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Umstrittener Clip: Love, Peace & Pepsi: Warum der Werbespot mit Kendall Jenner nervt

Junge Demonstranten ziehen durch die Straßen, Model Kendall Jenner schließt sich ihnen an. Im neuen Werbespot bedient sich Brausehersteller Pepsi einer jugendlichen Protestbewegung - und erntet dafür viel Kritik. Aus den falschen Gründen.

Kendall Jenner im Pepsi-Spot

Kendall Jenner im Pepsi-Spot

Sitzen Che Guevara und Karl Marx zusammen auf der Veranda. Sagt Che: "It is time for another revolution." Antwortet Karl: "It's about what people really need." Diese Szene aus dem Dacia-Logan-Spot von 2008 war nicht das erste Beispiel dafür, wie sich Werbung neue Inspirationen aus Radical chic holt. Aber sicher eine der dreistesten.

Ähnlich schamlos geht nun der neue Pepsi-Spot vor, der derzeit in den USA ausgestrahlt wird. Darin zeigt der Brausehersteller zur Musik von Skip Marleys Song "Lions" eine Protestbewegung, die durch die Straßen zieht. Worum genau es den Demonstranten geht, bleibt unklar. Die Menschen sind jung, multikulturell - und sie stehen auf Love & Peace. 

Kendall Jenner schnappt sich eine Cola

Auch Kendall Jenner schließt sich dem Zug an. Eigentlich hat das Model in dem Spot ein Shooting. Mit blonder Perücke posiert sie lasziv in einem Hauseingang. Doch als sie die jugendlichen Massen auf der Straße erblickt, ist ihr der Job egal: Sie mischt sich unter die Demonstranten. Zuvor reißt sich die Halbschwester von Kim Kardashian die blonde Perücke vom Kopf. Vorbei die Entfremdung der Modelbranche - sie hat nun ihr authentisches Selbst wiedergefunden. Doch wie nutzt Jenner ihre neu gewonnenen Freiheit und Autonomie? Sie schnappt sich erstmal eine Dose Pepsi.

Irgendwann steht der Protestzug der feindlich dreinblickenden, bewaffneten Staatsmacht gegenüber. Kendall Jenner bricht die frostige Stimmung auf, indem sie einem Polizisten ihre Pepsi schenkt. Der trinkt unter dem Jubel der Massen einen Schluck  - und alles ist gut.

Dazu singt Bob Marleys Enkel Skip die Worte: "We are the lions, we are the chosen, we gonna shine out the dark / We are the movement, this generation. You better know who we are.

Der Pepsi-Spot

Der Brausekonzern hat in den sozialen Netzwerken viel Kritik für diesen Spot einstecken müssen. Viele User posteten Bilder von brutalen Polizeiübergriffen und kommentierten süffisant: "Wenn sie den Polizisten nur eine Pepsi gegeben hätten" und: "Kendall please! Give him a Pepsi!"

All das sind berechtigte Kritikpunkte. Deutlich problematischer erscheint aber die Darstellung der Protestbewegung. Die gibt sich nur auf den ersten Blick weltoffen und inklusiv. Zwar haben die Macher penibel darauf geachtet, dass verschiedenste Kulturen und Ethnien vorkommen, asiatisch-stämmige Menschen genau wie Schwarze oder muslimische Frauen mit Kopftuch. In anderer Hinsicht ist die Gruppe jedoch erschreckend homogen: Die Demonstranten eint, dass sie fast alle jung sind und wahnsinnig attraktiv. Alte und Hässliche müssen draußen bleiben. Wer zu der coolen Love, Peace & Pepsi-Crowd gehören will, sollte modelmäßig hübsch sein. Dazu passt Skip Marleys Zeile "We are the chosen" - wir sind die Auserwählten.

Das ist aber deutlich problematischer als die schamlose Vereinnahmung von Protestbewegungen und die naive Vorstellung, die Welt mit einem Schluck Cola zu retten. Dass dieser Aspekt bei den Kritikern so wenig Berücksichtigung findet, erstaunt dann schon.

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