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Clint Eastwoods Werbespot beim Super Bowl: Zoff um Brandrede in der Halbzeitpause

Ein Werbespot mit Clint Eastwood für eine Automarke sorgt für mächtig Aufregung in Amerika. Hat sich Eastwood vor Obamas Karren spannen lassen? Jetzt redet der Schauspieler selbst Klartext.

Von Frank Siering, Los Angeles

Eine Kinolegende gerät in die politische Schusslinie. Ausgerechnet Clint Eastwood muss sich für einen Werbespot für die Autofirma Chrysler dieser Tage immer wieder rechtfertigen. Der Spot, zum ersten Mal in der Halbzeitpause des Super Bowl ausgestrahlt, zeigt Eastwood wie er durch die Autostadt Detroit marschiert. In einem langen Monolog sagt er, dass "Es ist Halbzeit. Halbzeit im Spiel, Halbzeit in Amerika."

Dann appelliert das Mitglied der Republikanischen Partei an das amerikanische Durchhaltevermögen und die Kunst, auch nach einem Knockout wieder aufzustehen und neue Wege zu finden, Wege, die zu neuen Ufern, zu neuen Siegen führen.

Rhetorik, die nicht nur bei den Amerikanern, sondern vor allem bei der Demokratischen Partei und Präsident Barack Obama gut ankommt. Denn auch der US-Präsident fühlt, dass erst Halbzeit ist und er noch eine zweite Amtsperiode braucht, um den "Job zuende zu bringen".

Eastwood hat sich jetzt erstmals zu dem Vorwurf geäußert, mit dem Werbespot den Demokraten still und heimlich unter die Arme gegriffen zu haben. "Ich bin in keinster Weise politisch assoziiert mit Mr. Obama. Der Spot war eine Botschaft in Hinblick auf neue Jobs und sollte den amerikanischen Kamfgeist unterstreichen", so Eastwood leicht verärgert gegenüber Fox News.

Werbung für den amerikanischen Kampfgeist

Chrysler zählt zu den Firmen, die 2009 mit Hilfe von Finanzrettungsfonds vor dem Ruin gerettet wurden. Eastwood hatte sich damals gegen die Staatskredite der Regierung ausgesprochen. Zum Werbespot sagte der 81-jährige Oscar-Gewinner: "Ich glaube, alle Politiker stimmen mit mir überein, dass der Spirit der Botschaft okay war." Dirty Harry hätte nichts dagegen, "wenn Obama oder ein anderer Politiker mit der Aussage der Widerstandsfähigkeit und dem Kampfgeist von Amerikanern Werbung machen möchte".

Der zweiminütige Werbespot, der sehr geschmackvoll und emotional in Szene gesetzt ist, hat für so viel Wirbel gesorgt, dass sich Eastwood-Sprecher Leonard Hirshan gezwungen sah, gegenüber dem New York Magazine eine Erklärung abzugeben. "Es ist ja nicht so, dass ein Linksradikaler wie einst Paul Newman diesen Werbespot gedreht hat", so Hirshan. Und weiter: "Die Werbung wurde von einem Republikaner gemacht, und es ging um Amerika. Das hatte mit Politik nichts zu tun."

Karl Rove, der mächtige frühere Berater von Obama-Vorgänger George W. Bush, sah das anders. Er interpretierte die Werbung als eine Art Dankeschön von Chrysler an Obama: "Die Führungsmannschaft von Autoherstellern meint, sie müsse sich bei ihren politischen Gönnern revanchieren", wetterte Rove im Fernsehsender Fox News und fügte hinzu: "Der Präsident der Vereinigten Staaten und seine politischen Lakaien geben im Prinzip Steuergelder aus, um Werbung für Unternehmen zu kaufen."

Mit Politik nichts mehr am Hut

Für Eastwood, so sagt er selbst, sei der Wirbel um den Werbespot jetzt erledigt. Doch die Politiker scheinen sich genüsslich weiter um Hollywoods größte lebende Legende zu reißen. Angeblich habe das Team, das sich um die Wiederwahl von Barack Obama kümmert, Eastwood sogar nach Washington zu einem "Meet & Greet" mit dem Präsidenten eingeladen. Eastwood allerdings habe dankend abgelehnt.

"Ich unterstütze keinen Politiker, der sich um das Amt des Präsidenten bemüht", so Dirty Harry kurz und trocken. Hartgesottene Eastwood-Fans fordern derweil sogar, dass der einstige Bürgermeister von Carmel by the Sea selbst noch einmal in das politische Rennen einsteigen soll.

Ein Gedanke, der wohl eher Wunschdenken bleiben dürfte. "Ich habe mit Politik nichts mehr am Hut", so Eastwood, der sich dieser Tage lieber mit ein paar alten Freunden in einer Jazzkneipe bei einem Glas Bier trifft, um über die guten alten Zeiten zu plaudern. Zeiten, in denen auch in Detroit noch reihenweise neue Autos gebaut wurden.

  • Frank Siering