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Interview

Hollywoodtraum Kate Hudson im Gespräch: Fitness für den Weltfrieden

Kate Hudson macht nicht nur Filme, sondern gibt auch virtuelle Fitness-Kurse. Im Gespräch entpuppt sich Hollywoods Niedlichkeits-Garantin als knallharte Geschäftsfrau mit einem Plan für eine bessere Welt. Widerrede mag sie gar nicht.

Kate Hudson

Kate Hudson

Kate Hudson gehört zum Lieblichsten, was Hollywood in der Blondinen-Schublade zu bieten hat. Als Hippierock-Luxus-Groupie Penny Lane in dem Kultfilm "Almost Famous" hat sie sich selbst ein Denkmal erspielt. Aber auch als berechnende Journalistin, die Matthew McConaughey in der romantischen Komödie "Wie werde ich ihn los – in 10 Tagen?" in den Wahnsinn treibt, ist sie legendär. Keine ist so gut darin, gleichzeitig so engelhaft, so smart und so frei zu wirken. In "Bride Wars" und "Fremd fischen" lacht sie dann auch noch herzlich über sich selbst und ihr Image. Traumfrau - für beiderlei Geschlecht!

Kate Hudson ist diesmal aber nicht wegen eines Films in Berlin, sondern wegen der Eröffnung eines neuartigen Fitnesscenters: "Cyberobics", wo man vor riesigen Leinwänden trainiert, auf denen unter anderem Prominente vorturnen. Weil Hudsons "Killer-Bauchmuskeln" fast so berühmt sind wie ihre blonden Haare, erscheint es nur logisch, dass sie neben Kollegen wie Barbara Becker, David Kirsch oder auch James "The Beast" Wilson zur Eröffnung in Berlin gekommen ist. Und deshalb sitzen wir in einem düsteren Raum vor einer großen Leinwand, von der Kate Hudson im Trainingsoutfit herabstrahlt. Hudson würdigt sich selbst nicht eines Blickes.

Nervt es Sie, wenn Leute in Ihnen immer noch Penny Lane sehen?

Nein, es ist cool! Manchmal singen mir Leute auf der Straße "Penny Lane" vor. Ich liebe es! Es ist toll, dass dieser Charakter so lange bei den Leuten bleibt. Dafür bin ich dankbar.

Sie trägt einen kupferfarbenen Seidenoverall mit kurzen Ärmeln und monströs hohe High Heels. Pennys Wärme und Mädchenhaftigkeit haben hier definitiv keinen Platz. Also Businesstalk:

Warum Cyberobics statt Filme?

Weil sie mich gefragt haben. Ich arbeite bereits mit Fabletics zusammen (Sportklamotten, Anm.d.Red.). Und ich dachte, es wäre toll, nach Europa zu kommen und das hier zu machen, um die Menschen zu motivieren. 

Ist der Bereich Fitness Ihr Plan B, ein zweites Standbein

Das hat sich so ergeben. Ich war schon immer sehr athletisch. Mit drei Jahren habe ich mit dem Ballettunterricht angefangen. Meine Mutter (Goldie Hawn, Anm.d.Red.) war zuerst Tänzerin, wissen Sie. Außerdem wollte ich schon immer alles über Ernährung wissen. Ich mag die Idee, das Optimum aus sich selbst herauszuholen. Wenn du älter wirst, Kinder hast und dir dein Land anguckst, die Welt anguckst, wie es der Umwelt geht, wie wir unsere Kinder ernähren, was im Supermarkt in den Regalen liegt, dann musst du dich dafür interessieren. Fitness heißt für mich, aktiv zu bleiben. Und damit kommt die mentale Gesundheit. Das gehört zusammen. Wenn wir ein bewussteres Leben leben, fit sind und besser essen, führt das zu einer optimistischeren Gesellschaft. Und daraus ein Geschäft zu machen, ist wirklich schön.

Entschuldigung, aber Fitness für den Weltfrieden? Sind das nicht etwas verschobene Prioritäten? 

Das ist eine altertümliche Sicht. Es ist wissenschaftlich bestätigt, dass nichts in deinem Leben passiert, ohne dass du bei bester mentaler und physischer Gesundheit bist. Ohne das erziehst du deine Kinder nicht vernünftig, du wirst in deinem Job nicht die Beste sein, du wirst keine positiven Veränderungen in deiner Gemeinschaft bewirken. Je mehr du deine mentale und physische Gesundheit zur ersten Priorität machst, desto besser wirst du sein.

Wenn Sie meinen.

Warum sind so viele Menschen depressiv? Das ist wie eine Epidemie. Was sagt der Doktor dir, wenn du leicht depressiv bist? Sei aktiv. Warum? Weil du, wenn du aktiver bist, mehr Serotonin im Hirn hast. Das ist nicht verhandelbar, das ist Wissenschaft. Es muss in Schulen Sport unterrichtet werden, und man muss Kinder zum gesunden Essen erziehen.

Hat sich in den USA denn schon etwas verändert?

Wir haben noch einen langen Weg vor uns. Ich fasse es nicht, dass es bei uns nicht gekennzeichnet wird, wenn etwas genetisch verändert ist. Wir sollten wissen, was wir essen. So wie wir gerade lernen, was es mit dem ganzen Zucker auf sich hat. Es geht ums Wissen. Wir wollen Krebs und Herzerkrankungen loswerden, dann müssen wir unseren Kindern beibringen, wie man sich gesund ernährt. Und ich meine nicht, Diät halten.

Aber den jungen Frauen, die hier herkommen, geht es doch darum, möglichst so auszusehen wie Sie? Wie bringt man jungen Mädchen bei, ein gesundes Verhältnis zum eigenen Körper zu haben?

Ich habe zwei Jungs zuhause, deshalb weiß ich nur, wie es bei mir selbst war. Wir sind alle schon mal verunsichert worden wegen unserer Körper. In der Schule von anderen Kindern, von unseren Partnern, von Kollegen auf der Arbeit. Es passiert selbst Models. Das ist bedauerlicher Alltag. Aber Frauen reden heute darüber. Ein feministischer Ansatz wird nicht mehr sofort als unfraulich abgetan. Das war früher so. Heute wissen wir es besser.

Ich verstehe immer noch nicht, wie das Mädchen hilft.

Das hängt eine Menge damit zusammen, wie die Medien Frauen darstellen. Vor allem als Schauspielerin, als jemand, der in der Öffentlichkeit steht, gucke ich mir das an und denke: "Wow!". Ich kann keinen männlichen Freund haben, ohne dass es sofort als Date gilt, als jemand, mit dem ich schlafe. Heißt das, eine Frau kann keine männlichen Freunde haben? Das ist wieder so eine altertümliche Idee, die die Gesellschaft Frauen aufzwingt, dass es immer um DEN Mann geht. Immer darum, DEN Mann zu finden, Wer wird DER nächste Mann. Das machen sie nicht mit Männern!

George Clooney sieht das vielleicht anders.

Das machen sie nicht mal mit George. Denn Jungs verkaufen keine Magazine.

Womit wir wieder beim Verkaufen sind. Haben Sie eigentlich Tricks gegen Paparazzi?

Ich will gar nicht mehr drüber nachdenken. Ab einem gewissen Punkt entsteht so eine Comicfigur außerhalb deiner Selbst. Ich komme da gar nicht mehr hinterher. Sie machen eh, was sie wollen. Ich ignoriere es und konzentriere mich auf die Arbeit.