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Interview

Nach ihrem Hörsturz: Mirja du Mont über ihre Angststörungen: "Ich konnte nicht einmal vor die Tür gehen"

Nach dem Hörsturz kamen die Angststörungen: Mirja du Mont spricht im Interview über die härteste Zeit ihres Lebens und wie sie es geschafft hat, aus eigener Kraft der Krankheit zu entkommen.

Mirja Du Mont

Mirja Du Mont spricht im Interview über ihren Hörsturz, ihre größte Stärke und ihre Zukunftspläne

Getty Images

Frau du Mont, wie geht es Ihnen derzeit?

Mir geht es wieder richtig gut. Mein Ohr wird zwar nie wieder richtig funktionieren, aber unter den Umständen geht es mir wirklich gut.

Mit welchen Schäden müssen Sie nun leben?

Ich hatte ein Loch im Innenohr und dadurch ist Gehirnflüssigkeit ausgelaufen. Daher habe ich eine permanente Hörschädigung auf dem rechten Ohr. Ich höre jetzt 60 Prozent weniger und habe einen kompletten Tinnitus.

Das schränkt Sie bestimmt im Alltag ein.

Ja, aber ich hoffe ja immer noch, dass das irgendwann wieder weggeht mit dem Tinnitus. Das Gehirn soll das Geräusch ja irgendwann überhören – habe ich zumindest gehört. Da hoffe ich drauf. Aber nachts stört mich das zum Beispiel gar nicht mehr. Ich schlafe wie ein Stein. Ich habe eine Freundin, die das schon ein Jahr länger hat, die kann gar nicht schlafen. Aber ich schlafe super. Ich schlafe meine acht Stunden eigentlich komplett durch und habe keine Probleme. Das ist kein Vergleich mehr zu dem, wie es mir vorher ging.

Wie ging es Ihnen denn vorher?

Ich hatte vor kurzem mit ganz starkem Schwindel zu kämpfen. Ich hatte erst Lageschwindel und dann hatte ich einen starken Schwankschwindel, den hatte ich acht Monate lang. Da kann man einfach gar nichts mehr machen. Da dreht sich die ganze Zeit alles. Oder es schwankt so wie auf einem Schiff. Und dadurch, dass ich das nicht kannte und mein Körper das nicht kannte, habe ich Angststörungen bekommen. Das war das Allerschlimmste. Vor allem mit dem Schwindel zusammen. Weil ich einfach vor allem Angst hatte, vor allem, was man sich vorstellen kann: vor dem U-Bahn-Fahren, davor, vor die Tür zu gehen, vorm Autofahren. Vor allem.

Und deshalb hatten Sie sich auch die mediale Auszeit genommen?

Genau. Ich konnte gar nichts. Ich musste erst mal mit dem Umstand klarkommen, dass es mir so schlecht ging. Ich kannte das ja überhaupt nicht! Ich mache sonst alles, fahre Motorrad, mache Fallschirmspringen. Ich habe vor nichts Angst. Und auf einmal habe ich vor so idiotischen Sachen Angst wie davor, vor die Tür zu gehen. Ich habe früher immer gedacht, wenn ich so etwas gehört habe: "Das kann ich mir gar nicht vorstellen, dass es so was gibt. Da kann man sich doch wohl zusammenreißen." Und dann hat man so was selbst.

Das ist aber bestimmt auch gefährlich: Wenn man nicht mehr vor die Tür geht, sich zurückzieht und mit seiner Angst alleine ist, kann man sicher schnell in eine Depression rutschen.

