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Prinz William in Düsseldorf: Was der Royal am Rhein macht

Wenn das Land Nordrhein-Westfalen am heutigen Dienstag seinen 70. Geburtstag feiert, wird auch der britische Prinz William in Düsseldorf erwartet. Das hat einen besonderen Grund.

Prinz William

Prinz William ist Ehrengast bei der Feierstunde zum 70. Geburtstag Nordrhein-Westfalens.

Wenn Hannelore Kraft ihr bestes Kostüm herauslegt und vielleicht sogar heimlich Hüte aufprobiert, kann das nur eines bedeuten: es steht königlicher Besuch an in Düsseldorf.

Zum 70. Jahrestag der Gründung des Landes Nordrhein-Westfalen am 23. August wurde Prinz William, der selbst früher als Pilot der Royal Air Force in der Britischen Armee gedient hat, zur Feierstunde nach Düsseldorf abkommandiert, denn aus diesem Anlass sollen auch die Verbindungen zwischen dem bevölkerungsreichsten deutschen Bundesland und Großbritannien gefeiert werden.

Was im allgemeinen Bewusstsein gar nicht mehr so präsent ist: 1946 war es die britische Besatzungsmacht in Nachkriegsdeutschland, die die ehemaligen preußischen Provinzen Rheinland und Westfalen quasi per Zwangsheirat (Codename "Operation Marriage") zu einer neuen politischen Einheit zusammen fasste; 1947 kam noch die Region Lippe dazu. Bei der Gründung Nordrhein-Westfalens stand allerdings nicht die Zusammenführung kulturell homogener Gebiete im Vordergrund, sondern der Wunsch der britischen Regierung, das Ruhrgebiet als leistungsstarke Industrieregion mit seinen Ressourcen als Ganzes geographisch und politisch zusammenzufassen.

Die Briten wollten allein entscheiden

Es war der gelungene Versuch der Briten, in ihrer nordwestdeutschen Besatzungszone über die künftige Wirtschaftsordnung und die Strukturen der deutschen Industrie allein zu entscheiden, vor allem aber die Forderung der Russen im Alliierten Kontrollrat auf Mitbestimmung über Demontagen und Reparationen im Ruhrgebiet auszubremsen.

Nach zwei Weltkriegen gegen Deutschland hatten die Alliierten zunächst geplant, die "Waffenschmiede" Ruhrgebiet zu zerschlagen. Doch andererseits waren Nachkriegsdeutschland und die Nachbarländer in Europa dringend auf Stahl und Kohle für den Wiederaufbau angewiesen. Seit April 1949 regelte nun die sogenannte Ruhrbehörde die Förderung und Verteilung der begehrten Güter und Rohstoffe unter alliiertem Vorsitz. Erst mit Gründung der Montanunion 1951, zwei Jahre nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland 1949, endete die Abhängigkeit von den ehemaligen Siegermächten, auch wenn sie weiterhin mit Truppen im Land präsent blieben.

Prinz William verleiht das Fahnenband

Und diese Soldaten werden nun vom königlichen Besuch geehrt: Am Nachmittag verleiht der Herzog von Cambridge zusammen mit Ministerpräsidentin Hannelore Kraft im Rahmen eines feierlichen militärischen Appells das Fahnenband des Landes Nordrhein-Westfalen (ein schmales gesticktes Band, das als Schmuck an die Fahne oder den Wimpel der militärischen Einheit geheftet wird) an die 20th Armoured Infantry Brigade aus Sennelager. Damit wird das Engagement der Britischen Streitkräfte in Nordrhein-Westfalen in den vergangenen Jahrzehnten gewürdigt.

Außerdem werden bei der Zeremonie 30 Soldaten des "Princess of Wales Regiment" im Düsseldorfer Ehrenhof anwesend sein, besonders berührend für den Prinzen, da diese Einheit 1992 nach seiner verstorbenen Mutter Diana, Prinzessin von Wales, benannt wurde. Im Anschluss gibt es einen kurzen Empfang für die Soldaten und ihre Familien, bei dem William sich unters Volk mischt.

Am spannendsten für ihn ist wahrscheinlich das Treffen mit der Kanzlerin, das gegen 19.00 Uhr kurz vor dem abendlichen Festakt eingeplant ist. Was die beiden besprechen, wird allerdings wohl nicht durchsickern, denn anders als ihre Vorgänger im Amte spricht Frau Merkel gut Englisch und benötigt somit für so ein inoffizielles Gespräch keine Dolmetscher. Immerhin hatte sie schon im vergangenen Jahr die Queen während des Staatsbesuches in Berlin persönlich durchs Kanzleramt geführt.

Auch die Bundeskanzlerin kommt

Danach gibt es in der Düsseldorfer Tonhalle eine Gala zur Feier des 70. Landesgeburtstags, bei dem neben Bundeskanzlerin Angela Merkel und der Landesmutter Kraft auch Prinz William vor den rund 1500 Teilnehmern eine Rede halten wird. Danach darf der hohe Gast sich auf ein Buffet mit Spezialitäten aus den drei Landesteilen Rheinland, Westfalen und Lippe freuen, begleitet von den typischen Biersorten Alt, Pils und Kölsch.

So feiern ehemalige Sieger und Besiegte wohl ein letztes Mal miteinander; die immer noch etwa 20.000 britischen Soldaten auf deutschem Boden werden bis 2020 - 75 Jahre nach Kriegsende - in ihre Heimat zurückverlegt. Der Herzog von Cambridge wird allerdings nicht so lange bleiben, er macht nur einen Tagesausflug nach Düsseldorf und fliegt abends wieder nach Hause zu Kate und den Kindern.