HOME

Promi-Kindergärten: Mit Chauffeur zum Hort

Öffentliche Vorschulen? Kindergärten, die sich jeder leisten kann? Aber doch nicht für die Hollywood-Prominenz. Die lieben Kleinen werden schließlich mit Chauffeur zum Hort gebracht. Und der kostet dann im Jahr auch schon mal so viel wie ein nagelneuer Mittelklassewagen mit Ledersitzen und Schiebedach.

Von Frank Siering, L.A.

Einmal im Jahr, so kurz nach Ostern, da werden die Schönen und Reichen in Los Angeles richtig nervös. Dann nämlich verschicken die Direktoren der "Little Ivy League" in Tinseltown ihre Blauen Briefe und es entscheidet sich, ob der kleine verwöhnte Racker, dessen Papa Spielberg, Hanks oder Foster mit Nachnamen heißt, den Eintritt in die Promi-Vorschule geschafft hat oder nicht.

25.000 Dollar Schulgeld pro Jahr

"Little Ivy League", dahinter verbergen sich diesmal nicht die sonst mit diesem Titel geehrten Edelunis wie Princeton, Harvard oder Yale (zählen in den USA zur Ivy League), nein, diesmal sind damit Schulen wie "Crossroads", "Brentwood School" oder "Oakwood School" gemeint. Nie gehört?­ Mag daran liegen, dass sie, liebe Leser, keine dreijährigen Knirpse haben, für die sie in der Regel rund 25.000 Dollar an Schulgeld im Jahr ausgeben wollen.

Elitäre Pompschulen

Das nämlich blätterte Steven Spielberg jahrelang hin, und das gleich dreimal, damit seine Kids in die Calthorp Private Pre-School gehen durften. Oder Demi Moore. Die ließ ihre Kids von einem Fahrer jeden Tag in die Wildwood School in Mar Vista bringen. Eine hinter großen Hecken verborgene Privatschule, die 22.000 Dollar Schulgeld kostet. In Hollywood zählt es längst zur guten Sitte, die Kinder in diese elitären Pompschulen, die mit hohen Mauern und Bodyguards abgesichert sind, zu schicken. Fragen Sie mal Kate Hudson, Seth Rogan oder auch Jack Black. Allesamt Absolventen der Crossroads School. Vom Kindergarten an bis zur zwölften Klasse wird hier unterrichtet. 22.000 Dollar kostet der Spaß im Jahr. Zusätzliche Spenden werden nicht nur geduldet, sondern erwartet. Auch Will Smith schickt seine Kids auf eine dieser Schulen. Der "Center for Early Education" ist ein sagenumwobenes Gebäude in West Hollwyood, deren Administration die Anzahl der prominenten Kinder geheimhält. Angst vor Entführungen sind auch in Los Angeles längst an der Tagesordnung. Jake Gyllenhaal und Adam Levine von Maroon 5 drückten hier gemeinsam die Kindergarten-Bank. Mama und Papa mussten derweil jedes Jahr einen Scheck über 19.000 Dollar "Gebühren" ausschreiben.

Zwei-Klassen Kindergartengesellschaft

Während die meisten Angelenos ihre Kids durch die eher schlecht denn recht ausgestatteten öffentlichen Kindergärten schleusen müssen, so kämpft die Moneten-Elite bis aufs Scheckbuch um die begehrten Plätze in den privaten Elite-Schulen.

Denn trotz der finanziellen Hürde, die Plätze sind sehr begehrt und sehr begrenzt. Jamie Nisenbaum führt eine Firma, die Eltern hiflt, die richtige Bewerbungsstrategie zu finden. "Ich habe schon Eltern erlebt, die ihre elf Monate alten Kinder zu Charity-Events dieser Schulen geschleppt haben, damit die Kleinen einen bleibenden Eindruck beim Schulmanagement hinterlassen", sagt die Gründerin von "LA School Mates". Nissenbaum hilft den Eltern, bei den Bewerbungs-Aufsätzen den richtigen Ton zu treffen, Familienfotos in den Antrag hineinzustecken, und sogar kleine Videofilmchen vom Hubschrauberausflug der Eltern mit dem Bewerberkind beizusteuern. "Es ist ein harter Wettkampf in LA. Familien mit Geld gibt es genug. Das Bewerberkind muss herausstechen, um angenommen zu werden."

"Ich habe es genossen"

Wie gesagt, bei diesen "Bewerbern" handelt es sich um meist Drei- bis Fünfjährige, die somit auf dubiose Art und Weise auf den beinharten Wettkampf in der Entertainment-Industrie vorbereitet werden. "Ich habe es genossen, im Center for Early Education sein zu dürfen", sagt Jake Gyllenhaal heute. Hatte er eine Ahnung, wie schwierig es für seine Mutter war, den Jungen dort unterzubringen? "Nein, aber dafür merkst Du später, dass das schon eine recht elitäre Verbindung ist", fährt der Schauspieler fort. "Private Vorschulen erhalten in der Regel zehn Bewerbungen auf einen Platz", sagt Jim McManus, Direktor der California Association of Independent Schools. "Und der Wettbewerb wird immer intensiver", fuegt McManus hinzu. Wer kommt durch? Natürlich hilft es, wenn man Tom Cruise, Will Smith oder Jodie Foster heißt. Eine anonyme Spende für das geplante Computer-Laboratorium hilft sicherlich auch ein bisschen.

Musikunterricht im eigenen Amphitheater

"Money talks, daran besteht gar kein Zweifel", sagt eine Produzenten-Mutter, deren Sohn gerade in die John Thomas Dye Shool in Bel Air aufgenommen wurde. Jährliche Gebühr: 20.850 Dollar. Zu den Alumni gehören Monica Lewinsky, Tori Spelling und auch Melissa Rivers. Die lieben Kleinen dürfen dafür aber auch den Musikunterricht im eigenen Amphitheater genießen. Die Akkustik muss schließlich stimmen, wenn die Fünfjährigen loskrakelen. Aber Vorsicht, Geld allein garantiert auch noch keinen Sitzplatz in der Crossroads-Aula. "Sind die Eltern zu aufdringlich, schicken zu viele E-Mails und verlangen zuviel, so werden sie auch gerne mal ans Ende der Liste gesetzt", weiß Sandy Eiges, Gründer von LA School Scout, einer Organisation, die Eltern hilft, die Kinder auf die richtige Vorschule vorzubereiten.

Nicht nur Geld regiert die Welt

Ein Nachmittag als freiwilliger Helfer im Schulgarten oder ein Tag als Klassenaufsicht wirken da oftmals besser als ein Spendenscheck über 100.000 Dollar. Denn auch in Hollywood folgt man nicht immer nur dem schnöden Mamon. Vor allem dann nicht, wenn die Spender ohnehin schon Schlange stehen.