."

Vor Sarkozy hatte die schöne Carla neben allerlei angelsächsischen sowie amerikanischen Gefährten - darunter Eric Clapton, Mick Jagger, Kevin Costner und Donald Trump - auch zahlreiche "french lovers"; mithin wusste sie, worüber sie urteilte. Es kamen und gingen unter anderen der einstige sozialistische Premierminister Laurent Fabius und der Ex-Kulturminister Luc Ferry sowie der Anwalt Arno Klarsfeld, Sohn der Nazi-Jäger Beate und Serge.

Des Weiteren der Verleger und Philosoph Jean-Paul Enthoven, den sie vor acht Jahren, während einiger Ferienwochen in einem Palast in Marrakesch, eintauschte gegen dessen Sohn Raphaël, damals verheiratet mit Justine, Tochter des Palastbesitzers und Star-Denkers Bernard-Henri Lévy. Das Ergebnis dieses konfusen Urlaubs: Raphaël und Carla wurde 2001 ein Sohn geboren, Aurélien mit Namen; drei Jahre später brachte Justine Lévy den Roman "Nicht so tragisch" zur Welt, darin sie Bruni als verlogenen, heimtückischen und von plastischen Chirurgen komplett rekonstruierten "Terminator" beschreibt.

Das haben die Franzosen bisher noch nicht erlebt

Doch all das ist Schnee von gestern, wie auch Brunis Bemerkung über die defizitären französischen Liebhaber. Offenbar kann der 53-jährige Sarkozy Kunststücke, die seine Vorgänger nicht beherrschten; zumindest wissen wir, dass er Dinge hat, über die nur wenige verfügen, nämlich Atomwaffen. Sie indes gibt vor, Frankreichs Top Gun hauptsächlich wegen seiner Intelligenz geheiratet zu haben. Im Kopf ihres Gatten, in dem die meisten Franzosen längst nur noch eine Wüste wähnen, hat la Bruni "fünf oder sechs Gehirne" geortet, die allesamt "bemerkenswert durchblutet sind".

Ebenfalls vorbei scheinen die Zeiten der Polygamie zu sein. "Ich werde bis zu meinem Tod seine Frau bleiben", haucht Carla mittlerweile und lässt sich im Élysée- Palast mal zu Füßen ihres Gatten, mal auf seinem Schoß, mal umschlungen und turtelnd mit dem Präsidenten ablichten. Als Hoffotograf dient ihr dabei häufig der notorische Paparazzo Pascal Rostain, den sie so unschädlich gemacht hat - eine Taktik, die sie sich vermutlich von ihrem Mann abgeguckt hat, der nach seiner Wahl die französischen Linken ausschaltete, indem er etliche von ihnen in seine Regierung holte. Mittels sorgfältig inszenierter Home- Storys sorgt das Paar dafür, dass die Nation weiß: Er nennt sie kosend "Carlita" oder "mon ange", mein Engel; sie gurrt ihn an mit "mon amour".

Derlei haben die Franzosen bisher noch nicht erlebt. Eine planetare Premiere dürfte die Versteigerung eines Nacktbilds der First Lady bei Christie‘s für 91.000 Dollar sowie die Tatsache, dass es eine neue CD von ihr gibt - eine recht ordentliche Chanson-Pop-Platte mit dem irgendwie lustigen Titel "Comme si de rien n‘était", "Als wäre nichts gewesen".

Denn schon längst ist allerlei passiert. Als ruchbar wurde, dass la Bruni neben Poemen von René Char sowie Michel Houellebecq mit ihrer sinnlich verschleierten Stimme auch eigene Texte unnachahmlich schön stöhnt, so zum Beispiel das Lied: "Tu es ma came", "Du bist meine Droge", darin sie ihren Liebhaber mit Kokain vergleicht - "Du bist gefährlicher als die kolumbianische Weiße" -, meldete sich der Außenminister des südamerikanischen Staates zu Wort und tat kund: "Da dies aus dem Mund der Frau des Präsidenten kommt, empfinden wir dies als sehr schmerzhaft für Kolumbien." Die Zeile "Du bist tödlicher als afghanisches Heroin" scheint dagegen bisher nicht bis an den Hindukusch vorgedrungen zu sein. Offenbar sind die Afghanen derzeit mit anderen Dingen beschäftigt.

Die "Sarko-Show"

Immerhin wurde Brunis Plattenlabel an der Heimatfront aktiv: Selbstverständlich käme der Erlös aus dem Verkauf der CD aufs Konto karitativer Organisationen, und nein, Frau Bruni werde nicht live auftreten. Um die Franzosen davon abzuhalten, ihren unablässig knatternden Duracell- Häschen-Präsidenten auch noch für eine tödliche Droge zu halten, wurde eilends versichert, der Song sei vor zwei Jahren geschrieben worden, so wie "95 Prozent der anderen Lieder auch". So rätselt die Nation jetzt darüber, wer mit dem Koks gemeint ist; die Liste, siehe oben, ist lang.

