KZ-Auftritt Heesters scheitert mit Klage


Ist der Entertainer Johannes Heesters 1941 im Konzentrationslager Dachau aufgetreten? Ja, meint der Historiker Volker Kühn. Gegen diese Behauptung hatte sich Heesters gerichtlich gewehrt. Doch vor dem Berliner Landgericht scheiterte der 105-Jährige mit seiner Klage.

Der Schauspieler Johannes Heesters (105) hat seinen Rechtsstreit mit dem Berliner Historiker Volker Kühn verloren. Kühn darf weiterhin behaupten, dass der Entertainer nach bisherigen Erkenntnissen 1941 bei seinem Besuch im Konzentrationslager Dachau auch vor der SS aufgetreten sei. Das Berliner Landgericht wies am Dienstag eine Klage von Heesters auf Widerruf und Unterlassung ab.

Was geschah in Dachau

Es sei nicht zu klären gewesen, ob Heesters damals tatsächlich vor den SS-Wachmannschaften auftrat, sagte der Vorsitzende Richter Michael Mauck in der Urteilsbegründung. Es gebe aber Anhaltspunkte dafür. Man könne Kühn keinen Vorwurf machen, dass er die Indizien für einen Auftritt Heesters in dieser Weise bewerte. Die Faktenlage lasse dies zu.

"Eigentlich war die Sache klar", sagte der renommierte Kabarettautor und -historiker Kühn (75) nach der Urteilsverkündung im Gerichtssaal. "Ich habe kein Problem mit Heesters und hoffe, dass die Angelegenheit nun geklärt ist." Heesters sei "sicherlich ein ganz großer Entertainer", vor Gericht sei es nur darum gegangen herauszufinden, was damals in Dachau geschehen sei.

Besuch in Fotoalbum dokumentiert

Heesters hatte das Konzentrationslager mit dem Ensemble des Münchner Gärtnerplatztheaters besucht. Der Besuch ist in einem Fotoalbum des damaligen KZ-Kommandanten dokumentiert, das in der mündlichen Verhandlung genauso eine Rolle spielte wie auch eine vor den Richtern abgespielte DVD mit einer Heesters belastenden Zeugenaussage. Darin sagte der inzwischen gestorbene frühere Dachau- Häftling und spätere Wiener Kulturstadtrat Viktor Matejka auf die Frage Kühns für eine TV-Dokumentation, ob er von einem Heesters-Auftritt in Dachau etwas wisse: "Ja, was soll die Frage, ich habe ihm doch den Vorhang gezogen."

Den Besuch im Lager hatte Heesters nie bestritten, wohl aber einen Auftritt dort. Auf den Albumfotos ist er in Hut und Mantel bei der Besichtigung von Lagereinrichtungen zu sehen, aber nicht bei einem Auftritt oder einer Gesangsdarbietung. In der Widmung des damaligen KZ-Kommandanten in dem Album heißt es: "Den lieben Künstlern, die uns am 21. 5. 1941 durch einen frohen und heiteren Nachmittag im K.L. Dachau erfreuten, gewidmet."

Sein Anwalt Fette hatte in dem Verfahren daran erinnert, dass Heesters ein Leben lang bedauert habe, zusammen mit dem Gärtnerplatz- Ensemble der sogenannten Einladung der SS, was damals alle als Befehl verstanden hätten, in das Lager überhaupt gefolgt zu sein. "Ich schäme mich, dass es den Nazis gelungen war, uns dorthin zu locken", hatte Heesters gesagt.

Kühn sagte nach dem Urteilsspruch, die Wahrheit werde sich nicht endgültig klären lassen. Zeitzeugen, die aufstehen und sagen, wie es war, gebe es nicht mehr, nach so langer Zeit könne es nur Indizien geben.

DPA DPA

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