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Neues Wohltätigkeits-Portal: Rent a Promi

Mit Bill Clinton Essen gehen oder ein wenig Smalltalk mit Scarlett Johansson. In Amerika ist es üblich, dass sich Promis für einen guten Zweck versteigern. Nun gibt es auch in Deutschland eine entsprechende Plattform. Dank "Stargebot" kann man sein Geld nicht nur sinnvoll, sondern auch mit Spaß spenden.

Von Axel Henrici

So ein Abend mit Scarlett Johansson ist nicht ganz billig. Gut 40.000 US-Dollar berappte ein eBay-Nutzer namens "bossnour", um ein paar Takte exklusiv mit der Hollywood-Schönheit plaudern zu können. Der Erlös ging an die Wohltätigkeitsorganisation "Oxfam". Bill Clinton ist da schon etwas billiger zu haben. 10.000 Dollar war es einem in den USA lebenden Deutschen wert, mit dem Ex-Präsidenten dinieren zu dürfen.

Eingesammelt und verteilt wird das Geld von einer neuen Wohltätigkeitsplattform namens "Stargebot". Freigeschaltet wurde sie im Juli 2007 von den beiden Initiatoren Corinna Busch und Reinhard Schmidt. Beide kennen sich noch von der Harald-Schmidt-Show, für die beide gearbeitet haben. Die Namensgleichheit ist nicht zufällig: Reinhard Schmidt ist der jüngere Bruder von Harald. Er betreibt in Stuttgart eine Webagentur. Gemeinsam mit der Journalistin und PR-Frau Busch entwickelte er die Idee zu einem "Charity Portal" - wie es neudeutsch heißt.

Marius' Mundharmonika und Haralds Manuskripte

Bislang gab es rund sechzig Auktionen, bei denen unter anderem ein Studiobesuch beim "heute journal" mit Claus Kleber, ein persönliches Menü von Sternekoch Johann Lafer sowie die Mundharmonika von Marius Müller-Westernhagen zu ergattern waren. Letztere brachte immerhin 1500 Euro ein - und wird demnächst von Westerhagen höchstpersönlich übergeben. Altmeister Harald Schmidt versteigerte das Original-Manuskript einer seiner "Focus"-Kolumnen.

Das Konzept ist ähnlich wie bei den amerikanischen Vorbildern "Charitybus" und "Charityfolks". Die Strategie der Initiatoren ist es, zunächst an deutsche Promis heranzutreten ("das läuft alles über persönliche Kontakte"), um dann kontinuierlich den Kontakt zu internationalen Stars aufzubauen. Die Nutzer sollen sich aber auch nicht-personengebundene Wünsche erfüllen können, sagt Busch. "Wie zum Beispiel einmal auf dem Stuhl des Tagesschau-Sprechers Platz nehmen zu dürfen." Auktionssieger Jochen Fischer konnte sich diesen Wunsch kürzlich erfüllen.

Ein hartgesottener Fan hat schon mehrfach gewonnen

Die Begegnungen zwischen Fans und Stars werden auf der Website von "Stargebot" mit zahlreichen Fotos dokumentiert: Johann Lafer mit einem Ehepaar, das sich zum Ehejubiläum ein Festmahl gönnt, Liz Baffoe beim Power-Walken mit Fans, oder die Fantastischen Vier, wie sie private Weihnachtspost signieren. Den Ideen sind keine Grenzen gesetzt. Es gibt Hardcore-User, die geradezu süchtig nach den Auktionen sind. Treuester Fan ist ein Arzt aus Hannover, der mittlerweile schon mehrere Auktionen gewonnen hat. "Manche haben schon den Verdacht, das wäre einer von uns", schmunzelt Busch.

Schon bevor eine Auktion losgeht, ist für den potenziellen Bieter immer nachvollziehbar, an wen der Erlös der Versteigerung später gehen wird. Zur Zeit ist auffallend oft die Stiftung "Agapedia" Nutznießerin. Das liege aber daran, sagt Corinna Busch, dass Jürgen Klinsmann eine ganze Menge handsignierter Fußballtrikots zur Verfügung gestellt hätte (u.a. von Marcelinho, Berti Vogts und Olaf Thon), die nun nach und nach versteigert würden. Die Prominenten wählten selber aus, an welche Organisation ihre Auktionserlöse gehen sollen. Grundsätzlich werde aber keine Einrichtung bevorzugt.

Geprüfte Qualität

"Stargebot" will aber auch den gemeinnützigen Einrichtungen eine Plattform bieten, die es ihnen erlaubt, ihre Arbeit bekannter zu machen. Man strebt langfristige Partnerschaften an. Derzeit wird gerade an der wechselseitigen Verlinkung zwischen "Stargebot"und den Partnerorganisationen gearbeitet. Da viele Stars - wie z.B. Jürgen Klinsmann - eigene Hilfsorganisationen gegründet haben, ist der Effekt von "Stargebot" ein doppelter: Die Organisationen profitieren von den Stars, aber die von den Stars gegründeten Organisationen (wie "Agapedia") profitieren auch von der Plattform.

In der Regel werden nur solche Organisationen ausgewählt, die das Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) haben, einer Art "Wohlfahrts-TÜV". Sieht man auf der Website von "Stargebot" nach, findet man auch nur seriöse Organisationen wie "Care", "Terre des hommes" oder die "Hospizbewegung Münster".

Transparenz wird großgeschrieben

Und wie ist das mit dem Geld? Wie sicher kann man sein, dass auch alles bei den Bedürfigen ankommt? Seit dem Unicef-Skandal ist die Öffentlichkeit für diese Frage besonders sensibilisiert. Es gebe zwei Konten, erklärt Corinna Busch: ein Wirtschaftskonto und ein Auktionskonto. "Auf Anfrage gewähren wir jedem Gewinner gern Einblick ins Auktionskonto." Bislang habe aber noch niemand von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht, sagt Busch. Zudem könne man sich per Anruf bei der begünstigten Organisation leicht davon überzeugen, ob das Geld angekommen sei. Derzeit wird noch auf jeden Auktionserlös eine Verwaltungsgebühr erhoben. Mit Hilfe von Sponsoren hofft man diese aber über kurz oder lang abschaffen zu können.

Corinna Busch und ihre Mitstreiter - Journalisten, Webdesigner und Programmierer, die alle weitgehend ehrenamtlich arbeiten - sind zuversichtlich, dass sie mit ihrer Idee Erfolg haben werden. Bislang sind "nur" etwa 40.000 Euro an Erlösen zusammengekommen. Doch der Zeitgeist ist mit "Stargebot". Die vor allem in der Medien- und Unterhaltungsbranche hervorragend vernetzten Initiatoren stoßen überall auf große Bereitschaft, sich für eine gute Sache einzusetzen. Hedonismus und Altruismus müssen kein Widerspruch sein. "Noch kann man Schnäppchen machen", wirbt Busch für ihr Portal. Zwei Karten für die exklusive "Tribute to Bambi"-Party am Vorabend der Bambi-Verleihung gingen im November 2007 noch für schlappe 700 Euro weg. "Wenn Stargebot erst mal richtig bekannt ist", sagt Busch und lacht, "wird man ein Vielfaches dafür bezahlen müssen."

Webadressen:
www.stargebot.de
www.charitybus.com
www.charityfolks.com