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Prominente Opfer: Ein Gespenst namens Brustkrebs

Cynthia Nixon, Anastacia, Kylie Minogue und Sheryl Crow teilen dasselbe Schicksal. Sie litten an Brustkrebs - und haben die Krankheit besiegt. Wie die vier Frauen mit der Diagnose umgingen, ist jedoch höchst verschieden.

Von Julia Mäurer

In der Erfolgsserie "Sex an the City" verkörperte Cynthia Nixon die alleinerziehende, stets etwas überforderte Anwältin Miranda Hobbes. Im Vergleich zu dem, was Nixon im wahren Leben durchmachen musste, sind Mirandas Probleme ein Klacks. 2006, im Alter von 40 Jahren, wurde bei der Schauspielerin Brustkrebs diagnostiziert. Dies verriet Nixon jetzt in der US-Talkshow "Good Morning America". "Ich wollte es nicht öffentlich machen, als ich gegen den Krebs kämpfen musste", sagte Nixon, deren Mutter und Großmutter ebenfalls an Brustkrebs erkrankt waren.

Dass sie nun doch öffentlich über den Krebs spricht, hat im Wesentlichen einen Grund: Sie will aufklären und andere Frauen ermutigen, zur Vorsorge zu gehen. "Das einzige, wovor wir Frauen uns wirklich fürchten, ist die Furcht an sich", sagte Nixon in der Sendung. "Keine Frau sollte auf eine Mammografie verzichten, nur weil sie Angst vor dem möglichen Ergebnis hat. Das macht die Sache am Ende nur noch schlimmer."

Damit ist Nixon eine weitere prominente Frau, bei der Brustkrebs diagnostiziert wurde und die öffentlich auf ihr Schicksal aufmerksam macht. Vor rund vier Wochen schockte die deutsche Moderatorin Miriam Pielhau mit ihrer Brustkrebsdiagnose - mit 32 Jahren. Laut einer aktuellen Studie des Berliner Robert-Koch-Instituts erkranken in Deutschland jährlich mehr als 57.000 Frauen an Brustkrebs. Zwar hat sich das Risiko für Frauen unter 50 Jahren im Vergleich zur Vorgängergeneration halbiert, insgesamt steigt die Zahl der Betroffenen jedoch seit 1980 kontinuierlich an.

Die Sängerin Anastacia war erst 29, als Ärzte in ihrer linken Brust einen Tumor entdeckten. Eher zufällig. Denn Anastacia hatte sich in Behandlung begeben, um ihre Oberweite verkleinern zu lassen. Da klingt die Diagnose Brustkrebs wie ein makaberer Scherz. Dabei war der Tumor schon auf eine gefährliche Größe angewachsen. "Einen Monat später wäre ihr Zustand unmittelbar lebensbedrohlich geworden", bekannte ihr behandelnder Arzt Dr. Alexander Swistel.

Anastacia litt öffentlich, Sheryl Crow im Stillen

Der Weg, den Anastacia einschlug ist ungewöhnlich und nicht unumstritten. Sie ließ alle Welt teilhaben an ihren Schmerzen, ihrer Übelkeit, ihrer Angst, indem sie dem US-Fernsehsender ABC erlaubte, ihren Krankenhausaufenthalt in Form eines Video-Tagesbuchs zu begleiten. Ungeschminkt, blass und mit hängendem Kopf sieht man Anastacia im Krankenleibchen auf dem Bett sitzen. "Ich habe noch nie im Leben solche Ängste ausgestanden. Ich bin vollkommen hilflos", schluchzt sie. Schonungslos und unzensiert sieht man, wie sie weint, sich übergibt, vor Schmerzen schreit.

Vor laufender Kamera werden ihr in einer siebenstündigen Operation ein Teil der linken Brust abgenommen, zwei Lymphknoten entfernt und eine kosmetische Rekonstruktion vorgenommen. "Auf die Schmerzen war ich nicht vorbereitet", sagt Anastacia. Sie muss von einer Krankenschwester gestützt werden, um nicht in Ohnmacht zu fallen. Knapp ein Jahr hat Anastacia pausiert, danach kehrte sie zurück auf die Bühne. Mit melancholischen, ruhigen Songs, in denen sie ihre Tortur verarbeitet.

Einen ähnlichen Weg wählte Sheryl Crow. Sie war das All-American-Girl der Neunziger, das mit der Gitarre die Charts eroberte und dabei vor allem eines im Sinn hatte: Spaß. Jahrelang heimste sie für ihre Musik einen Preis nach dem anderen ein, füllte große Konzertsäle und schien mit dem Radprofi Lance Armstrong den Mann fürs Leben gefunden zu haben. Doch 2006 kam alles anders. Im Februar, nur fünf Monate nach der Verlobung, trennte sich Armstrong von Crow. Kurze Zeit darauf wurde bei der 45-Jährigen Brustkrebs diagnostiziert. Crow wählte den zurückhaltenden Weg. Unterzog sich einer Operation sowie einer Strahlentherapie, um sich direkt in Anschluss in Arbeit zu stürzen. Die Musikerin tourte durch die USA und veröffentlichte ihr zehntes Album "Detours", das ihr als Ventil für die Erfahrungen der vergangenen Monate diente.

Kylie Minogue kämpfte und kehrte zurück

Die Musik half auch Kylie Minogue, das zu verarbeiten, was niemand wahrhaben wollte. Im Frühjahr 2005 wurde ein golfballgroßer Tumor in der linken Brust der 37-Jährigen entdeckt. Statt Glitzerkostüme und Welttournee musste sich Minogue einer Chemotherapie unterziehen, verlor ihre Haare und gewann an Gewicht. Ihr zur Seite stand Oliver Martinez, von dem sie sich jedoch Anfang 2007 trennte. Doch Kylie wäre nicht Kylie, wenn sie sich nach dem Krebs nicht berappelt, aufgestanden und weitergekämpft hätte. Mit ihrem Album "X" gelang ihr das Comeback im Musikgeschäft und die Rückkehr auf die Konzertbühne.

Cynthia Nixon gilt nach einer mehrwöchigen Therapie als geheilt. Der nächste Termin in ihrem Kalender dürfte daher auch kein Arztbesuch, sondern der 29. Mai sein: An diesem Tag kommt die lange angekündigte Verfilmung von "Sex and the City" in die Kinos.