HOME

Nach antisemitischer Äußerungen: Dior setzt John Galliano vor die Tür

Ein Video mit antisemitischen Äußerungen hat den Ausschlag gegeben: Das traditionsreiche Modehaus Dior trennt sich von John Galliano, um weiteren Imageschaden abzuwenden. Auch Prominente haben sich von dem einst bejubelten Designer abgewandt.

Das französische Modehaus Dior trennt sich von seinem langjährigen Stardesigner John Galliano. Nach zwei Klagen wegen rassistischer Pöbelei hatte das traditionsreiche Modehaus offenbar Sorge ums eigene Image.

Galliano steht seit dem Wochenende in der Kritik, weil er in einem Café im Pariser Szeneviertel Marais wiederholt ausfallend geworden sein soll und mehrere Gäste mit judenfeindlichen Bemerkungen beschimpft haben soll. Am Montag veröffentlichte die britische Tageszeitung "The Sun" ein Video, das die Pöbeleien dokumentiert. Darauf ist eine Person zu sehen, die aussieht wie Galliano und eine Kundin mit der Bemerkung beschimpft: "Leute wie Sie sollten tot sein. Ihre Mütter, Vorfahren, sollten alle verdammt vergast sein."

Dior spricht von "abscheulichem Verhalten"

Das Video hat offenbar den Ausschlag zur Kündigung bei Dior gegeben. In einer kurzen Mitteilung des Modehauses heißt es: Dior habe wegen des "abscheulichen Verhaltens" Gallianos, das in einem Video dokumentiert sei, die notwendigen Schritte eingeleitet. Dior-Geschäftsführer Sidney Toledano sagte: “Ich verurteile die Äußerungen von John Galliano aufs Schärfste. Sie stehen in völligem Gegensatz zu den Werten, die das Haus Christian Dior schon immer vertreten hat."

Kurz vor Beginn der Pariser Prêt-à-Porter-Schauen zieht Dior damit die Notbremse. Obwohl die Vorwürfe gegen Galliano noch nicht geklärt sind, soll mit diesem Schritt ein noch größerer Imageschaden abgewendet werden. Das Modehaus, das sich zu 70 Prozent im Besitz des französischen Unternehmers Bernard Arnault befindet, lebt von seinem Ruf als Luxuslabel und kann Negativschlagzeilen nicht gebrauchen. Die Modenschau von Dior auf der Pariser Modewoche soll am Freitag wie geplant stattfinden - ohne Galliano.

Natalie Portman ist "angewidert"

Inzwischen haben sich auch Prominente von Galliano abgewandt. Oscar-Preisträgerin Natalie Portman, die für Parfüm von Dior Werbung macht, sagte der US-Modezeitschrift "Women's Wear Daily": Ich bin zutiefst geschockt und angewidert." Als stolze Jüdin, werde sie alle Verbindungen zu Herrn Galliano abbrechen.

Es gibt aber auch Stimmen, die den Designer verteidigen. In der Modebranche hieß es derweil, Dior habe sich schon länger von Galliano trennen wollen und nur nach einem Vorwand gesucht. "Ich habe gehört, dass Dior nach einem Weg gesucht hat, ihn rauszuwerfen", sagte eine Kennerin der Szene. Der 50 Jahre alte Galliano sei "ein sehr netter, ganz ruhiger Mann", sagte ein junger französischer Modemacher über den Briten, der seit vielen Jahren in Paris lebt. Er sei "alles andere als ein Widerling, das ist doch absurd".

Galliano hatte seit 1996 Mode für Dior entworfen und wird als Motor des Traditionshauses gesehen, das einen Jahresgewinn von rund 700 Millionen Euro macht. Der Designer gibt eine Pöbelei in seiner Stammbar "La Perle" zu, bestreitet aber entschieden, judenfeindliche Bemerkungen gemacht zu haben. Die Untersuchungen der Pariser Polizei sollen fortgesetzt werden.

mai/DPA / DPA