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Geständnis: Andre Agassi trug Toupet auf dem Platz

Vor zwanzig Jahren galt er als greller Tennis-Punk, der auch aufgrund seiner schrillen Haarpracht zum Idol wurde. Jetzt hat Andre Agassi in seiner Autobiografie gestanden, dass er jahrelang ein Haarteil trug, welches ihn sogar um einen historischen Sieg brachte.

Andre Agassis Niederlage bei den French Open 1990 ist auf ein ganz profanes Problem zurückzuführen: Der Tennisstar konnte sich damals nicht frei bewegen, weil er von panischer Angst befallen war, dass ihm vor den Augen von Millionen Zuschauern sein Toupet vom Kopf fliegen könnte. In seiner demnächst erscheinenden Biografie lüftet der 39-Jährige ein lang gehütetetes Geheimnis um sein üppiges Haupthaar, das scheinbar über Nacht von einer kahlen Platte abgelöst wurde: Tatsächlich trug er jahrelang ein Toupet.

In seiner in Auszügen vorab in der "Bild"-Zeitung gedruckten Autobiografie schildert der Mann von Steffi Graf, dessen Markenzeichen zu Beginn seiner Karriere als Tennisspieler seine Löwenmähne war, wie ihm plötzlich die Haare auszufallen begannen: "Jeden Morgen finde ich einen weiteren Teil meiner Identität auf dem Kopfkissen, im Waschbecken, im Abfluss." Also habe er sich entschlossen, künftig ein Toupet zu tragen.

20 Haarklammern kosteten ihn den French-Open-Sieg

Doch das Schicksal spielte dem 15-maligen US-Open-Gewinner und seiner männlichen Eitelkeit übel mit. Als er es 1990 erstmals ins Finale der French Open schaffte, kam es am Vorabend des großen Spiels zu einem Fiasko: Vermutlich als Folge einer falschen Haarspülung begann sich unter der Dusche das sorgsam gepflegte Haarteil in seine Einzelteile aufzulösen. Voller Panik habe er seinen Bruder Philly in sein Hotelzimmer gerufen, schildert Agassi.

Nach einer eingehenden Untersuchung der verbliebenen Restbestände kam Philly auf die Idee, diese für das Finale mittels Haarklammern auf Agassis Kopf festzutackern - wofür insgesamt 20 Klammern nötig waren. "Natürlich könnte ich ohne mein Haarteil spielen. Aber was würden die Journalisten schreiben und sagen, wenn sie plötzlich herausbekämen, dass ich die ganze Zeit ein Haarteil trage?", schildert der Tennisspieler seine Nöte.

Brooke Shields sprach Klartext

Und so kam es, dass Agassi sein erstes Grand-Slam-Finale nur mit gebremster Kraft antreten konnte und gegen einen Außenseiter verlor. Bereits während des Aufwärmtrainings habe er gebetet, schreibt Agassi: "Nicht nur um den Sieg, sondern darum, dass mir das Haarteil nicht vom Kopf fällt." Während des Spiels habe er sich bei jedem Ausfallschritt und bei jedem Sprung vorgestellt, "wie es im Sand landet. Ich höre, wie ein Aufschrei durch die Menge geht. Ich stelle mir vor, wie Millionen von Zuschauern näher an den Fernseher heranrücken, einander mit großen Augen ansehen und in Dutzenden von Sprachen und Dialekten fragen: Sind Andre Agassi gerade die Haare vom Kopf gefallen?"

Da es zumindest toupettechnisch nicht zur finalen Katastrophe kam, blieb das Geheimnis um Agassis leicht derangierte Löwenmähne um den Preis einer spielerischen Niederlage weiter gewahrt. Erst 1994 trennte sich Agassi auf Anraten seiner damaligen Frau Brooke Shields endgültig von seinem falschen und den Resten seines echten Haupthaars. "Rasier dir das Haar extrem kurz und fertig", riet sie ihm. Er habe mehrere Tage über die Qualen, die ihm sein Haar bereite, nachgedacht, und sich dann für die radikale Lösung entschieden, erzählt Agassi. Die Australian Open 1995, die er gewann, waren sein erstes Grand-Slam-Turnier ohne Haare.

AP / AP