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Königin der Promiwelt: Alle wollen Kim Kardashian

Sie wird als TV-Sternchen belächelt und für ihr künstliches Aussehen gescholten. Doch kaum eine Frau ist derzeit so begehrt wie Kim Kardashian. Warum alle von ihrem Ruhm profitieren wollen.

Von Julia Kepenek

Früher musste sie oft draußen bleiben, heute feiert Kim Kardashian in Hollywood auf den wichtigen Events wie hier bei der LACMA-Filmgala

Früher musste sie oft draußen bleiben, heute feiert Kim Kardashian in Hollywood auf den wichtigen Events wie hier bei der LACMA-Filmgala

Es gibt dieses Foto, aufgenommen im September 2006 auf dem Oktoberfest, da kauert Kim Kardashian auf einer Treppe, die Arme um die Beine geschlungen, das Lächeln scheu, der Blick unsicher. Im Mittelpunkt steht damals eine Andere: Paris Hilton, seit Kindertagen mit Kardashian befreundet, ist nach München gereist, um Werbung für Prosecco in Dosen zu machen. Die Hotelerbin ist damals auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs, die Fotografen reißen sich um sie. Alles an Paris ist bling bling: das Dirndl, ihr blondes Haar, die Sonnenbrille. Kimberly Kardashian, wie sie offiziell heißt, ist nur stumme Begleiterin, manche Fotografen halten sie sogar für Hiltons Stylisten.

Heute, acht Jahre später, haben sich die Verhältnisse komplett verschoben. Hilton ist als DJane nach wie vor gut im Geschäft, ihren Status als It-Girl hat sie jedoch verloren. Rund 3,5 Millionen Menschen folgen der Hotelerbin über den Fotodienst Instagram. Kardashian hat bei der selben Plattform 21,4 Millionen Anhänger. Und das, obwohl Paris deutlich mehr Fotos veröffentlicht als Kim.

Scheu und schüchtern: Kim Kardashian auf dem Oktoberfest im September 2006

Scheu und schüchtern: Kim Kardashian auf dem Oktoberfest im September 2006

Kardashians Instagram-Account ist der zweiterfolgreichste hinter dem von Justin Bieber. Kaum ein Star erreicht über die sozialen Netzwerke so viele Menschen wie die Anwaltstochter aus Los Angeles: 25 Millionen Menschen folgen ihr auf Twitter, 24 Millionen auf Facebook.

Wenn eine das Internet sprengen kann, dann Kim Kardashian. Niemand verkauft sich so gut wie die 34-Jährige - und das im doppelten Sinne. Ihr Vermögen wird auf 45 Millionen Dollar geschätzt, allein mit ihrem im Juni veröffentlichten Handyspiel "Kim Kardashian: Hollywood" verdiente sie bisher 43 Millionen Dollar. Hinzu kommen die Millionen ihres Gatten Kanye West: Der Musiker, Produzent und Designer bringt es auf 110 Millionen Dollar.

Kanye West kennt die wichtigen Leute

Durch ihre Beziehung mit Kanye West hat Kim Kardashian ein neues Level erreicht. Zuvor war sie ein erfolgreiches TV-Sternchen, bekannt durch ein Sextape, die Reality-Soap "Keeping Up with the Kardashians" und zwei gescheiterte Ehen. West öffnete Türen, die Kardashian zuvor verschlossen blieben. Er ist bestens in Mode- und Kunstkreisen vernetzt. Designer wie Valentino Garavani, Karl Lagerfeld oder Alber Elbaz, die den Namen Kardashian wenige Jahre zuvor noch nicht kannten, posieren inzwischen freiwillig mit der 34-Jährigen. Givenchy-Designer Riccardo Tisci, ein enger Freund von Kanye West, entwarf Kims Hochzeitskleid. Selbst "Vogue"-Chefredakteurin Anna Wintour hob Kim Kardashian und ihren Gatten auf den Titel. Die Ausgabe mit Kimye, "World's Most Talked About Couple", wurde zur erfolgreichsten in der Geschichte des Modezeitschrift.

Nun soll Kardashian dem New Yorker Independent-Magazin "Paper" zu einem Auflagenrekord verhelfen. Die Botschaft ist schlicht: Sex sells. Denn Kardashian ließ nicht nur ihren nackten Po von Fotograf Jean-Paul Goude in Szene setzen, sondern zog komplett blank. Den Kontakt dürfte wohl Kanye West vermittelt haben, denn Goude, vor allem bekannt für seine Aufnahmen von Sängerin Grace Jones, lichtete bereits Wests Ex-Freundin Amber Rose ab, ebenfalls nackt.

Von Kardashians Erfolg, ihrer Bekanntheit und Reichweite in den sozialen Netzwerke wollen inzwischen viele profitieren. Sie ziert Zeitschriftentitel, tritt auf Technologie-Konferenzen auf, um ihr Handyspiel zu bewerben und begleitet Bauunternehmer Richard "Mörtel" Lugner zum Opernball.

Dass ihre Auftritte oft als geschmacklos und inszeniert gescholten werden - wie etwa der Musikclip zu Wests Single "Bound 2" - ist Teil des Geschäfts. Für Kardashian gilt: Lieber schlechte PR als gar keine PR, immerhin muss das Familienunternehmen am Laufen gehalten werden. In Kanye West hat sie den perfekten Partner gefunden, der selbst seine nackte Frau mit der ganzen Welt teilt, wenn am Ende die Zahlen stimmen.