Das glaube ich auch! Ich habe deshalb selbst dagegen angekämpft. Ich hatte im Leben bisher nur vor einer Sache Angst: vor Spinnen. Also bin ich in die Zoohandlung gefahren, habe mir eine Vogelspinne auf die Hand setzen lassen und bin gegen die Angst vorgegangen. Ich hatte nämlich keine Lust, vor Tieren Angst zu haben, die viel kleiner sind als ich. Und so habe ich das jetzt auch wieder gemacht. Und ich glaube, das ist auch meine größte Stärke gewesen. Dass ich gesagt habe: "Okay, wovor hast du heute am meisten Angst? Davor, U-Bahn zu fahren? Okay, dann anziehen und ab in die U-Bahn." Und so habe ich das dann auch wegbekommen. Da hat mich auch meine Freundin sehr unterstützt, die gesagt hat, ich soll immer eine schlimme Sache am Tag machen und danach den Rest des Tages etwas Schönes. Ich bin zum Beispiel samstags, wenn es so richtig voll war, ins Kaufhaus. Danach habe ich dann zu Hause eine schöne Serie angeschaut oder was Schönes mit den Kindern gemacht. Auch, als ich meine Eltern besucht habe, habe ich das so gemacht. Ich musste wieder zurück nach Hamburg und sagte zu meinem Vater: "Ich habe gerade so Angst davor, Auto zu fahren. Ich schaff das nicht." Da sagte er nur, dass er mich nicht zurückfahren wird und ich das jetzt einfach machen soll. Ich hatte ja auch meine Kinder dabei, die mussten zur Schule, also musste ich das dann durchziehen.

Klingt, als hätten Sie gute Unterstützung in der schweren Zeit gehabt.

Ja, meine Eltern, meine Kinder, aber auch ganz stark meine Freundinnen waren an meiner Seite. Mit meinen Freunden habe ich mich in meinem Leben echt nicht geirrt. Das merkt man erst, wenn man krank ist.

Haben Sie in dieser harten Zeit denn einen Partner an Ihrer Seite vermisst?

Über mein Privatleben rede ich ja nicht mehr. (lacht) Nach meiner Ehe, die ja sehr in der Öffentlichkeit stand, rede ich über mein Privatleben gar nicht mehr. Ich möchte einfach mal eine Sache für mich behalten und dass nicht alles in meinem Leben öffentlich ist. Und das wäre auch der Fall, wenn ich jetzt einen Partner hätte. Ich finde es echt immer furchtbar, wenn Menschen, die man gar nicht kennt, über eine Beziehung urteilen. Wie bei Heidi Klum und Tom Kaulitz. Was geht das andere Leute an? Die sollen machen, was sie möchten und die beiden machen eben, was sie glücklich macht. Ich würde mir nie anmaßen zu sagen, dass das nicht geht oder sogar beleidigend werden. Finde ich furchtbar!

Dann lassen Sie uns doch lieber übers Berufliche sprechen. Was steht denn da in Zukunft an?

So einiges! Ich habe gerade erst was für ProSieben gedreht, das war super schön. Und ich habe jetzt zwei ganz große TV-Projekte, über die wir jetzt gerade reden und wo ich mir angucke, ob ich das machen möchte oder nicht. Aber: Ich mache nie wieder drei Sachen gleichzeitig. Das hat mir echt das Genick gebrochen damals! Da habe ich wirklich draus gelernt.

Ist denn klar, dass der Hörsturz eine Folge von Stress war?

Ja, das steht fest. Aber ich habe ja auch das Loch im Innenohr und daran könnten schwere körperliche Anstrengung schuld gewesen sein. Ich weiß auch noch ganz genau, dass an dem Tag, wo ich das gemerkt habe, der Fahrstuhl ausgefallen war und ich den kompletten Einkauf auf der rechten Schulter nach oben getragen habe. Der war wirklich schwer. Und die Schäden sind ja am rechten Ohr. Es kann also sein, dass das dazu beigetragen hat. Meine Eltern haben auch immer schon gesagt, ich soll nicht so schwer tragen. Man tut das dann immer so ab und macht es trotzdem.

Dann achten Sie aber jetzt auch sicher mal drauf, sich Auszeiten zu gönnen und auch mal in den Urlaub zu fahren?