Das alles komme davon, "wenn man Politik und Kunst vermischt", beschied Kolumbiens Außenminister dem Pariser Paar. Ach, wären es doch nur Politik und Kunst! Seit Sarkozy im Mai vergangenen Jahres triumphal zum Präsidenten gewählt wurde, verbreitet sich in Frankreich alles zu einem bizarren Pudding aus Telenovela und lustigem Musikantenstadl, und wer abends den Fernseher einschaltet, kann nie ganz sicher sein, ob er gerade "Desperate Housewives" oder einen Nachrichtenkanal guckt. Frankreich ist zu Monaco mutiert. Längst ist an der Seine eine Nostalgie nach der Zeit ausgebrochen, als der Élysée- Palast noch eine geschlechtslose Zone war, dessen Bewohner so taten, als seien sie per Zellteilung zu ihren Kindern gekommen. Bisher galt: Die Präsidenten betreiben Politik und haben Affären, die Frauen widmen sich diskret den Siechen, den Entrechteten sowie den schönen Künsten.

Nicht so Cécilia, Sarkozys Zweit- und Ex-Frau und Carlas unmittelbare Vorgängerin. In den fünf Monaten, in denen sie "première dame de France" war, widmete sie sich hauptsächlich sich selbst, und das nicht eben diskret. Die schrägäugige Kapriziöse, die sich nicht einmal dazu aufraffen konnte, für ihren Mann zu stimmen, sorgte mit ihren Eskapaden maßgeblich dafür, dass die Präsidentschaft ihres Turbo- Gatten in Windeseile zu einer Dauer- Soap degenerierte. Der hatte den Franzosen die "rupture" versprochen, den radikalen Bruch mit der Vergangenheit; sie konnten nicht ahnen, dass diese Politik hauptsächlich aus einer egomanischen "Sarko-Show" bestehen würde.

Der PR-Spezialist organisiert ein Dinner

Der Präsident sprach immer seltener über Frankreich, dafür ließ er seine zunehmend peinlich berührten Landsleute wissen, "wie schön Cécilia ist", und beichtete öffentlich: "Im Grunde ist sie meine einzige Schwäche." Er gewandete die zumeist Flunschende in Gucci und Prada, er schmückte sie mit Ringen und anderem Geschmeide, er bettete sie auf Yachten, geliehen von Milliardärsfreunden.

Doch nichts half: Am 18. Oktober wurde das Paar geschieden. Cécilia floh in die Arme des Event-Managers Richard Attias, von Nicolas nur "der Beleuchter" genannt, und der ziemlich kleine Präsident hopste eine Zeit lang mutterseelenallein zwischen den Louis-XV.-Fauteuils und Récamieren seines riesengroßen Palastes umher.

Aber nicht sehr lange. Wenige Tage nach seiner Scheidung tätigte er einen Notruf an den PR-Spezialisten Jacques Séguéla, der über beste Beziehungen zum linken wie auch rechten "tout Paris" verfügt, und herrschte in den Hörer: "Organisiere mir ein Diner mit deinen Kumpels." Man einigte sich auf den 13. November, und Séguéla begann, in seinem dicken Adressbuch zu blättern.

24 Stunden nach dem Blind Date landen sie im Bett

Am 13. sitzen um 20 Uhr Sarkozy und sieben weitere Menschen um einen Tisch herum, darunter Marie-Caroline Ferry und ihr Gatte Luc, Carlas Ex, der über seine Affäre mit ihr sagt: "Ich kam zwischen Laurent Fabius und Mick Jagger." - "Als ich eintraf ", erzählt Bruni, "begriff ich, dass es ein Blind Date war. Na ja, not so blind. Da waren drei Ehepaare und wir, zwei Junggesellen." Dies gab Carla gegenüber Valérie Benaïm und Yves Azéroual zum Besten, die jüngst mit Hilfe der First Lady das süßliche Werk "Nicolas und Carla - die wahre Geschichte" veröffentlichten. Es sei ein "Coup de Foudre" gewesen, so darin verzückt la Bruni. "Ich hatte nicht mit einem so witzigen, so lebendigen Mann gerechnet. Sein Aussehen, sein Charme, seine Intelligenz haben mich verführt. Ich bin vorher nicht mit Kretins ausgegangen, das ist nicht mein Stil, aber mit ihm geht es sehr, sehr schnell."

