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Rachida Dati: Halb Paris sucht einen Vater

Rachida Dati, Frankreichs glamouröse Justizministerin, ist schwanger. Den Namen des Vaters ihres ungeborenen Kindes möchte sie nicht preisgeben. Nach Meinung der Franzosen kommt fast ein halbes Dutzend Männer als potenzieller Vater in Frage - allesamt hochkarätige Politiker und Unternehmer.

Von Jörg Zipprick, Paris

Sogar über die französischen Staatsgrenzen hinaus, nämlich in der spanischen Politik, wurde der Herr Papa gesucht. "Die Information ist vollkommen falsch", erklärt das Büro des früheren spanischen Premierministers José-Maria Aznar. "Wir prüfen rechtliche Schritte." Aznar stand unter Verdacht. In Frankreich wurde der verheiratete Ex-Premier am Mittwoch und Donnerstag als möglicher Vater des ungeborenen Kindes von Justizministerin Rachida Dati gehandelt. Aznar hat drei Kinder und beteuert, alles sei erlogen. Aufgeschnappt hatten die Franzosen die Information auf einer marokkanischen Website. Dort war der Vater von Datis Nachwuchs "ein hochrangiger spanischer Politiker, der vor Zapatero regierte." Dati, 42, möchte zur Vaterschaft keine Angaben machen. Sie sagt, sie habe "ein kompliziertes Privatleben."

Letzteres hätte man in Frankreich bis vor Kurzem strikt respektiert. Hatte nicht Präsident Mitterrand eine ganze Parallelfamilie samt Tochter unterhalten? Halb Paris wusste es, doch keiner redete darüber. Seit Staatspräsident Nicolas Sarkozy Politik als großes Spektakel verkauft, werden Minister jedoch fast wie Showstars behandelt. Für Dati gilt das doppelt. Den Wählern wurde die Tochter eines marokkanischen Vaters und einer algerischen Mutter als gelungenes Beispiel der Integration verkauft, als Beispiel für das weltoffene Frankreich, in dem jeder eine Chance hat. Mit Nebenjobs als Verkäuferin und Krankenpflegerin hätte sie ihr Studium finanziert.

Dati fälschte ihren Lebenslauf

Die Lichtgestalt warf bald einen dunklen Schatten: Datis Brüder Jamal und Omar wurden wegen Drogendelikten vor Gericht gestellt und verurteilt. Fast gleichzeitig kam der Verdacht auf, sie selbst hätte, anders als im Lebenslauf angegeben, nie ein Examen an der prestigeträchtigen Eliteschule HEC abgelegt. Tatsächlich verfügt sie nicht über diesen Abschluss, die Aufnahme des Letzteren in ihren Lebenslauf sei ein Versehen der Verwaltungsbehörden gewesen.

Im Februar enthüllte das Satireblatt "Le Canard enchaîné", dass Rachida Dati Kleidung für 39.000 Euro vom Modehaus Yves Saint-Laurent geborgt hatte. Bezahlt oder zurückgegeben wurden die Kleidungsstücke nicht. Die Marke drohte mit Klage. Dati wechselte zu Dior. Gleich drei Doppelseiten füllten ihre Fotos im glamourösen Dior-Kleid in "Paris-Match".

Die Justizministerin lebt gern im Luxus - auf Staatskosten

Im März kam ihre Finanzplanung ins Gerede: Dati hätte das Repräsentationsbudget des Justizministeriums um 30 Prozent überzogen. "Mediapart" rechnete vor, dass allein das Essen einer Garden-Party 57.467,51 Euro gekostet hätte. Am 10. Dezember 2007 hätte sie 1.730 Euro im Restaurant Le Pasco ausgegeben, noch dazu seien in Paris gut 3.900 Euro Hotelrechnungen auf ihren Namen aufgelaufen. Auch Strumpfhosen, Marke Wolford, Make-Up und den entsprechenden Entferner stellte sie der Staatskasse in Rechnung.

Nach einem offenherzigen Auftritt bei der Queen betitelte die britische Presse die Ministerin als "Sarko-Babe". Ein im Juni erschienenes Skandalbuch behauptet, Präsidenten-Gattin Carla Bruni hätte die Justizministerin bei einer Visite im Schlafzimmer des Elysées-Palastes gefragt, ob sie "dort auch gern gelegen hätte."

Seitdem verfolgt die französische Öffentlichkeit gebannt jede weitere Folge aus dem Leben der Justizministerin. Die Zeiten von diskreten Liaisons und amourösen Abenteuer unter Ausschluss der Öffentlichkeit sind in Paris erst mal vorbei. "Vater verzweifelt gesucht" wird es auch nächste Woche wieder in den Klatschspalten heißen. Aznar war es also nicht.

Doch noch gibt es vielversprechende Kandidaten: Den Fernsehmoderatur "Arthur" etwa. Oder Dominique Desseigne, der CEO des Spielbank- und Hotelimperiums "Barrière". Oder Henri Proglio, der Big Boss des mächtigen Unternehmens Veolia. Das versorgt nicht nur Frankreich mit Wasser und Energie. Oder vielleicht doch jemand anders. In einer satirischen Umfrage der Website lepost.fr stimmten gut 45 Prozent der Leser für Staatspräsident Nicolas Sarkozy als Vater. Selbst ihm wurde zuweilen eine Liaison mit seiner Ministerin unterstellt. Monsieur le Président brauchte nicht zu dementieren. Schließlich sagten gut zehn Prozent der Umfrageteilnehmer bei lepost.fr "Ich war's".