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stern trifft Reese Witherspoon: "Ich habe den freizügigsten Film meiner Karriere gemacht"

Der stern hat Reese Witherspoon in Los Angeles getroffen und mit ihr über ihre wohl größte schauspielerische Leistung, Nacktszenen und ihre Rolle als Vorzeigefeministin in Hollywood gesprochen.

Von Frank Siering, Los Angeles

Reese Witherspoon spielt in ihrem aktuellen Film eine drogenabhängige Frau auf der Suche zu neuer Stärke

Reese Witherspoon spielt in ihrem aktuellen Film eine drogenabhängige Frau auf der Suche zu neuer Stärke

Der Pacific Crest Trail (PCT) ist ein 4200 Kilometer langer Wanderweg, der sich von der mexikanischen bis zur kanadischen Grenze schlängelt. Die Amerikanerin Cheryl Strayed hat sich vor 17 Jahren als eine von wenigen Frauen auf den brutalen Weg gemacht und ein Buch über ihre Erfahrungen auf dem PCT geschrieben.

Als “Wild” schnell zum Bestseller avancierte und sieben Wochen lang die Bestseller-Liste der New York Times anführte, wurde Hollywood hellhörig und verfilmte die Geschichte von Strayed. In dieser Woche nun kommt der Film ,,Der große Trip – Wild” mit Reese Witherspoon in der Hauptrolle auch in die deutschen Kinos.

Kinotrailer: "Der große Trip - Wild"

Reese, schon seit geraumer Zeit sind Sie mehr als "nur" eine Schauspielerin. Sie produzieren Filme, Sie setzen sich für bessere Rollen für Frauen in Hollywood-Filmen ein. War das Absicht?

Vor rund vier Jahren habe ich gemerkt, dass die Skripte für Frauen nicht mehr so toll waren. Und dagegen wollte ich etwas unternehmen. Ich wollte starke Frauen auf der Leinwand sehen. Und dann hab ich "Wild" in die Finger bekommen. Den Film wollte ich unbedingt machen, weil es genau die Art von Frau zeigt, die ich sehen will im Kino.

Nun sind Sie als blonde "Elle Woods" aus "Legally Blonde" nicht gerade als radikale Feministin bekannt. Wollen Sie mit diesem Film ihr Image verändern?

Feministinnen müssen ja nicht unbedingt ein vorbestimmtes Muster erfüllen, oder? – Ich bin eine Frau, die die Hollywoodlandschaft für Frauen verändern möchte. Ich glaube, mit "Wild" ist uns das gelungen.

Und der Film lenkt ihre Karriere in eine völlig andere Richtung. In diesem Film verzichten Sie quasi auf ihr gewöhnlich perfektes Makeup. Wir sehen eine sehr rohe Reese Witherspoon, eine Frau, die keine Angst hat, ihre kleinen Unebenheiten auf der Leinwand zu zeigen…

Ja, das stimmt. Und ich hatte auch ein bisschen Panik kurz vor den Dreharbeiten. Da waren so viele Sachen, die mir Angst machten. In dem Film muss ich Drogen nehmen. Ich habe aber keine Ahnung, wie man die einnimmt …

… und wir sehen Sie nackt und in einer sehr expliziten Sex-Szene. Auch so haben wir Sie noch nie gesehen.

Wir wollten roh und ehrlich sein. Cheryl (Strayed, Anm.d.Red.) hat viel durchgemacht in ihrem Leben. Sie hat sich viele Jahre betäubt, bis sie auf der Wanderung endlich zu sich selbst gefunden hat. Ich glaube, dass das die größere Botschaft ist in diesem Film. Eine wunderschöne Botschaft, die zeigt, dass wir manchmal viele Täler durchwandern müssen, um einen Punkt im Leben zu erreichen, an dem wir uns geborgen und sicher fühlen.

Ist der Film auch eine Homage an die weibliche Sexualität?

Natürlich geht es in dem Film um die weibliche Sexualität und darum, dass Frauen sich dafür nicht entschuldigen müssen. Frauen – besonders in den USA – wird noch immer viel zu oft eingetrichtert, dass wir Reue zeigen müssen, weil wir einen Typen geküsst oder gar mit ihm geschlafen haben. Dieser Film sagt uns, dass es okay ist. Es ist ein echter Befreiungsschlag für junge Frauen.

Sind Sie eigentlich auch privat eine Frau, die gerne wandert?

Nun, ich kann mich an eine lange Wanderung mit Rucksack erinnern, als ich in der siebten Klasse war. Und ich habe damals auch einen Jungen hinter einem Zelt geküsst. Aber das war es dann auch mit meiner "Hiking"-Erfahrung. Ich habe keine Ahnung, wie man ein Zelt aufbaut und ein Lagerfeuer entfacht. Ich hatte Angst, dass ich mir die Augenbrauen versenge.

Sie haben ihre College-Ausbildung für Hollywood abgebrochen. Denken Sie manchmal darüber nach, ihre Uni-Ausbildung vielleicht doch noch zu beenden?

Ich würde gerne noch einmal an die Uni zurückkehren. Vielleicht warte ich, bis meine Tochter soweit ist, dann können wir zusammen die Schulbank drücken. Sie hat sicherlich keine Lust darauf, aber das ist mir egal (lacht).

Da wir gerade über Kinder reden. Hat ihre Rolle als Mutter berufliche Entscheidungen beeinflusst über die Jahre?

Meine Kinder sind ja jetzt schon Teenager. Aber das hat meine Wahl an Filmen nicht beeinflusst. Ich habe mit "Wild" wohl gerade den freizügigsten Film meiner Karriere gemacht. Und ich habe mich zuvor mit meiner Tochter zusammengesetzt und mit ihr über meine Motive gesprochen. Sie hat zwar mit den Zähnen geknirscht, aber sie hat es schon verstanden.

Sie scheinen ein wirklich sehr erfülltes Leben zu führen. Ist Ihnen alles im Leben immer so leicht zugefallen?

Das ist sehr interessant, weil meine Anfänge als Schauspielerin gar nicht so leicht waren. Viele Castingagenturen dachten, dass ich nicht hübsch genug sei.

Und was raten Sie anderen jungen Schauspielern, bei denen es noch nicht so rund läuft?

Ruhig bleiben, sich Leuten zuwenden, den man trauen kann, und viel Geduld mitbringen. Du musst immer an dich und deine Fähigkeiten glauben.