So ist es: Am Ende des Abends, an dem die beiden nur Augen füreinander haben, fragt die geschmeidige Diseuse, hochwangig wie Cécilia, den Präsidenten: "Haben Sie ein Auto?" Er chauffiert sie nach Hause, lehnt indes ihre Einladung zu einer Tasse Kaffee ab - angeblich mit den Worten "Nie beim ersten Mal". Doch keine 24 Stunden später landet das eigentümliche Paar miteinander im Bett. Einen Monat später tauchen die schöne Italienerin und ihr neuer Geliebter bei Goofy und Micky Maus in Eurodisney auf und lassen sich von bestellten Paparazzi fotografieren. Carla tut kund: "Wir sind sehr verliebt." Jacques Séguéla, der das Paar zusammenbrachte, wurde übrigens am Montag von Sarkozy zum Offizier der Ehrenlegion ernannt, wegen seiner Verdienste für das Vaterland.

Sicher, in der ersten Dekade des dritten Millenniums musste man schon manche Tiefschläge registrieren - Schröder arbeitet für Gasprom, Gorbatschow macht Reklame für Louis Vuitton. Aber die Liaison zwischen dem "président bling-bling" genannten Protz-Sarkozy mit seiner Rolex, seinen Ray Bans und seinen ewigen Bodyguards und der so hochkultivierten wie großbürgerlichen Industriellen-Tochter Carla, bis dato Mitglied und Darling der sogenannten Kaviar-Linken, ist für viele die Kirsche auf dem klebrigen Kuchen. Und noch heute rätseln nicht wenige: Was will dieser stilsichere, sexuell erfrischend unkomplizierte und geistreiche weibliche Don Juan - Carlas Devise lautet: "Es gibt kein überflüssiges Plaisier" - von dem kleinen Nicolas?

Weg mit der Politik, her mit den Paparazzi

Da ist auf der einen Seite die belesene und polyglotte Bruni, aufgewachsen nahe Turin an der Seite ihrer älteren Schwester Valeria Bruni Tedeschi, einer in Frankreich gefeierten Schauspielerin und Regisseurin, und ihres Bruders Virginio, der vor zwei Jahren an Krebs starb. Die Mutter Marisa ist Konzertpianistin, der Vater Alberto Komponist. Carla, in Wirklichkeit die Frucht einer außerehelichen Liaison Marisas mit dem heute in Brasilien lebenden Geschäftsmann Maurizio Remmert, ist sechs, als die Familie aus Angst vor den Roten Brigaden nach Frankreich umzieht, wo sie allerlei gute Schulen besucht, um dann doch den Weg des geringsten Widerstands zu gehen und Model zu werden: Ihre langen Beine sind ebenso gefragt wie die Tatsache, dass sie ihr Metier nicht wirklich ernst nimmt. Auf die Feststellung, dass sie unter all den Models geradezu eine Intelligenzbestie sei, antwortet sie einmal: "Wenn man die Fragen versteht, die einem gestellt werden, und sie dann auch noch beantwortet, dann gilt man in diesem Milieu bereits als klug."

Da ist auf der anderen Seite der beständig krakeelende Protz Sarkozy, der gern mal Menschen aus dem Volk, die ihn nicht leiden können, mit den Worten: "Hau ab, blöder Idiot" aus dem Weg schubst. Wie passt das zusammen? "Er hat mich verhext", sagt Carla.

Das muss wohl so sein. Nach Weihnachten führt der Präsident, der zwischendurch sein Gehalt um 170 Prozent erhöht hat, seine glamouröse Trophäe nach Ägypten, wo sich das schmusende Duo von Touristen fotografieren lässt. "Napoleon zog mit 34.000 Soldaten nach Ägypten, um Ruhm zu finden. Nicolas Sarkozy kam mit Carla Bruni, aus den gleichen Gründen", lästert "The Sun".

Mit dem Ruhm ist es indes nicht weit her, rasant ist Sarkozys Schussfahrt in die Klatschspalten der Regenbogenpresse. Adieu, de Gaulle: Die Franzosen haben jetzt einen Präsidenten, der sich benimmt wie Flavio Briatore. Seine Devise: Weg mit der Politik, her mit den Paparazzi. Die bemerken genüsslich, dass er seine Rolex eingetauscht hat gegen eine ein klitzekleines bisschen diskretere und erheblich teurere Patek Philippe, ein Weihnachtsgeschenk von Carla. Sie dagegen ist neuerdings beringt mit zwei Kreationen aus dem Hause Dior, genannt "Cupidon" und "Coeur Romantique". Blöd nur, dass Sarkozy Cécilia weiland genau die gleichen Ringe schenkte.

