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Christian Bale: Ein grandioser Rüpel

Er stand schon als 13-Jähriger für Steven Spielberg vor der Kamera. Nun schießt er im Action-Kracher "Terminator - Die Erlösung" aus allen Rohren. Dazwischen hat sich wenig geändert: Christian Bale tut alles dafür, sich nicht beliebt zu machen.

Von Christine Kruttschnitt

Um es gleich vorneweg zu sagen: Christian Bale ist ein ziemlicher Stinkstiefel. Kein typisches Hollywood-Pflänzchen, sondern ein Kerl aus Wales. Keiner, der bereitwillig seinen Charme anknipst und geschmeidig die Untiefen seines Charakters ausleuchtet, wenn man ihm ein Mikrofon vor die Nase hält. Das Verhalten des 35-Jährigen grenzt ans Ruppige, seine Haltung den Medien gegenüber ist maulfaul, bei Bedarf feindselig; seine Familie und sein Privatleben beschützt er wie ein Terrier seine Futterschüssel. Er erwähnt nie die Namen seiner Frau (Sibi) oder seiner vierjährigen Tochter (Emmeline), so als müsste er den Ohrenzeugen hinterher erschießen. Bale ist ein ehemaliger Kinderstar, aber schon mit 13, als er in Steven Spielbergs Drama "Im Reich der Sonne" die Hauptrolle spielte, stach er während einiger Interviews lieber stumm mit dem Kugelschreiber auf eine Apfelsine ein, als von den Dreharbeiten in Shanghai zu erzählen.

Auch wenn seine 28 Filme zusammengenommen mehrere Milliarden Dollar an den Kinokassen eingespielt haben - "The Dark Knight" mit ihm als Batman ist die zweiterfolgreichste Kinoproduktion der Geschichte, übertroffen nur von "Titanic" -, so ist Bale doch der einzig wahre Anti-Star. Ein knarziger Typ von begrenztem Sex-Appeal und übersichtlichem Sinn für Humor, der entgegen aller Hollywood-Schmuseregeln die Arbeit von Kollegen kritisiert ("Der letzte 'Terminator'-Film war ja wohl hirnverbrannter Quatsch") und sich selbst als Normalo bezeichnet, der nicht auf die "Scheißschmeicheleien" seines Gewerbes hereinfällt und seine Arbeit verdammt ernst nimmt.

Ein ernsthafter Schauspieler

"Intense" nennt man in Hollywood andächtig schaudernd solche Schauspieler, "ernsthaft": Kaliber wie Sean Penn und Russell Crowe, die praktisch spielen, bis sie bluten, und sich bis zur Selbstaufgabe in ihre Rollen graben, was der jeweiligen Lebensgefährtin tierisch auf den Geist geht, die Oscar-Akademie aber zuverlässig verzückt. Bale nahm einmal fast 30 Kilo ab für eine Rolle, er glich einem wandelnden Skelett und wurde vor Schwäche fast ohnmächtig vor der Kamera. In einem anderen Film verzehrte er - wie die Figur, die er darstellte - lebende Insekten. Für "Batman Begins" - seiner ist der grimmigste Fledermausmann der Filmgeschichte - legte er sich nicht nur Muskelpakete zu, sondern auch seine animalischen Instinkte frei: "Mit der Maske wird Batman zum Tier."

Apropos: Im vergangenen Juli stolperte der Kameramann am Set des kommende Woche startenden Action-Films "Terminator Salvation" ins Blickfeld des Hauptdarstellers, woraufhin der sein Spiel unterbrach und den armen Kollegen als unprofessionellen Idioten beschimpfte, der gefeuert gehört. Die Crew fiel in Angststarre, nur die Tonleute ließen ihre Aufnahmegeräte mitlaufen, und Monate später landete das Band auf Youtube. Es gab sogar einen Dance-Mix davon und T-Shirts mit Bruchstücken aus Bales Tirade wie: "What don't you fucking understand?!"

Ein leichter Film

Über sein "Temperament" klagte im vergangenen Sommer auch seine Mutter, eine ehemalige Zirkustänzerin. Sie und eine ihrer drei Töchter - Christian ist das jüngste von vier Kindern - zeigten ihn an wegen Körperverletzung; die Klage wurde später fallen gelassen. Natürlich weigerte sich Bale, irgendetwas zu diesem Familienskandal zu sagen. Geht doch die fucking Öffentlichkeit nichts an. Auch über seine "Terminator"-Tirade ("Wir haben 77 Tage lang gedreht, und alles, was die Leute interessiert, sind diese beschissenen vier Minuten!") würde er kein Wort verlieren, hätte er nicht Angst, dem Film zu schaden. Mit dem ist er nämlich hochzufrieden: "'Terminator' ist ein leichter Film. Die Leute sollen ihren Spaß haben!"

Ach so. Der vierte Teil des monströs erfolgreichen Sci-Fi-Spektakels spielt im Jahr 2018, wo die letzten Überlebenden der Apokalypse unter der Führung von John Connor (Bale) ihren verzweifelten Kampf gegen Skynet führen, den Menschheitsvernichtungscomputer, der eine Armee von Killermaschinen gegen sie aussendet - doch, klingt ziemlich lustig.

Bale lächelt nicht. Er trommelt mit den Fingern. Einer ist bandagiert, "kleiner Motorradunfall", nuschelt Bale. Der Finger steht steif ab. Schade eigentlich, dass es nicht der mittlere ist.

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