HOME

PRINZENHOCHZEIT: »Fräulein Höiby« ist jetzt Kronprinzessin

Unter dem Jubel tausender Norweger haben sich in Oslo der norwegische Kronprinz Haakon und seine bürgerliche Braut Mette-Marit Tjessem-Hoiby das Ja-Wort gegeben.

Bejubelt von zehntausenden Landsleuten haben Norwegens Kronprinz Haakon und seine bürgerliche Verlobte Mette-Marit Tjessem-Höiby am Samstag im Osloer Dom geheiratet. Mit dem Jawort der 28-Jährigen im schneeweißen Brautkleid und des gleichaltrigen Bräutigams in Gala-Uniform wurde aus »Fräulein Höiby« Kronprinzessin Mette-Marit.

Die stark bewegt wirkende neue Kronprinzessin kämpfte mit Tränen der Rührung, als Bischof Gunnar Stalsett bei seiner Predigt sagte: »Euer Glück zeigt, welche Kraft in der Liebe steckt.« Stalsett hob den Mut der Braut heraus, die sich zu ihrer Vergangenheit als Jugendliche im Drogenmilieu bekannt und als allein erziehende Mutter immer zu ihrem vierjährigen Sohn Marius gestanden habe.

Trotz regnerischen Wetters feierten zehntausende Norweger als Schaulustige begeistert mit. Schon Stunden vor der für den späten Nachmittag geplanten Trauung im Dom von Oslo war die Innenstadt mit Zuschauern restlos gefüllt. Die Hauptstraße der norwegischen Hauptstadt glich über die gesamte Strecke zwischen Dom und Schloss einem Meer mit großen und kleinen Flaggen in den norwegischen Nationalfarben Rot, Weiß, Blau.

Zu den Hochzeitsgästen im Dom mit Norwegens Kirchenoberhaupt Bischof Gunnar Stalsett gehörten Schwedens König Carl XVI. Gustaf und Königin Silvia, die dänische Königin Margrethe II. sowie der ohne Begleitung angereiste britische Thronfolger Prinz Charles. Aus Belgien kam König Albert II., die Niederlande wurden durch Kronprinz Willem-Alexander und Spanien durch Königin Sofia vertreten. Trauzeuge für den Kronprinz war sein dänischer »Amtskollege« Frederik. Mette-Marit hatte als Trauzeugin ihre beste Freundin, die Friseurin Linda Tanevik benannt.

Fein gemacht im Kinderfrack sollte Marius, der vier Jahre alte Sohn der Kronprinzessin, beim Auszug aus der Kirche die Schleppe seiner Mutter tragen. Mette-Marit trug ein schlicht geschnittenes Brautkleid von zwei norwegischen Designern, dessen Schleppe und Schleier aus rund 125 Metern Seiden-Mousselin genäht waren.

Modisch auffällig

Modisch auffällig erschien Haakons Schwester Märtha-Louise (29): Zu einem geschnürten rosa Mieder-Oberteil mit Bolero-Jäckchen trug sie einen kupferfarbenen Rock. Norwegens Königin Sonja feierte die Hochzeit ihres Sohnes in einer grünen bestickten Robe mit dramatisch geschlitzten, überlangen Ärmeln.

Die Polizei musste vor der Anfahrt des Brautpaares zum Dom das Zentrum absperren und erwartete für die Fahrt zurück ins Königliche Schloss mehr als 100 000 Zuschauer. Die frisch Vermählten sollten vom Dom aus in einem offenen schwarzen Oldtimer »Lincoln Continental« zum Schloss fahren, aus dem schon Haakons Eltern, König Harald V. (64) und Königin Sonja (64) bei ihrer Hochzeit 1968 dem jubelnden Volk zugewunken hatten. Haakons Vater hatte zehn Jahre lang um die Zustimmung seines Vaters, König Olav V., zur Ehe mit der ebenfalls aus bürgerlichem Haus stammenden Sonja kämpfen müssen.

Harald verkündete am Hochzeitstag, dass die 28-jährige Frau seines Sohnes nach dem Jawort den Titel »Ihre Königliche Hoheit Kronprinzessin Mette-Marit« trägt. Beim offiziellen Hochzeitsauftakt am Freitagabend mit einem Festbankett der norwegischen Regierung für das Brautpaar nannte Ministerpräsident Jens Stoltenberg die bevorstehende Trauung ein »Symbol

für Liebe und Glück». Sie sei außerdem ein deutliches Signal für die einigende Funktion der Monarchie in dem skandinavischen Land, in dem vier Millionen Menschen leben.

Am Tag der Hochzeit meldete sich über einen Anwalt der Ex-Freund der Prinzenbraut mit dem Versprechen zu Wort, weder in Norwegen noch anderswo »nicht hoffähige« Fotos aus der wilden Jugend von Mette-Marit zu veröffentlichen. Der wegen Drogen- und Gewaltvergehen vorbestrafte Fotograf war Mitte der neunziger Jahre drei Jahre lang fester Freund Mette-Marits, ist aber nicht Vater ihres vierjährigen nichtehelichen Sohnes Marius.

»Gewaltiger Druck« der Medien

Er erklärte, in jüngster Zeit hätten Medien »gewaltigen Druck« auf ihn ausgeübt, um belastende Fotos zu verkaufen. Er wolle sich aber unter allen Umständen loyal verhalten. Bei der Osloer Polizei waren mehrere Tipps über bevorstehende Erpressungsversuche gegen die künftige Kronprinzessin mit »kompromittierenden« Bildern von Sex- und Drogen-Aktivitäten eingegangen.

Haakon und Mette-Marit kündigten vor ihrer Hochzeit an, sie wollten »sehr viele« Kinder haben. In seiner Rede beim Festbankett der Regierung dankte der Kronprinz seinen Eltern ausdrücklich auch für die »offene und freundliche Aufnahme« von Mette-Marits Sohn Marius. Der Vierjährige erhält nach der Einheirat seiner Mutter in die vierte Generation der norwegischen Königsfamilie keinen Prinzen- oder einen anderen royalen Titel. Er bekommt auch keinen Platz in der Thronfolge.