Überhaupt - die Ex. Kaum hat das Liebespaar die Pyramiden wieder in Richtung Paris verlassen, dürfen sie im OEuvre "Cécilia" nachlesen, was die von Nicolas hält: Er "bespringe" die Frauen, sei "geizig" und liebe "niemanden, nicht einmal seine Kinder". Carla, der der Name ihrer Vorgängerin nicht über die Lippen kommt, sagt nur: "Ich hätte für meinen Mann gestimmt." Und zeichnet seither ihren als brutal verschrienen Mann windelweich. "Gefühle sind das Wichtigste in seinem Leben", tut sie kund. Seine drei Söhne - zwei aus seiner ersten Ehe, einer mit Cécilia - hätten für ihn "absolute Priorität". Auch als Stiefvater ist er offenbar unübertroffen: "Neulich hat Aurélien eine Medaille im Judo gewonnen, und Nicolas, der in einer Besprechung war, hat sich zwei Minuten Zeit genommen, um ihm zu sagen: Toll!"

Die perfekte Patchwork-Familie?

Ja, toll. Aber irgendwie nimmt man ihr die Nummer mit der perfekten Patchwork- Familie nicht ab. Denn zunächst reist das Paar mit Aurélien ins jordanische Petra, wo es das Kind den Teleobjektiven zum Fraß vorwirft. Der Präsident trägt den Fünfjährigen auf den Schultern; der hält sich angesichts der Meute von Fotografen erschrocken die Augen zu.

Das Bild des entsetzten Jungen geht um die Welt, die Folgen sind katastrophal: Die Franzosen sind endgültig angeekelt von ihrem Präsidenten, Enthoven untersagt der Presse, Fotos von Aurélien zu veröffentlichen, und Carla Bruni konzediert in einem Interview mit der Zeitschrift "L'Express": "Nie hätte ich meinen Sohn nach Petra mitnehmen dürfen. Das Ergebnis war ein obszönes Bild, für das ich mich als Mutter schäme. Aber es war mein Fehler, nicht der von Nicolas."

Der hatte unterdes in einer Pressekonferenz vor mehr als 500 verdatterten Journalisten gedröhnt: "Mit Carla ist es ernst." Der Auftritt hat etwas Verzweifeltes: Sarkozy erinnert an Tom Cruise, als der entfesselt auf dem Sofa von Ophra Winfrey herumhüpfte, um seine Liebe zu Katie Holmes zu beweisen. Einen Monat später heiratete das Paar im engsten Freundeskreis und bemüht sich nach einer der kürzesten Hochzeitsreisen der Geschichte - einem halbstündigen Spaziergang im Park von Versailles -, Sarkozys beständig sackende Umfragewerte wieder in den Griff zu kriegen.

"Ein Drama bahnt sich an"

Falls der Präsident, wie böse Zungen behaupten, seiner Ex Cécilia tatsächlich acht Tage vor der Hochzeit eine SMS geschickt hat, worin zu lesen war: "Wenn du zurückkommst, annulliere ich alles", so lässt sich Carla diese Erniedrigung nicht anmerken. "Ich werde mein Bestes tun", verspricht sie und reist in der Folgezeit an seiner Seite nach Südafrika, nach Großbritannien, nach Tunesien, nach Israel. Wie nicht anders zu erwarten, ist sie überall ein Hit; mit ihrem Esprit steckt sie Prinzen, Potentaten und Premierminister in die winzigkleinen und sündhaft teuren Handtaschen, die sie bei solchen Gelegenheiten mit sich führt. Der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki japste angesichts der Schönen: "Sie kann das nächste Mal gern allein zu uns kommen." Und halb Japan trauerte kürzlich, dass die First Lady ihren Mann nicht zum G-8-Gipfel auf Hokkaido begleitete.

Ergebnis all der Mühen: 68 Prozent der Franzosen sind mit der Gattin des Präsidenten zufrieden, mit ihm allerdings noch nicht einmal 40 Prozent. Wird aus Sarkozy über kurz oder lang der Mann, der die Bruni begleitet? "Ein Drama bahnt sich an", so der "Nouvel Observateur". "Er hasst Loser. Aber noch mehr hasst er den Erfolg, wenn es nicht der seine ist." Man müsse Carla "ein Kopfkissen aufs Gesicht drücken", hatte ein Berater des Präsidenten kurz nach der Hochzeit empfohlen; sie indes zwitschert bei aller staatstragenden Bravheit zwischendurch auch unbekümmert: "Mein Instinkt ist links."

"Verehrte Carla", stand in der Tageszeitung "Libération" zu lesen, "Sie sind unsere einzige Hoffnung. Leeren Sie endlich Sarkozys Duracell-Batterien. Beginnen Sie eine Affäre. Mit Gadhafi, mit Chavez - oder besser noch: mit Dominique de Villepin." Der hochgewachsene Grandseigneur und Ex-Premier, Politiker von Beruf und Poet aus Berufung, ist ein Erzfeind von Sarkozy. Er passt genau ins Beuteschema von Bruni. "Ich bin ein Raubtier", hat die einmal gesagt. Doch inzwischen gibt sie den Franzosen zu bedenken: "Ohne meinen Mann werden Sie sich langweilen." Womit sie auch wieder recht hat.

print