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Eurovision Song Contest: Nie waren die Röcke kürzer

Brust raus, Po angespannt: So könnte das Motto bei den Proben zum Eurovision Song Contest lauten. "Texas Lightning"-Sängerin Jane Comerford muss nicht die Sangeskunst, sondern die kurzen Röcke der Konkurrentinnen fürchten

Von Jens Maier

Sängerin Jennifer aus Andorra trällert im Mieder-Dress "Sense tu" von der Bühne, Kate Ryan aus Belgien hat sich für ein Kleid mit langem Seitenschlitz entschieden und Silvia Night aus dem eher kühlen Island heizt mit einem Samba-Kleid ein: Bei den Proben zum Finale des Eurovision Song Contest, der am Samstag in Athen stattfindet, ist mehr nackte Haut zu sehen als jemals zuvor.

Auch "Texas Lightning" bereiten sich derzeit auf ihren Auftritt vor. Die Deutschen gelten bei den Buchmachern als Geheimfavoriten. In den deutschen Charts hat es der Countrysong "No No Never" auf Platz 1 geschafft. Eine Tageszeitung zählte ihn bereits zum Besten vom Besten und listete das beschwingte Liebeslied mit der Australierin Jane Comerford am Mikrofon unter die sechs aussichtsreichsten Kandidaten. Dennoch könnte die hübsche Konkurrenz der Gruppe um Oli Dittrich einen Strich durch die Rechnung machen.

Aussehen entscheidet mit

In den letzten drei Jahren haben sich mit Helena Paparizou aus Griechenland, Ruslana aus der Ukraine und Sertab Erener aus der Türkei stets Frauen den Titel geholt, die neben ihren sanglichen Qualitäten auch noch verdammt gut aussahen. Seitdem in allen Ländern die Zuschauer per Telefon über den Sieger abstimmen, ist die Optik einer Gruppe wichtiger geworden denn je, das weiß auch die Sängerin von "Texas Lightning" Jane Comerford. Comerford ist eine gestandene Musikerin. Die Australierin ist die Autorin von "No No Never", hat an der Hamburger Hochschule für Musik und Theater die Fächer Gesang, Performance, Songwriting und Bandcoaching unterrichtet. Doch in Punkto Aussehen und Sex-Appeal haben ihre jüngeren Konkurrentinnen ganz klar die Nase vorn.

Wie schmerzlich es ist, trotz eines guten Liedes und bester Stimme gegen schwache Konkurrenz zu verlieren, musste Joy Fleming bei ihrer "Grand Prix"-Teilnahme 1975 erfahren. Mit ein "Lied kann eine Brücke sein" hatte sie die Zuhörer in Stockholm ganz klar auf ihrer Seite, doch bei der Jury fiel die "Dicke" aus Mannheim in ihrem grünen Walle-Walle-Kleid durch. Ihr Lied ist trotz oder gerade wegen der schlechten Wertung - es reichte nur für Platz 17 - bis heute ein Kultsong unter "Grand Prix"-Fans. Hoffentlich weiß die Jury des diesjährigen "Eurovison Song Contest" - das Publikum - die Qualitäten von "No No Never" früher zu schätzen.