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Muriel Baumeister über Alkoholfahrt: "Ich habe wirklich Scheiße gebaut!"

Alkoholprobleme, postnatale Depressionen und Geldsorgen: Schauspielerin Muriel Baumeister spricht in einem Interview mit der Zeitschrift "Bunte" erstaunlich offen über die schwere Krise in ihrem Leben. Die reicht weit über die Tatsache hinaus, dass sie betrunken am Steuer saß.

Muriel Baumeister

Schauspielerin Muriel Baumeister im September 2016 bei der Internationalen Funk-Ausstellung IFA in Berlin

Der Vater, ein gefeierter deutscher Theaterschauspieler, die Mutter eine erfolgreiche Tanzpädagogin in Österreich - Muriel Baumeister kannte von klein auf nichts anderes, als das Leben auf der Bühne. Mit 15 drehte sie die ARD-Serie "Ein Haus in der Toscana", sechs Jahre später erhielt sie die Goldene Kamera als beste Nachwuchsdarstellerin. In den Neunzigern wurde sie als neue Romy Schneider und die Entdeckung des Fernsehens gefeiert.

Doch nach vielen erfolgreichen Jahren blieben zuletzt die Jobangebote aus, vor allem nach der Geburt ihres dritten Kindes im Dezember 2014. Stattdessen sorgte Baumeister mit einer Alkoholfahrt für Schlagzeilen, für die sie Anfang Mai von einem Gericht zu einer Geldstrafe von 1600 Euro verurteilt wurde.

Muriel Baumeister litt an postnatalen Depressionen

Mit der Zeitschrift "Bunte" sprach Baumeister nun über die "Krise", wie sie selbst sagt, die weit über die Tatsache hinausreicht, dass sie betrunken am Steuer saß. "Nach der Geburt meiner jüngsten Tochter litt ich an postnatalen Depressionen. Ich habe das lange selbst nicht begriffen. Immerhin habe ich bereits zwei Kinder: Linus wird 24, Frieda ist elf Jahre alt. Als Ava im Dezember 2014 zur Welt kam, war ich schon 42 – und habe das eben nicht so locker weggesteckt. Mir ging es anders als nach den Geburten der beiden älteren Kinder. Ich hatte Sorgen, Bedenken, Kummer. Ängste, Erschöpfungszustände. Ich war überfordert", sagt Baumeister.

Ihr Arzt verschrieb ihr daraufhin leichte Antidepressiva. "Aber ich habe zu lange gewartet, sie zu nehmen. Ich wollte die Situation einfach nicht akzeptieren: Ich bin nicht der Typ, der schwächelt. Ich war es gewöhnt, immer alles rocken und meistern zu können. Job, Kinder, den ganzen Patchwork-Wahnsinn. Und auf einmal war ich wie gelähmt und hatte das Gefühl, dass schon meine Zahnbürste zehn Kilo wog und ich sie kaum halten konnte. Dazu kommt die Angst: Hoffentlich bekommt das keiner mit!"

"Ich konnte diesem Stress kaum standhalten"

Statt sich Hilfe zu holen, steht Muriel Baumeister wenige Wochen nach der Geburt ihrer Tochter wieder vor der Kamera, sie dreht für Sat.1 die Serie "Frauenherzen". So schnell wieder zu arbeiten, "war vielleicht ein Fehler im Nachhinein", sagt Baumeister. "Das war ein wahnsinniger Druck für mich. Ich konnte diesem Stress kaum standhalten. Es war furchtbar."

Vor allem, weil der Sender die Serie nach nur einer Folge wegen schlechter Quoten wieder absetzt. "Das war ein Schlag ins Gesicht für uns alle im Team. Psychisch hat mich das an meine Grenzen gebracht. Man mag das arrogant nennen, aber ich kannte solche Flops und Rückschläge nicht. Alles, was ich bis dato gedreht hatte, lief erfolgreich. Ich hatte das Gefühl, dass mir plötzlich alles entglitt. Ich befand ich mich in einer Spirale, in der es nur noch nach unten ging", sagt Baumeister.

Die 45-Jährige bekommt keine neuen Angebote - und damit kein Geld. "Vergangenes Jahr hatte ich gerade mal um die 20 Drehtage. Ich war gewöhnt, drei, vier große Filme im Jahr zu drehen. Das war ein Schock und finanziell für mich eine Katastrophe!" gesteht die Schauspielerin. Die Spirale aus Frustration, Erschöpfung und Geldsorgen dreht sich immer weiter. Muriel Baumeister geht es richtig schlecht. In dieser Situation trinkt sie täglich Alkohol und nimmt Antidepressiva - eine fatale Kombination.

"Ein Riesenfehler! Ich habe wirklich Scheiße gebaut!"

Als sie im Oktober 2016 am frühen Abend betrunken einen Unfall in Berlin baut, hat sie 1,45 Promille Alkohol im Blut. Die Schauspielerin wird von der Polizei angehalten und auf die Wache gebracht. "Ein Riesenfehler! Ich habe wirklich Scheiße gebaut!" sagt Baumeister über den Vorfall, aber auch: "Der Tag, an dem mich die Polizei stoppte, war eigentlich meine Rettung. Das war der Paukenschlag, den ich offensichtlich gebraucht habe, um wach zu werden. Schlimmer geht's ja nicht." Die 45-Jährige hat sich nun professionelle Hilfe geholt, um ihre Probleme in den Griff zu bekommen. "Das Schlimmste habe ich hinter mir", sagt sie. Noch in diesem Jahr dürfte Muriel Baumeister auch wieder im Fernsehen zu sehen sein. Für die ARD drehte sie den Film "Der Sohn".

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jum