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Deutsch-Französisches Ministertreffen: Steinmeier sings the Soul

Minister auf Entdeckungstour durch Berlin: Beim deutsch-französischen Kabinettstreffen haben sich die Regierungsmitglieder beider Länder unters Volk gemischt. Die Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Bernard Kouchner verschlug es ins Tonstudio - wie jetzt zu hören ist.

Die beiden Außenminister bemühten sich redlich, den richtigen Ton zu treffen. Diesmal ging es aber für beide einmal nicht um die große Weltpolitik. In einem Kreuzberger Tonstudio versuchten Frank-Walter Steinmeier und Bernard Kouchner mit dem deutsch-türkischen Musiker Muhabbet in einer passenden Stimmlage zu singen - und noch dazu bei einem Song in einer seltsamen Mischung aus Soul und orientalischen Klängen.

Keine Sitzungen sondern Ausschwärmen in Berlin

Der Auftritt von Steinmeier und Kouchner war Teil eines deutsch- französischen Ministertreffens in Berlin wie es noch nie da war. Statt ewig langen Sitzungen am ovalen Tisch waren diesmal einige Mitglieder der Kabinette von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy in Berlin ausgeschwärmt, um neue Akzente in den deutsch-französischen Beziehungen zu setzen.

Bauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) besuchte gemeinsam mit seiner französischen Kollegin Christine Boutin "Stadtteilmütter" in Neukölln. Justizminister Brigitte Zypries (SPD) besichtigte zusammen mit ihrem Pariser Pendant Rachida Dati ein Zentrum für vernachlässigte und psychisch auffällige Kinder. Verbraucherminister Horst Seehofer (CSU) und sein französischer Kollege Michel Barnier verteilten in einer Weddinger Schule Äpfel und Birnen. Das beste Los hatten aber sicher Steinmeier und Kouchner gezogen, auch wenn sich ihr Beitrag auf jeweils das Singen der Worte "Deutschland" und "Frankreich" im Background beschränkte.

Aktionen unter der Überschrift Integration

Die ganzen Aktionen standen unter einer Überschrift: Integration. Das Thema beschäftigt Deutschland wie Frankreich, aber wahrscheinlich noch mehr die "Grande Nation", in der es 2005 zu heftigen Ausschreitungen von jugendlichen Migranten besonders in den Vororten von Paris gekommen war. Und darum drehte sich auch der Text, in den Steinmeier und Kouchner - wenn auch beschränkt - einstimmten: "Deutschland, warum verschließt Du dich, Deutschland, leg deine Karten auf den Tisch, Frankreich, warum verschließt du dich, Frankreich leg deine Karten auf den Tisch."

Und über dieses Thema sprachen zur gleichen Zeit auch die Chefs. Merkel und Sarkozy hatte es in den Norden der Stadt gezogen, wo sie mit Schülern mit Migrationshintergrund - wie es im Amtsdeutsch so schön heißt - diskutierten.

In der Romain-Rolland-Oberschule gingen dabei aber durchaus die Meinungen auseinander, wer denn nun zuerst zur Integration beitragen müsse: Die Zuwanderer oder die Deutschen beziehungsweise die Franzosen. Die Schüler waren durchaus der Auffassung, dass es auf "die Aufnahmekultur" des Landes, wie ein Mädchen meinte, ankomme und nicht darauf, wie sich die Ausländer verhielten.

Das sah Merkel ein wenig und Sarkozy sogar ganz anders. Merkel argumentierte noch vorsichtig, sprach davon, dass natürlich Deutschland ohne seine Einwanderer "nicht das wäre, was es heute ist". Aber ebenso gelte es, "Parallelgesellschaften" zu verhindern. Und dann wurde auch die Kanzlerin durchaus deutlich. Was das Lernen der Sprache angeht, sah sie vor allem die Eltern der Kinder in der Pflicht. Sie sollten dafür sorgen, dass ihre Kinder auch mal ein deutsches Buch lesen.

Sarkozy - in seiner bekannt emotionalen Art - formulierte da noch schärfer: "Ihr müsst kämpfen", meinte er zu den Schülern, obwohl die - perfekt deutsch sprechend - alles andere als nicht eingegliedert wirkten. "Man kann nicht auf den Knopf drücken und sagen: Gebt mir Arbeit, gebt mir Ausbildung!"

"Gar nicht mal so schlecht gesungen"

Am Ende verabschiedeten sich Merkel und Sarkozy ganz zufrieden von den Schülern und später im Kanzleramt verkündeten sie Einigkeit in allen politischen Fragen - wie auch im Atomkonflikt mit dem Iran. Vorbei scheinen die Irritationen aus den ersten Monaten von Sarkozy. Und auch Sänger Kouchner war mit sich im Reinen: "Für einen Minister habe ich gar nicht so schlecht gesungen."

Patricia Driese, Ulrich Scharlack/DPA / DPA