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Französische Staatssekretärin: Rama Yada: schwarz, weiblich, jung

Rama Yada erregt Aufsehen - und das nicht erst, seit sie im französischen Außenministerium ist. Die junge Politikerin bringt frischen Wind in die Regierungsmannschaft von Präsident Sarkozy. Die attraktive 30-Jährige will aber nicht die Farbige vom Dienst spielen.

Von Astrid Meyer

Für Rama Yada ist Sarkozy ein Einwandererkind - ganz wie sie selbst, und so geht sie mit ihm um. "Ich wette, am Anfang dachtest du, ich will dich instrumentalisieren", hat Nicolas Sarkozy zur jungen Frau gesagt, das war noch kurz bevor er Staatspräsident wurde. Rama Yada, die kürzlich als Staatssekretärin im Außenministerium jüngstes Regierungsmitglied Frankreichs wurde, erzählt das schmunzelnd. Die 30-Jährige ist überzeugt, dass sie nicht bloß das Feigenblatt einer konservativen Regierung ist, die das millionenschwere Wählerreservoir der Franzosen ansprechen will, die ihre Wurzeln (auch) in Afrika haben.

Sie ist politisch weder rechts noch links eingestellt - daraus macht sie keinen Hehl. Rama Yada ist einfach Sarkozy-Fan: "Wenn es ihn nicht gäbe, wäre ich auch nicht in dieser Partei". Diese Einstellung teilt sie mit ihrer Ministerkollegin Rachida Dati, die als Tochter maghrebinischer Einwanderer jetzt Justizministerin ist. Die sieben Frauen in der Regierung Sarkozys werden denn auch gerne "Sarkozettes" genannt, auch wenn die anderen fünf Ministerinnen schon lange Politik machen und sich mühsam hochgekämpft haben.

Diplomatentochter mit Charisma

Rama Yada hat als Science-Po-Absolventin eine Elite-Ausbildung. Sarkozy hat sie nicht bloß erwählt, weil sie Charisma hat (das auch, wie er selbst sagt), sondern weil sie in einer Vereinigung aktiv ist, die gegen die Diskriminierung von Menschen mit dunkler Hautfarbe kämpft, egal welcher Herkunft sie sind. Das Konzept dafür lautet: Kredite statt Sozialarbeit, Verantwortung statt Almosen. Das ist letztlich eine Variante des neokonservativen Prinzips, demzufolge finanzielle Unterstützung durch den Staat den Empfängern mehr schadet als nützt.

Im Gegensatz zu den meisten neokonservativen Politikern weiß Rama Yada, wovon sie spricht: Sie hat ab dem Alter von 14 Jahren in einem Hochhausviertel der Pariser Vorstädte gewohnt. Davor allerdings lebte die Diplomatentochter, die im Senegal geboren ist, das sorgenfreie Leben der Oberschicht. Das änderte sich erst, als der Vater die Familie verließ. Die Politik der Linken in den Vorstädten prangert sie als einfalls- und visionslos an: "Sie bringt uns eher Mitleid als Respekt entgegen."

Wobei man meinen sollte, dass es mit dem Respekt auch nicht weit her ist bei einem Mann, der die randalierenden Vorstadt-Bewohner "Gesindel" genannt hat und ankündigte, da mit dem Hochdruckreiniger aufräumen zu wollen. Die Frage wird in Frankreich derzeit heftig diskutiert: Kann man mit so einem dafür sorgen, dass Einwanderer und ihre Kinder besser in die französische Gesellschaft integriert werden? Rama Yadas Aufgabenbereich ist ein anderer, aber sie hat sich die Frage gestellt. Bei ihrem ersten Auftritt auf einer Parteiversammlung, hat sie Sarkozy wegen seiner Wortwahl und seiner harten Auftritte klar zurechtgewiesen.

Programmierter Konflikt

Rama Yada wollte sich nicht als Farbige vom Dienst um die Probleme von Farbigen kümmern. Möglicherweise hat sie das Schicksal von Azouz Begag abgeschreckt, der als Minister für Chancengleichheit mit Sarkozy so aneinander rasselte, dass Schimpfworte fielen und er lieber ging. Sarkozy behauptete hernach, er habe den Mann nie getroffen. Begag ist, wie Yada, Befürworter der positiven Diskriminierung: Also der Einführung von Quoten für die Einstellung von Farbigen bwz. Maghrebinern.

Da wäre ein politischer Konflikt schon programmiert, denn Sarkozy hat die positive Diskriminierung zwar eine Zeitlang befürwortet, seine Meinung aber Anfang des Jahres geändert. Solange Yada im Außenministerium für Menschenrechte zuständig ist, und dabei auch noch mit dem ehemaligen Sozialisten Bernard Kouchner zusammenarbeitet, dürfte dieser Konflikt ruhen. Da hat sie es leichter als eine andere ehemalige Vorstadt-Bewohnerin, Fadela Amara, die als Vorsitzende einer Frauenorganisation für Einwandererinnen Staatssekretärin im Ministerium für Städtebau wurde. Da ist sie der erzkatholischen Christine Boutin unterstellt. Rama Yada sieht ihre Zukunft gelassen. Falls die Skeptiker recht behalten sollten, weiß sie, was ansteht: "Sarkozy hört mir zu, und dann macht er, was er will. Wenn ich eines Tages wirklich nicht mehr einverstanden sein sollte, dann werde ich gehen".