Ja, auf jeden Fall. Urlaub ist dieses Jahr auch noch geplant. Meine Tochter macht dieses Jahr Abitur und da möchte ich mit meinen beiden Kindern auf jeden Fall noch mal wegfahren. Wir werden in den Sommerferien wegfahren und fahren demnächst auch noch nach Sylt. Auf jeden Fall muss ich mir ab und zu Auszeiten nehmen. Mein zweites Ohr will ich nicht riskieren!

Wie sieht es neben der TV-Karriere mit Ihrer Karriere als Influencerin aus? Auf Instagram sind Sie ja auch erfolgreich, waren gerade mit Ihrer Tochter auf einem großen Event und haben berichtet.

Das ist ja auch so ein Phänomen! Ich würde ja sagen, ich bin nicht mehr so die Generation dafür. Mich musste man zu Instagram tatsächlich zwingen, vor drei Jahren oder so. Ich hatte gar keine Lust und keine Zeit dafür. Aber mein Management meinte, ich muss mehr Social Media machen. Ich hatte auch Facebook immer nur privat. Und dann hat es mir echt Spaß gemacht. Und mir macht das auch jetzt noch Spaß. Mit Leuten interaktiv in Kommunikation zu treten. Vor allem jetzt mit meinem Hörsturz. Nach meinem TV-Interview darüber war ich überrascht in so vielen Kommentaren zu lesen, wie viele Menschen unter einem Hörsturz und den Folgen leiden. Und daraufhin habe ich mich mit dem Thema beschäftigt und erfahren, dass Angststörungen die zweit häufigste Erkrankung in Deutschland ist, gleich nach Depressionen. Da fand ich ganz toll, dass Menschen so offen gesagt haben, dass sie das auch haben und ihre Erfahrungen mitgeteilt haben. Oder dass sie geschrieben haben, wie toll sie es finden, dass man als prominente Person auch mal preisgibt, dass was scheiße läuft.

Sonst sieht man auf Instagram ja nur: "Es ist so ein toller Tag, ich hab so viel Geld und ich bin strong, healthy und full of energy." (lacht) Und das ist einfach gelogen. Ich kenne so viele Menschen, denen es im Leben einfach scheiße geht. Wie meiner Mutter mit Brustkrebs. Es ist nicht alles immer schön. Und da fand ich toll, dass viele Menschen kommentiert haben und gut fanden, dass ich das auch mal so gezeigt habe. Ich kann mir das auch nie vorstellen, dass Leute nicht mal sagen: „Ja, mir ging es dreckig und ich musste mir Hilfe suchen und ich war beim Psychologen.“ Ich weiß gar nicht, warum das so verpönt ist. Oder dass Leute direkt denken, dass man dann einen an der Waffel hat oder so. Das ist absolut gar nicht so. Und ich finde, da sollte man auch mal drüber reden.

Das wissen Ihre Follower auf jeden Fall zu schätzen.

Ja, das denke ich auch. Ich sage immer die Wahrheit und das war auch schon immer so. Aber ich nehme auch nicht alles hin und wehr mich auch, wenn mir was nicht passt. Ich antworte dann auch mal: „Was ist dein Problem? Geh jemand anderem auf den Sack.“ Ich bin auch nicht die Netteste, wenn man mich permanent beleidigt. Ich mache mich auch nicht dicker oder dünner. Aber Filter benutze ich gerne! Hundeohren oder so. Die finde ich einfach schön.

Was würden Sie sagen, wenn Ihre Kinder Karriere als Influencer machen wollten?

Sollen sie doch. Ich habe immer gesagt, dass ich meinen Kindern nichts vorschreiben werde. Das ist ihr Leben, sie können machen, was sie wollen. Meine Tochter macht zwar jetzt Abitur und studiert dann in England, aber wenn sie sagen würde, sie möchte das machen, warum denn nicht? Sie können alles ausprobieren, sie sind jung. Und wenn es nicht läuft, kann man ja immer noch was anderes machen. 

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