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"Paardiologie" auf Spotify: Charlotte Roche spricht erstmals über ihre Abtreibung

Lange Zeit ging es in der zweite Folge von Charlotte Roches Beziehungspodcast "Paardiologie" ziemlich launig zu. Bis die Moderatorin eine Frage stellte.

Charlotte Roche

Charlotte Roche spricht mit ihrem Ehemann Martin Keß in dem Podcast "Paardiologie" über ihre Beziehung.

DPA

Der Auftakt war vielversprechend. In der ersten Folge von "Paardiologie" umrissen Charlotte Roche und ihr Ehemann Martin Keß vergangene Woche die Themen, die sie in ihrem Podcast besprechen wollen - und gaben bereits einen Vorgeschmack darauf, wie brisant es werden könnte.

Diese Erwartungen schien die nun auf Spotify veröffentlichte zweite Folge zunächst nicht ganz einzuhalten. Es war ein munterer Plausch, keine Frage. Beide Ehepartner schenkten sich nichts und warfen sich harte, aber ehrliche Sätze an den Kopf: "Ich hab gedacht, du bist das genaue Gegenteil von meiner Mutter", sagte etwa Keß zu seiner Frau. "Als dann irgendwann der harte Aufprall kam in die Realität, hab ich festgestellt: Du bist genau wie meine Mutter." Roche revanchierte sich umgehend mit der Feststellung: "Du hast einen richtigen Helferkomplex deiner Frau gegenüber."

Charlotte Roche fühlte sich eingeengt

Das Paar sprach auch über seine Probleme in der Anfangszeit. Als der Übergang misslang von der symbiotischen Phase in einen Zustand, in dem sich beide Partner mehr Freiheiten lassen. Roche erzählt, sie habe sich damals erstickt und eingeengt gefühlt. Ihr Mann musste lernen loszulassen, damit er sie behalten kann.

Überhaupt scheint es in der Anfangszeit dieses Paars häufig gekracht zu haben. "Wir waren fast die ganze Zeit betrunken", erinnert sich Keß. In diese Zeit fällt auch ein Erlebnis, das lange Zeit wie ein dunkler Schatten über dem Paar gelegen haben muss. Roche bringt das Thema nun auf den Tisch - und schlagartig verdüstert sich die Stimmung. Es ist sofort hörbar, dass es nun ans Eingemachte geht. 

"Warum hast du mit mir kein Kind bekommen?", fragt Charlotte Roche ihren Partner. Der daraufhin erst einmal lange schweigt. Erst im Laufe des Gesprächs wird klar, worauf diese Frage eigentlich abzielt: Roche wurde zu Beginn ihrer Beziehung von Keß schwanger - und trieb das Kind ab. Ein Erlebnis, über das die beiden seither offenbar nicht mehr geredet haben.

"Ich dachte, ich kriege das nicht hin"

Keß nimmt sich viel Zeit für seine Antwort. "Weil wir schon zwei haben und weil die einzige Situation, wo das konkret war, ich dazu absolut nicht in der Lage war, das hinzukriegen", sagt er. "Wir waren da überhaupt nicht lange zusammen und für mich war das alles so unfassbar schwer mit der Trennung und meinem gerade erst geborenen Sohn und deiner gerade erst geborenen Tochter, die wir beide mitgebracht haben. Ich habe gedacht, ich kriege das nicht hin von der Loyalität gegenüber meinem Sohn." Er habe in der Zeit sowieso gedacht, durch die Trennung und Scheidung von seiner Frau verrate er alles, vor allem seinen Sohn.

Roche spricht noch eine zweite Sache an, die sie in diesem Zusammenhang belastet: "Kannst du dich noch erinnern, dass du mal gesagt hast, dass du findest, dass ich keine gute Mutter bin und dass du denkst, dass ich zu verrückt bin, um Mutter zu sein?"

Kränkungen und Traumata

Er habe das im Streit gesagt, erklärt Keß nun, und rückt seine Sichtweise nun zurecht: "Ich finde, du bist eine total gute und wunderbare Mutter." Beide legen hier eine sehr erwachsene und reife Art an den Tag, über zurückliegende Kränkungen und Traumata zu sprechen, sich offen von ihren Verletzungen zu erzählen, ohne dass dies vom anderen als anklagend empfunden wird. Harter Tobak, keine Frage.

Nach diesem finsteren Thema kriegt Roche tatsächlich noch die Kurve und schafft es, die Hörer mit einer heiteren Stimmung zu entlassen. Sie erzählt von den Reaktionen auf die erste Folge von "Paardiologie". Einige Hörer haben ihr berichtet, sie hätten während oder nach dem Podcast Sex gehabt. Eine Vorstellung, die den beiden Ehepartnern gefällt. Man kann sich beinahe vorstellen, dass sie es den Hörern gleichtun.

Quelle: Spotify

Eine Frau mit schwarzen, langen Haaren sitzt in bunter Bluse auf einem grauen Sofa und legt die rechte Hand unter ihr Kinn
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