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Nach Sylt-Prügelei: Ein Bier zu viel für Rudi Assauer?

Der Alkohol war schuld. So erklärt Rudi Assauer seine Prügelei mit Simone Thomalla. Noch hält die Brauerei Veltins am Werbevertrag mit ihm fest. Aber kann einer, der Alkohol als Entschuldigung für Gewalt anführt, noch Werbung für Bier machen?

Von Jens Maier

Im aktuellen Spot trinkt er Bruce Willis das Bier weg: Es ist inzwischen der fünfte, den Rudi Assauer für die westfälische Brauerei Veltins gedreht hat. 2006 erhielt er zusammen mit Ex-Freundin und "Tatort"-Schauspielerin Simone Thomalla sogar die "Goldene Kamera" als "besten Werbespot mit Prominenten". Doch mit den sprudelnden Bier-Einnahmen könnte für Assauer bald Schluss sein. Nicht wegen der öffentlich ausgetragenen Prügelei auf Sylt, sondern eher wegen seiner Begründung, wie es dazu gekommen ist.

Noch hält Veltins an seinem Werbestar fest. "Nach der jahrelangen erfolgreichen Zusammenarbeit wollen wir die Ereignisse nicht aufgrund der Berichterstattung in der Boulevard-Presse beurteilen", sagte ein Unternehmenssprecher zu stern.de. Man werde aber in den nächsten Tagen mit Assauer und Thomalla sprechen und dann prüfen, "ob etwas zu tun sei". Aktuell gebe es kein Handlungsbedarf, da der Werbefilm mit Assauer und Willis momentan nicht geschaltet sei.

Assauer hatte "ein bisschen was getrunken"

Assauer und Veltins arbeiten seit mehreren Jahren zusammen. Gemeinsam mit seiner langjährigen Partnerin Simone Thomalla drehte der 65-Jährige 2003 den ersten Spot ("Ist keins mehr da"), es folgten drei weitere. Im vergangenen Jahr wurde der Vertrag mit Thomalla allerdings nicht verlängert, da die Brauerei nach einem "neuen Impuls" für den Spot suchte, wie ein Firmensprecher sagte. Stattdessen bekam Assauer Hollywood-Star Bruce Willis zur Seite gestellt. Ob die Zuschauer beide nochmals Bier trinken sehen werden, ist momentan allerdings mehr als fraglich.

Am vergangenen Mittwoch prügelte sich Assauer auf offener Straße mit Simone Thomalla, die sich im Januar von ihm getrennt hatte und aus der gemeinsamen Villa in Gelsenkirchen ausgezogen ist. Ein Fotograf dokumentierte den Vorfall im Promi-Örtchen Kampen auf Sylt, und die Bilder landeten auf den Titelseiten der Boulevardpresse. Am Wochenende entschuldigte sich Assauer dann via Zeitung und sagte der "Bild am Sonntag": "Es lag mit Sicherheit auch daran, dass wir beide ein bisschen was getrunken hatten, Simone allerdings sehr wenig." Diese Begründung könnte ihm jetzt zum Verhängnis werden. Kann einer, der öffentlich seinen Alkoholkonsum als Entschuldigung für Gewalt anführt, weiterhin für eine Biermarke Werbung machen?

Werbeexpertin: "Alkohol ist ein sensibles Thema"

Der Vorfall habe der "Marke Assauer" als ungehobeltem Macho nicht geschadet, sondern sie vielleicht sogar authentischer gemacht, meint Karen Heumann, Strategiechefin und Vorstandsmitglied der Hamburger Werbeagentur Jung von Matt. Assauer stehe nicht als prügelnder Ex-Liebhaber da, weil Simone Thomalla seine Entschuldigung angenommen habe. Aber Alkohol sei im Werbemarkt ein besonders sensibles Thema. "Hersteller von alkoholischen Produkten müssen extrem vorsichtig sein, dass sie mit ihrer Werbung kein falsches Vorbild liefern", sagte Heumann. Ob seine Aussage schon Grund genug sei, ihn als Werbefigur abzusetzen, wollte die Werbeexpertin nicht beurteilen. "Aber er hat sich damit keinen Gefallen getan", sagte sie.

Veltins hat jetzt jedenfalls ausgiebig Zeit, mit Assauer über die Geschehnisse auf Sylt zu sprechen. In den kommenden sechs Wochen geht der Bierbrauer mit seinen Spots in die Sommerpause. Dies sei aber üblich und habe nichts mit der Prügelei in der vergangenen Woche zu tun.